Aktuell ist das Thema Krisenmanagement, ausgelöst durch die Havarie der "Costa Concordia" auf den Felsen vor der italienischen Insel Giglio, in aller Munde. Bedauerlicherweise zeigt der Fall, dass es eine Reihe von sehr unterschiedlichen Krisen gibt. Egal, ob wie hier in der Schifffahrt oder auch im industriellen Bereich. Sie werden zumeist durch grenzwertiges bis verantwortungsloses Verhalten von Verantwortungsträgern gekennzeichnet. Schlimm, wenn dann zusätzlich erkennbar wird, dass das Abweichen von vorgegebenen Routen und Regeln der Geschäftsführung bekannt ist und diese sich, wenn denn eine solche Abweichung zum Desaster führt, auch noch in Widersprüchen verhaspelt, wie dies der Vorstandsvorsitzende der Kreuzfahrtgesellschaft in Bezug auf zurückliegende Annäherungen des Kreuzfahrtschiffs an die Insel tat.
Dumm nur, wenn dann eine von allen Seiten als neutral einzustufende Institution – im vorliegenden Fall Lloyds List Intelligence, ein Informationsdienst der Schifffahrtsbranche – abwiegelnde Statements der Geschäftsführung mit dokumentierter Faktenlage widerlegen kann. Zum Krisenmanagement gehört eben auch eine auf Fakten basierende ehrliche Informationspolitik und das aufrichtige Bemühen um Vertrauen. Wir kennen das auch aus der Politik.
Aber irgendwie scheint das Desaster gar nicht so schlimm zu sein, hört man sich aktuelle Werbesprüche im Radio an, wo für eine Messe im Süddeutschen geworben wird, auf der sich die Besucher intensiv über Kreuzfahrtprogramme unterhalten sollen. Dies ist zumindest schlechtes Timing, sollte man meinen. Gleiches gilt auch für die Werbebemühungen eines Studienreiseunternehmens, das gegenwärtig intensiv für die Vorzüge und Besonderheiten der Danakil-Senke wirbt, die im Grenzland zwischen Äthiopien und Eritrea soeben einer Reisegruppe zum Verhängnis wurde. Ist Werbung solch ein Selbstläufer, dass sie nicht von Verantwortlichen in Unternehmen ausgebremst werden kann oder ist angesichts der Tatsache, dass die Erdkugel mit über 7 Mrd. Menschen ohnedies tendenziell überbevölkert ist, ein Grund für Werbeverantwortliche, über den Verlust von einer Handvoll Menschen großzügig hinwegzusehen? Sicherlich täte an dieser Stelle ein wenig Fingerspitzengefühl gut.
Apropos Werbeverantwortliche: Etwas mehr als einen Monat liegt der versuchte Briefbombenanschlag auf den Deutsche Bank Chef Josef Ackermann zurück, dem zwei Tage später ein erfolgreicher Anschlag auf den Direktor der staatlichen Steuereintreibungsfiliale Equitalia in Rom folgte. Während Ackermann durch die etablierten Sicherheitsroutinen erfolgreich geschützt wurde, wurde der Direktor von Equitalia beim eigenhändigen Öffnen des an ihn gesandten Kuverts stark an den Händen verletzt. Hinter dem Anschlagversuch auf Ackermann steckte dem hessischen Landeskriminalamt zufolge die linksextremistische italienische Gruppe FAI (Federazione Anarchica Informale). Auch bei dem Anschlag auf die Equitalia wurde ein linksextremistischer Hintergrund vermutet.
Vor diesem Hintergrund fragt man sich, was die Werbeverantwortlichen von British Petrol dazu veranlassen kann, ein Päckchen an leitende Angestellte, wie den Vorstandsvorsitzenden der BASF, zu schicken, das alle Merkmale eines Bombenpäckchens besitzt und beim Durchleuchten auch noch elektronische Bauteile erkennbar macht. Als Absender waren auf dem Päckchen Aufkleber für die Paralympischen und Olympischen Spiele 2012 in London angebracht. Aufkleber, die man leicht anfertigen kann. Im Paket befand sich – wie eine eingehende Untersuchung ergab – schließlich ein batteriebetriebener Tageszähler, der digital die verbleibenden Resttage bis zum Beginn der Spiele in London anzeigt und wie er auch für das zeitversetzte Zünden eines sog. unkonventionellen Sprengmittels benutzt werden kann und auch schon wurde. Den Schock beim Sicherheitspersonal hätte man sicher verhindern können, wenn im Vorfeld der Werbeaussendung ein deklarierendes Schreiben an die gleichen Adressaten versandt worden wäre.
Ein solches oder ähnliches Werbeprodukt wird sicherlich nicht nur einmal gefertigt und versandt, insofern können sich die Poststellen einiger Großunternehmen darauf einstellen, eine ähnliche Überraschung zu erleben.
So wichtig eine verantwortungsvolle Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit dem Krisenmanagement ist, so verantwortlich sollten Werbung und Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden, um nicht unnötige Ängste zu provozieren. Fehlgeleitete Kommunikation führt eben zu Kommunikationskrisen. Schlecht für den um Vertrauen oder Unterstützung Werbenden, schlecht erst recht für die Beteiligten.
Ein Beitrag des Informationsdienstes
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