Stromausfälle in den Städten häufen sich

15.02.2012

Die Energieversorger rücken mit Statistiken nicht heraus. Aus gutem Grund: Sie zeichnen ein Besorgnis erregendes Bild! Dem Sicherheits-Berater sind im letzten Jahr ca. 15 bis 20 regionale Stromausfälle bekanntgeworden, wobei "regional" heißt, dass ein Stadtteil oder mehr dunkel wurden oder dass auf dem flachen Lande die Versorgung zusammenbrach.

Was in der Berichterstattung nur selten erwähnt wird, sind die Ausfälle in Unternehmen, Ausfälle in Krankenhäusern werden berichtet, wenn aber die danebenstehende Hauptverwaltung mit Labor und Rechenzentrum nicht mehr versorgt wurden, entzieht sich das dem Interesse der Lokalredakteure.

Natürlich berichten auch die Unternehmen nicht gerne über ihre Ausfälle, denn daran sind sie zu einem Großteil selber schuld. Jeder Unternehmer müsste es inzwischen kapiert ­haben, dass er von der Energieversorgung extrem abhängig ist. Jeder Unternehmer müsste wissen, dass es in seinem Unternehmen unternehmenskritische Infrastrukturen gibt. Jeder Unternehmer müsste wissen, dass er die Auswirkungen eines Stromausfalles durch eine qualifizierte Analyse der ­Risiken und der denkbaren Schäden bewerten muss, um die unternehmerische Entscheidung fällen zu können, nichts zu tun und gewissermaßen mit der Bombe zu leben.

Jüngst sagte mal wieder ein Vorstand, bei ihnen sei es – solange er im Unternehmen ist (13 Jahre) – noch nie vorgekommen, dass der Strom weg war. Die RZ-Leute waren da anderer Ansicht. Sie hatten in 5 Jahren (so lange führten sie Aufzeichnungen) immerhin drei Fälle, wo die USV gefordert war. Sie tat ihre Arbeit, die Unterbrechung war kurz, die Haltezeit der Batterien war ausreichend. Kein Nutzer war betroffen. Welch ein Glück!

Was das Unternehmen aber nicht hatte und was bei einem längeren Ausfall des Stadtstroms kritisch geworden wäre, war eine Netz-Ersatz-Anlage (NEA). Das Unternehmen hatte zwar eine, die jedoch ausschließlich für die IT dimensioniert war. Sie reichte nicht, auch die Klimatechnik zu versorgen. Und da liegt ein Denkfehler, der weit verbreitet ist. USV für die IT ja, NEA für IT und Klima nein.

Wenn es sich um kurze Ausfälle handelt, Wischer oder Unterbrechung im Sekunden- oder niedrigen Minutenbereich, dann kann die USV voll ausreichend sein. Voraussetzung ist, dass die Klimatechnik, wenn durch Stromausfall heruntergefahren, automatisch und störungsfrei wieder hochfährt, wenn der Saft wieder da ist. Aber sind Sie sicher, dass das bei Ihnen auch so funktioniert?

Und: Die Unterbrechungen der Lieferung durch die Energieversorger werden immer länger. Sie liegen immer häufiger im knappen Halbstundenbereich. Und das packen die USVen wegen der begrenzten Batteriekapazitäten zum einen nicht, und zum anderen würden, selbst wenn sie es packten, die Rechner überhitzen. Vor einigen Jahren sind einem Internetprovider im Backup-RZ 20.000 Festplatten-Controller durchgebrannt. Deutschland spürte im Markt die Lieferschwierigkeiten der Hersteller ähnlich wie nach der Hochwasserkatastrophe in Thailand und dem Erdbeben in Japan. Noch brauchen unsere Rechner bekanntlich Kälte. Umdenken im Management tut Not.

Der Sicherheits-Berater macht den Energieversorgern keinen Vorwurf. Sie können nichts dafür, dass die Genehmigungsverfahren eines Kraftwerks ca. 10 bis 15 Jahre währen und die Baureifmachung von Trassen (z.B. für den Transport von Windstrom) bis zu 15 Jahre – und dann ist noch nichts gebaut! Umso mehr wächst der Zwang der Unternehmen, über alternative Sicherstellung der Stromversorgung nachzudenken. Die IT ist nur eines der Probleme für "ewigen" Strom. Viele Unternehmen haben zwangsläufige Prozesse, die hohen Energiebedarf haben. Auch ihnen ist Rechnung zu tragen. Und das gilt nicht nur für große Betriebe, das können auch ganz kleine Spezialisten sein. (vzm)


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  • Ausgabe 04 / 2012 vom 15.02.2012


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