Trends 2012

15.01.2012

1      Wirtschaftslage

Noch nie gab es so viele und so falsche Prognosen zur Wirtschaftslage wie gegenwärtig und in den zurück liegenden 3 Jahren. Noch nie haben sich wissenschaftliche Institute, die dafür teuer bezahlt werden (überwiegend aus Steuermitteln), die Wirtschaftslage zu begutachten, so oft geäußert, Prognosen groß hinausposaunt und noch fast druckfrisch in der Presse korrigiert. Im 2-Wochentakt, manchmal sogar noch schneller. Noch nie liefen die Prognosen, wenn Wachstumstrends angesagt waren, so sehr der Realität hinterher, und noch nie haben sie der Realität so widersprochen, wenn sie herunter korrigiert wurden. Der Autor, selber von Hause aus Wirtschaftswissenschaftler, fragt sich, mit welchen Werkzeugen die Prognosen erstellt werden. Der Verdacht liegt nahe, dass die Prognosen auf der Basis von Bauchgefühl erarbeitet werden. Besser sollte man gar nicht von erarbeiten sprechen, sondern von kreieren.

Noch nie haben die Prognosen so stark der realen Wirtschaft widersprochen wie gegenwärtig. Die Arbeitsmarktzahlen sind gigantisch. Seit Beginn der großen Koalition 2006 sinken die Arbeitslosenzahlen entgegen der wissenschaftlichen Prognosen heftig. Sie haben sich in wenigen Jahren halbiert. Dennoch äußern die Prognostiker das groß geschriebene ABER! Sie sehen permanent seit mehreren Jahren eine ständige Eintrübung der Konjunktur. Wenn der Euro-Kurs hoch steht, sieht man den Export gefährdet. Steht der Euro-Kurs niedriger, wird Zeter und Mordio geschrien, er sei in Gefahr. Erinnern wir uns an die 10 Jahre zurückliegende Einführung des Euros. Damals kostete 1 Dollar etwas über 80 Cents! Die gleichen Wissenschaftler, die dann den Anstieg des Euros zur Parität mit dem Dollar in einem Katastrophenszenario beklagten, blieben solange bei ihren Klagen, bis der Eurokurs fiel. Er stand ja zeitweilig bei 1,45 Dollar. Sodann beklagen sie den "Absturz" auf 1,35 Dollar wie einen Weltuntergang. Der Wirtschaft hat beides nicht geschadet. Sie hat aber diesen Unfug auch nicht verdient.

Man stellt sich ernsthaft die Frage, was für einen Nutzen Konjunkturprognosen dieser miserablen Qualität haben sollen. Die deutsche Wirtschaft ist dazu übergegangen, sich kaum mehr darum zu kümmern. Sie wirtschaftet einfach und das mit ­Erfolg.

Erschütternd ist unsere veröffentlichte Meinung – der Journalismus. Analytische Fähigkeiten sind Mangelware. Es scheint die Lust am Untergang und die Sucht nach vermeintlicher Originalität und Weisheit den analytischen Verstand maßgeblich auszuschalten. Die Ursache hierzu ist in der Tatsache zu sehen, dass die Redaktionen sich heute keine hochwertigen Journalisten mehr leisten können und alles das, was von dpa oder reuters verteilt wird – und das sind die Pressemitteilungen der Konjunkturprognostiker – kritiklos übernommen wird. Kommentare, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt werden, schlagen dann in die gleich Kerbe, denn damit liegt man ja einfach nicht falsch – meint man.

Und selbst wenn tatsächlich die Konjunktur einen leichten Rückgang verzeichnen sollte, geht keiner der Meinungsmacher hin und sagt, dass ein Rückgang um 1,5 % dem hohen Niveau des vorletzten Jahres entspricht – und da ist es uns ja weiß Gott nicht schlecht ergangen.

In der Reihe der falschen Propheten bewegen sich natürlich auch die Rating-Agenturen, die Staaten, welche schon pleite sind (USA und andere), das sog. "Triple A" geben oder mindestens ein AA+, die griechische Anleihen noch kurz vor dem Desaster für werthaltig hielten und keine Hemmungen haben, weil sie nun so oft daneben gelegen haben, auch gesunde Unternehmen und Staaten herabzustufen. In Deutschland insofern doppelt skurril, weil deutsche Unternehmen noch nie eine so hohe Eigenkapitalquote hatten wie gegenwärtig und sich für alle konjunkturellen Eventualitäten ein Höchstmaß an Rück­lagen verschaffen. Man denke nur daran, dass Siemens vor einem Jahr eine eigene Bank gegründet hat, um Geld direkt bei der Europäischen Zentralbank anlegen zu dürfen und dabei handelt es sich, den Veröffentlichungen gemäß, zur Zeit um eine "Portokasse" von immerhin 6 Milliarden Euro.

Wem also soll man eigentlich glauben?

  • Glauben Sie den Fakten im eigenen Unternehmen. Anfragetätigkeit und Auftragslage in den Sicherheitsunternehmen sind formidabel.
  • Glauben Sie der Arbeitslosenstatistik. Unternehmen, die Zukunftsängste haben, stellen bei der Unflexibilität unseres Arbeitsmarktes mit Sicherheit nicht neue Mitarbeiter ein, auch keine neuen Fachkräfte. Das tun sie nur, wenn die Auftragslage ihnen eine hinreichende Zukunftsperspektive gibt, bei der sie davon ausgehen können, dass eine nachhaltige Beschäftigung gegeben ist.
  • Glauben Sie dem Sicherheits-Berater als Frühindikator. Sicherheitsberatungen werden nur dann in Anspruch genommen, wenn Unternehmen positiv in eine Zukunft blicken. Als sog. unproduktive Investition wird Sicherheit immer als erstes zurückgestellt und natürlich auch die Beratung dazu. Die von zur Mühlen‘sche GmbH (BdSI) in Bonn, die auch den Sicherheits-Berater macht, kann an ihrer Auftragslage, der Anfragetätigkeit und der Auftragserteilung immer sehr früh erkennen, wenn sich die Wirtschaft eintrübt und nach der Eintrübungsphase auch, wenn sie wieder anzieht. Das hat in etwa einen Zeitverzögerungsfaktor von ein bis zwei Jahren, d.h., ein bis zwei Jahre vor den Investitionen beginnen zumeist die Beratungen und Planungen und nach diesem "Konjunkturbarometer" sieht es für die Branche wirklich gut aus!

Die Prognose des Sicherheits-Berater für 2011 lautete in Heft 1/2 2011: "Hinzu kommt, dass auch zurückgehaltene Ersatzinvestitionen und Modernisierungen sowie Erweiterungen von sicherheitstechnischen Anlagen, Modernisierung von Leitzentralen etc. jetzt losgetreten werden. Das heißt, hier wird ein Auftragsvolumen frei, das im Jahr 2011 für die Gesamtbranche ein durchschnittliches Wachstum von um die 4,5 bis 5 Prozent bringen könnte. Bei einigen Branchenteilnehmern etwas weniger, bei anderen auch etwas mehr." Bingo!

Für 2012 geht der Sicherheits-Berater abermals von einem solchen Branchenwachstum aus – nicht unter 4 Prozent.

1.1  Trends bei Errichtern BMA/RWA

Bestätigt wird der Sicherheits-Berater durch das neue ZVEI-Errichter-Barometer. Es spricht zwar von vorsichtigem Optimismus bei Anbietern von BMA- und RWA-Anlagen, wenngleich man sich auch hier wundert, dass das Wort "vorsichtiger Optimismus" verwendet wird. Man hat also wieder nicht den Mut, gegen den Strom der Pessimismusverbalistik anzuschwimmen.

Denn überwiegend positiv beurteilen die Errichter von Brandmeldeanlagen (BMA) sowie Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) den gegenwärtigen Geschäftsverlauf. Das ergab eine Umfrage unter den 140 Mitgliedsunternehmen der Arbeitsgemeinschaft Errichter und Planer im ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. Eine klare Mehrheit der befragten Unternehmen bezeichnete die wirtschaftliche Gesamtsituation und die Umsatzaussichten für die nächsten sechs Monate als sehr gut oder gut. Besonders vorteilhaft entwickle sich die Modernisierung von RWA. Bei der Umfrage wurden das Neuanlagengeschäft berücksichtigt, sowie Modernisierung, Wartung und Instandhaltung. Eingetrübt wird die gute Stimmung nur durch den Mangel an qualifizierten Fachkräften, den die Mehrzahl der befragten Errichter schon heute als Umsatzbremse wertet. Eher also ein Luxusproblem, nicht so zu können wie man könnte. Ein glatter Widerspruch zur Formulierung "vorsichtiger Optimismus"!

Löblich: Der ZVEI will die Umfrage unter dem Namen Errichter-Barometer künftig zweimal im Jahr durchführen. Ziel ist ein aktuelles und kompaktes Stimmungsbild der Branche. Vielleicht entwickelt sich dabei der Mut zur Wahrheit. Der Sicherheits-Berater ist auch diesbezüglich optimistisch.

1.2 Trends bei Errichtern von Löschanlagen

Errichter von Löschanlagen werden kein überdurchschnittliches Wachstum in 2012 haben. Es wird bei einem Branchendurchschnitt von ca. 3 % liegen. Leider gibt es Hersteller von Anlagen, die mit unzutreffenden Argumenten neue Märkte erschließen wollen. So wird teilweise von den Vertriebsleuten auch recht aggressiv versucht, RZ-Betreibern Hochdruck-Sprühnebel-Löschanlagen zu verkaufen. Die Dinger sind exzellent für Kabeltrassen und andere "offene" Installationen. Sie sind Scharlatanerie, wenn es um gekapselte Systeme geht. Rechenzentren sind gekapselt wie die russische Puppe in der Puppe: Kaltgang, Rack, Servergehäuse, Netzteilgehäuse etc. Dahin kann das Löschmittel physikalisch gar nicht vordringen.

Gerade im Brandschutz gibt es oft Techniken, die für diverse Anwendungszwecke nicht geeignet sind. Der Sicherheits-Berater spricht immer von Brandschutz durch Selbsttäuschung. Das wird leider weiter zunehmen, weil die Schutzziele nicht im Detail hinterfragt werden.

1.3 Trends bei Errichtern EMA

Die Errichter und Hersteller von Brandmelde- und Wärmeabzugsanlagen hängen stark an der Baukonjunktur sowohl hinsichtlich Neubauten als auch hinsichtlich Sanierungen und Erweiterungen. Sie folgen überwiegend den baurechtlichen Genehmigungen, d.h., das Eigeninteresse der Investoren ist hier nicht der treibende Faktor, sondern das Baurecht. Anders ist es bei den Errichtern der sonstigen sicherungstechnischen Einrichtungen wie Einbruchmeldeanlagen, Videoüberwachungen oder Zutrittskontrollsystemen.

Bei den Einbruchmeldeanlagen sind vor allem die Schäden, die durch Ein­brüche hervorgerufen werden, eines der Hauptmotive, auch im Bestand nachzurüsten. Der Sicherheits-Berater berichtete im zurückliegenden Jahr verschiedentlich über Einbrüche, bei denen die Sachschäden im sechsstelligen Euro-Bereich lagen, während die Beute nur einen Wert von wenigen Tausend Euro hatte. Die Sachschäden führen oftmals zu nicht unerheblichen Betriebsstörungen und zu einer Verunsicherung der Verantwortlichen und ihrer Mitarbeiter. Daher haben auch die Einbruchmeldeanlagen nach Kenntnis des Sicherheits-Berater im Jahr 2011 heftig zugelegt. Der Sicherheits-Berater geht davon aus, dass 2012 der Trend anhält. Auch hier ist mit einem Umsatzwachstum bei Herstellern und Errichtern von ca. 4 Prozent, also weit über dem üblichen Wirtschaftswachstum, zu rechnen.

Da auch private Haushalte und der Einzelhandel zunehmend auf Sicherungs- und Gefahrenmeldetechniken setzen, kann das Wachstum sogar darüber hinausgehen.

1.4  Trends bei Errichtern Video

Auf dem Gebiet der Videotechnik ist der technische Fortschritt seit Jahren recht stark, allerdings auch der Preisverfall. Mengenmäßig wird im Jahr 2012 viel zu tun sein. Wie auch in den zurückliegenden Jahren sind Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen ein wesentlicher Faktor. Hinzu kommt, dass man durch Videotechnik Streifendienste reduzieren, Bereiche besser observieren kann und damit eine nicht unerhebliche Effizienzsteigerung im Überwachungsbereich der Unternehmen erreicht. Der Sicherheits-Berater geht darüber hinaus davon aus, dass Videoüberwachungen auch verstärkt im privaten Bereich stattfinden werden und diese auf Wach- und Sicherheitsunternehmen mit entsprechend ausgerüsteten Zentralen übertragen werden. Dadurch werden die Mitarbeiter in den Sicherheitszentralen auf der Basis eines Alarms z.B. in die Lage versetzt, die Bewegungen der letzten Minuten vor dem Alarm videotechnisch zur Auswertung aufzurufen und so zu erkennen, ob es sich um eine Störung, z.B. durch eine defekte Alarmanlage, handeln kann oder tatsächlich jemand sich an dem Objekt zu schaffen gemacht hat. Das verbessert die Alarmverfolgung und ermöglicht der Sicherheitszentrale, auf Basis des Beobachtungsstandes direkt mit der Polizei Verbindung aufzunehmen und sie über den Sachverhalt zu informieren.

Die meisten Dienstleister der Bewachungsbranche haben das zwar noch nicht als Chance erkannt, doch wird 2012 bei vielen die Chance aufzeigen. Insofern wird sich die Videotechnik weitere Märkte erschließen und die Sicherheit auch bis in den privaten Bereich und in den Bereich der kleineren Geschäfte vordringen. Trotz der Tatsache, dass die Anlagen im Grunde preiswerter werden, geht der Sicherheits-Berater umsatzmäßig von einem leichten Wachstum (ca. 2 Prozent) für 2012 aus. Die Zahl der Videoanlagen wird aber stärker steigen.

1.5  Trends bei Errichtern ZKS

Für die Errichter von Zutrittskontrollsystemen wird 2012 sicherlich kein Boom-Jahr, aber diese Technik wird eine weiterhin gesunde Entwicklung nehmen, und das Wachstum von Unternehmen mit der Integration von Akquisitionen etc. führt dazu, dass Standards, die in dem übernehmenden Unternehmen gelten, auf die übernommenen übertragen werden. Hier wird für Errichter ein Schwerpunkt in der Erweiterung von Anlagen liegen, die nicht selten einer Neuinvestition gleichkommen. Darüber hinaus wird durch die Tatsache, dass einige der installierten Systeme den heutigen Erkenntnissen hinsichtlich der Fälschungssicherheit der maschinenlesbaren Ausweise nicht entsprechen, dazu führen, dass man auch hier über neue Systeme nachdenkt. Das Wachstum wird bei gut 2 bis 4 Prozent liegen.

1.6  Trends bei Leitzentralen

Die DIN EN 50518 ist inzwischen ein Dauerbrenner bei Tagungen und Planern, denn sie enthält eine Vielzahl von Neuerungen, die hohe Anforderungen an Leitzentralen stellen. Inzwischen stehen auch die Prinzipien der Zertifizierung durch den VdS, und es ist erfreulich festzustellen, dass trotz der ursprünglich extremen Anforderungen nunmehr gangbare Wege gefunden wurden, die Norm auch vernünftig umzusetzen. Aber mit der Norm ist einiges an Aufwand verbunden, will man sich zertifizieren lassen und so seine Klientel gut bedienen.

2012 wird bei einer größeren Anzahl von Wach- und Sicherheitsunternehmen, aber auch bei Industrie- und Verwaltungsbetrieben, die eigene Leitzentralen unterhalten, zu Ergänzungsinvestitionen führen. Man kann in diesem Zusammenhang zwar nicht von einer eigenständigen Teilbranche sprechen, doch wird in diesem Komplex nach Ansicht des Sicherheits-Berater 2012 und auch 2013 der Nachholbedarf Auswirkungen auf die Umsätze von Planern und Errichtern haben – nicht exorbitant, aber doch interessant. Hier Umsatzzahlen in Prozent an Wachstum auszudrücken, würde zu weit führen, aber es ist sicherlich für den einen oder anderen Fachbetrieb eine positive Entwicklung zu erwarten.

2      Business Continuity und Krisenmanagement

2011 haben einige Unternehmen feststellen müssen, dass sie einer Krise mit existenziellen Auswirkungen für sich oder ihre Kunden nicht gewachsen sind. Fukushima hat den Glauben an die Beherrschbarkeit von Krisen erschüttert und die Vorstände einer Reihe von deutschen Unternehmen haben daraufhin eine betriebsinterne Untersuchung in Gang gesetzt, was ihnen für Werkzeuge zur Verfügung stehen, um eine Unternehmenskrise zu bewältigen.

Die betriebsinternen Untersuchungen haben aber auch gezeigt, dass in den Unternehmen das Thema Business Continuity teilweise sträflich vernachlässigt worden ist. Wenn beispielsweise, wie in einem neu errichteten vollautomatisierten Montagebetrieb der Elektronikindustrie die gesamte Prozesssteuerung zwischen Prozessrechenzentrum und den Fertigungsstraßen zwar redundant, aber über ein und dieselben Trassen geführt werden, hat ein Planer seine Hausaufgaben nicht gemacht. Die Entzerrung der Risiken wird das Unternehmen über 800.000 Euro kosten – ist aber existenziell.

Fast alle Unternehmen, die sich schon 2011 mit Fragen der Krisenkommunikation befassten, einem exorbitant wichtigen Thema, stellten fest, dass sie zwar eine Pressestelle haben, aber keinen Kommunikator. Will heißen, dass die Leute gute Texte schreiben, ihnen aber das akzeptanzpsychologische Wissen fehlt, welches für eine Krisenkommunikation unerlässlich ist. Nachholbedarf in Schulung und Übung! Dem Sicherheits-Berater liegen einige der Untersuchungsergebnisse vor. Die Unternehmensleitungen haben daraus Schlüsse gezogen und für 2012 teilweise beachtliche Budgets eingestellt, um zusammen mit Profis ihre Krisenanfälligkeit weiter zu analysieren und Lösungen für die Bewältigung zu finden. Der Sicherheits-Berater schließt daraus, dass hier 2012 eine große Baustelle aufgemacht werden wird.

3      Beratung / Planung

2010 wurden recht viele Unternehmen gegründet, die Sicherheitsberatungen anbieten wollten oder anboten. Der Sicherheits-Berater hat überschlägig etwa 55 Unternehmen, die in diese Rubrik passen, im Internet und in sonstiger Werbung gefunden. Ende 2011 waren die meisten der Homepages schon seit langem nicht mehr gepflegt und Ansprechpartner auch nicht mehr erreichbar. Das ist nicht untypisch in der Branche, in der sich oft Leute selbstständig machen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben oder aus dem Polizeidienst ausgeschieden sind. Sie stellen sich den Markt viel einfacher vor und überschätzen auch die eigene Qualifikation. Insofern ist das Kommen und Gehen branchentypisch.

Branchentypisch ist auch, dass diejenigen, die sich neu selbstständig machen, merkwürdigerweise mit gewaltigen Referenzlisten aufwarten und auch als Einzelkämpfer über ein geradezu verblüffendes Leistungsspektrum der sog. Kernkompetenzen verfügen. Stroh brennt hell und kurz, und so wird auch 2012 die Zahl der Abgänge und enttäuschten Hoffnungen weitere Zugänge von Anbietern im Beratungsgeschäft mindestens ausgleichen. Die Nachfrager achten zunehmend auf hohe Fachkompetenz, ganz spezifische Erfahrungen der jeweiligen Berater, die ihnen zur Verfügung gestellt werden sollen, akribische Analysen und fundierte Beurteilungen. Einzelkämpfer werden immer weniger gefragt sein, weil man das Querschnittsthema Sicherheit ganzheitlich angehen muss. Und Ganzheitlichkeit setzt unterschiedlichste Wissensdisziplinen voraus. Insgesamt ist in Planung und Beratung z.Zt. ein Wachstumsmarkt für hochqualifizierte Fachleute gegeben.

Für 2011 hat der Sicherheits-Berater prognostiziert, dass Revisionsunterstützung durch Sicherheitsfachleute von Unternehmen nachgefragt werden würde. Diese Erwartung hat sich nicht bestätigt. Die Unternehmen haben ihre Revisionstätigkeit zwar verstärkt, insoweit lag der Sicherheits-Berater richtig, aber überwiegend durch Neueinstellungen oder durch Umsetzung aus anderen Abteilungen das geeignete Personal hierfür gewonnen oder sich schlichtweg anderen (Mode-)Themen wie Compliance zuwenden müssen.

Auch das Thema der Fortentwicklung von Corporate Security ist entgegen der Prognose des Sicherheits-Berater nicht in dem Maße angewachsen wie die Redaktion das erwartet hatte. Grund sind auch hier andere Aufgaben, die im starken Jahr 2011 von den Unternehmen gelöst werden mussten, und von daher wurden die Prioritäten umgewidmet. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, der Sicherheits-Berater erwartet für 2012, dass das Thema Corporate Security wieder verstärkt aufgenommen wird, zumal die Auslandsaktivitäten durch die Euro-Krise eine stärkere Zentralisierung erforderlich machten und mit der Zentralisierung auch die Corporate Security mehr Gewicht erhält. Der Nachholbedarf bildet sich zu einem Stau.

4      Korruption / Compliance

Korruption ist nach wie vor ein Thema und die Schlagzeilen, die ein Automobilhersteller macht, erinnern an die Schlagzeilen, die es auch vor 5 Jahren schon gegeben hat. Korruption wird weiterhin ein Thema bleiben, da es Länder gibt, in denen Korruption keine Korruption ist, sondern ein ganz normales Gebaren im Zusammenhang mit der Anbahnung, Vermittlung und Durchführung von Geschäften. Man muss das einfach ganz nüchtern sehen, auch wenn man es aus unserer kulturellen Sicht als verwerflich ansieht. Die Zahl aufgedeckter Korruptionsfälle wird sicherlich – was das Auslandsgeschäft angeht – zurückgehen, da auch in den durch und durch korrupten Ländern Mechanismen verändert werden, die zwar nicht das Ergebnis beeinflussen, aber den Anschein.

Eng zusammen mit der Korruptionsprävention hängen die Compliance-Organisationen. Sie haben in den letzten Jahren seltsame Blüten hervor gebracht. Große Konzerne beschäftigen teilweise mehrere hundert Mitarbeiter, überwiegend Juristen und Controller, in den Compliance-Abteilungen. Dem Sicherheits-Berater ist ein Unternehmen bekannt, das 198 Mitarbeiter in der Compliance beschäftigt mit im Durchschnitt 105.000 Euro inkl. Personalnebenkosten und Arbeitsplatzkosten. Das sind jährlich 20.790.000 Euro. Hinzu kommen ein eigens hierfür betriebenes kleines Rechenzentrum (60 m² Serverraum) und die Softwarelizenzen ... Sieht man die Kosten und sucht verzweifelt nach dem Nutzen, so denkt man an Shakespeare: Viel Lärm um nichts.

Das schreit nach Ökonomisierung, zumal es ja noch zusätzlich eine Sicherheitsabteilung, die Revision, das Controlling, den Wirtschaftsprüfer mit verschiedenen Sonderprüfungsaufträgen und die Rechtsabteilung gibt. 2012 wird diesen Wildwuchs zunächst behutsam angehen. Möglicherweise wird McKinsey mit der großen Harke kommen und ausdünnen helfen. Dankbar wäre das operative Geschäft.

5      Werkschutz und Sicherheitsdienstleistungen

Aus Laiensicht wird die Bewachungsbranche immer als scheinbar boomend wahrgenommen. Das ist ein Irrtum. Die Masse der Anbieter krebst am Existenzminimum und entsprechend ist ihre Qualität. Die größeren unterliegen einem mörderischen Wettbewerb untereinander und mit den vielen kleinen Krautern, die die Preise noch kaputter machen.

2010 und 2011 haben aber einen Trend erkennen lassen, dass die Auftraggeber immer häufiger die Qualität der angebotenen Leistungen schwerer gewichten als noch in den Jahren zuvor. So kommt es immer öfter vor, dass der Preis nur noch zu 50 oder 60 Prozent gewichtet wird, während Qualität und dabei auch eine Vielzahl weicher Faktoren zusammen 40 bis 50 Prozent der Gewichtung ausmachen.

Das ist ein positiver Trend, denn es setzt sich auch die Erkenntnis durch, dass billige Dienstleistung teuer wird. Wegen dieser Erkenntnis haben sich die Einkäufer 2011 schon häufiger als früher mit den Sicherheitsfachleuten des Hauses zusammengesetzt und die Vorauswahl, aber auch die Vergabeverhandlungen gemeinsam geführt. Das wird 2012 (hoffentlich) stark zunehmen. Es sieht ganz gut aus.

Ein Branchenwachstum in der Sicherheitsdienstleistung wird es 2012 aber kaum geben. Umsatzsteigerungen werden selten Gewinnsteigerungen bringen, da die Umsatzsteigerungen teilweise auf die Einführung von Mindestlöhnen (vor allem in den neuen Bundesländern) zurück zu führen sein werden, teilweise auf Tariferhöhungen.

6      Seminare / Schulungen

Üblicherweise ging früher im Umfeld der SECURITY die Zahl von Seminaren und Schulungen zurück, weil es einen umfangreichen und sehr renommierten Kongress gab, der die Kräfte (Referenten und Teilnehmer) an sich band. Schon 2008 hatte die Messe den Kongress zugunsten von Veranstaltungen auf der Messefläche zurückgefahren. Das Konzept wird beibehalten und es wird daher keinen nennenswerten Kongress zu dieser Messe geben. In die Lücke werden verschiedene Veranstalter von Schulungen und Seminaren im zeitlichen Umfeld der SECURITY eintreten. Der Sicherheits-Berater geht für 2012 von einem guten Jahr für solche Veranstaltungen aus. Es wird gegenüber 2011 ein Wachstum geben, das bestimmt um die 10 Prozent liegen wird.

Allerdings wird es auch immer mehr Seminarveranstalter geben, die glauben, dass Sicherheitsseminare ein großes Geschäft sind. Sie irren ein wenig! Schon im letzten Jahr haben viele Veranstalter ihre Ankündigungen zurücknehmen müssen und es sind Seminare mangels Teilnehmern ausgefallen. Das wird auch 2012 der Fall sein.

Eine gute Entwicklung nehmen Inhouse-Seminare. Unternehmen können oft sehr gut rechnen. Sie stellen fest, dass, wenn sie eine hinreichende Anzahl von Mitarbeitern zum gleichen Thema fortbilden wollen, die Einsparung von Reisekosten erheblich sind und die Tagungsbeiträge zusammengenommen durchaus rechtfertigen, sich die entsprechenden Referenten für gleiches Geld ins Haus zu holen. Inhouse-Seminare werden 2012 kräftig ansteigen. Sie bieten den Vorteil der Homogenität der Teilnehmer, auf die die Referenten dann besser eingehen können und es entwickeln sich daraus nicht selten individuelle Lösungsansätze.

7      IT-Sicherheit

2012 wird verschärft Gefahren und Herausforderungen für Unternehmen und Behörden bringen, denen zunehmend Aufmerksamkeit zu widmen ist.

7.1  Strom

Deutschland wird vom Strom-Paradies (was seine Versorgungssicherheit angeht) zum sehr gut elektrifizierten Land herabgestuft. Nicht von einer Agentur, sondern von der eigenen Wahrnehmung. Es zeigen sich die ersten Folgen des Umbaus von einer landesweiten Versorgung durch Großkraftwerke zu einem Versorgungsmodell, das die dezentrale Erzeugung von Strom flächendeckend integrieren muss. So manche IT wird das in Form von Ausfällen oder Störungen auf Seiten des Stromlieferanten zu spüren bekommen. Schon seit der Jahrtausendwende ist das zu spüren, doch schlummert hier ein zunehmendes Risikopotenzial.

Wer da an der USV und der leistungsstarken Netzersatzanlage (NEA) gespart hat und oder weiter spart, wird unter Umständen böse erwischt. Verfügbarkeit ist das höchste Gut der IT, und da muss der CISO (Chief Information Security Officer zu Deutsch: IT-Sicherheitsverantwortlicher) zusammen mit den Kollegen vom Facility Management die angemessene wirtschaftlichste Lösung finden.

7.2  BYOD (Bring Your Own Device)

Eine echte Gefahr für die Sicherheit resultiert 2012 ff. aus der Dreistigkeit, mit der Anbieter von Telekommunikationsgeräten und Notebooks, Tablets und anderen Geräten versuchen, Statussymbole aus ihren Produkten zu machen und zu verkaufen und alles zu tun, die Kunden abhängig von den Systemen zu machen, damit sie – die Hersteller – auch die Daten und Profile der Kunden weiter absaugen können zum Wohle des Zusatzgeschäfts Werbung etc. Was für Motive noch dahinter stecken, kann man nur ahnen. Immerhin hat der Gründer von Facebook zugegeben, dass sein Startkapital von einem Nachrichtendienst aufgestockt worden sei. Gelockt wird der Kunde mit dem "coolen" Gerät mit Image und Statussymbol.

Wenn er dann am Haken hängt, soll er natürlich auf der Plattform alles machen – am besten auch alles in der Firma. Dann werden alle Daten, deren man habhaft werden kann, aus ihm (und auch der Firma) gesaugt.

BYOD steht für den Trend zur privaten universellen Kommunikationsplattform mit privater und beruflicher Nutzung. Der Nutzer trifft die Systementscheidung, z.B. Pad, Phone, Book u.v.a.m. aus der jeweils gleichen Familie. Da man nicht unterschiedliche Geräte privat und beruflich nutzen möchte, wird das Teil auch mit Firmendaten gefüttert. Verschiedentlich an den Administratoren vorbei entsteht so ein beacht­licher Wildwuchs.

Das trifft auch den IT-Sicherheitsverantwortlichen. Beispiel: Angeblich schon über 40 Prozent der Smartphone-Nutzer synchronisieren ihr Outlook nicht ­direkt an ihrem PC im Büro, sondern über die Cloud. Dadurch werden alle Daten irgendwo in der Welt sein – für wen auch immer auswertbar. Mit Sicherheit nicht sicher! Der Informationsschutz ist dann nicht in Gefahr – es gibt ihn dann schon nicht mehr.

Zu diesem Schaden im Unternehmen kommt hinzu, dass der Support der Systemadministratoren, die Ordnung im System anstreben, unterlaufen wird. Der Aufwand wächst immens. Die Fehlerquote steigt und die Gefahr, dass Viren eingeschleust werden, nimmt zu. Dieser Wildwuchs ist durch die Apps zusätzlich gekennzeichnet. Da es eigene Geräte sind, die im Wesentlichen selber administriert werden, kommt auch jeder Mist auf die Geräte. Wenn aber völlig unklar ist, welche Daten vom eigenen "Device" in die Cloud des Anbieters wandern, wird Informationsschutz zum Vabanque-Spiel. Weder die eigenen Kontakte noch ein nebenbei per GPS erzeugtes Bewegungsprofil gehören in die Google-, Apple-, Amazon – oder sonstwer-Cloud.

Und es wird Software angeschafft, die hochgefährlich ist. So gibt es seit einiger Zeit zunehmend Software auf dem Markt, deren Installationsanweisung während der Installation einerseits Verbindung mit dem Internet erfordert, andererseits aber die Abschaltung des Virenscanners voraussetzt. Dragon Spracherkennungssoftware ist so ein Teil. Da fragt man sich ernsthaft, wozu das gut sein soll. Dahinter kann eigentlich nur vermutet werden, dass mit der Installation der Software auch gleich Spyware installiert werden soll. Einen anderen Sinn sucht man wohl vergeblich. Die Zumutung allein, das System im Internet für Viren zu öffnen (und sei es nur für wenige Minuten) ist schon mehr als abwegig und zeigt Verantwortungslosigkeit.

Übrigens stimmt die Aussage, dass der Mitarbeiter der Zukunft nur noch bereit ist, seinen Job anzutreten, wenn er seine eigene Technik einsetzen darf, so nicht. Man kommt sich vor wie in der Welt der nicht mehr erziehungsbereiten Eltern. Weil darüber ja die "Partnerschaft" zum Kind leiden könnte, gibt es künftig keinerlei Regeln mehr. Setzen Sie in Ihrem Unternehmen klare Regeln = Restriktionen. Das Gros ­Ihrer Mitarbeiter wird es Ihnen danken. Brauchen Sie den undankbaren Rest dann noch?

7.3  Cloud

Eine noch größere Herausforderung wird in 2012 für den CISO sein, zu verhindern, dass Kollegen und Management unhaltbaren Versprechungen von Public Cloud-Anbietern erliegen. Die locken mit enormen wirtschaftlichen Vorteilen und werben mit Verfügbarkeit, Vertrauenswürdigkeit und Flexibilität. Alle Garan­tien werden auf ein Blatt namens SLA geschrieben. Ob es im Interesse des Unternehmens ist, Daten in einer Public Cloud, also an einem Ort zu speichern, dessen Sicherheit man oftmals nicht einmal einschätzen kann, geschweige denn prüfen, das steht auf einem anderen Blatt.

Fest steht auf jeden Fall, dass die herkömmlichen Betriebsunterbrechungsversicherungen nicht greifen. Datenverluste in einer Cloud sind nicht versicherbar.

Der Sicherheits-Berater geht davon aus, dass künftig etliche Unternehmen leidvolle Erfahrungen machen und gar nicht begreifen können, dass die Schäden auch von Cloud-Anbietern nicht getragen werden. Der Witz ist, dass Computerfachleute eigentlich ja ganz handfeste Intellektuelle sind. Aber die Cloud hat etwas Mystisches, der man nachläuft wie weiland die Kinder dem Rattenfänger von Hameln ...

7.4  RZ-Sanierung

Rechenzentrumssanierung ist nicht nur ein Sicherheitsthema im Sinne von Verfügbarkeit und Hochverfügbarkeit, es ist auch ein letztes Abenteuer. Die Abenteuerlust hat 2011 zugenommen und es zeichnet sich ab, dass es 2012 auch mehr Unternehmen wagen werden, Rechenzentren im Bestand zu überarbeiten, zu modernisieren oder von Grund auf zu sanieren. Im Vordergrund stehen mehrere Aspekte:

  • der Aspekt der Verbesserung der Energieeffizienz
  • Senkung der Betriebskosten durch verbesserte Installationstechniken wie z.B. Einführung von Stromschienen anstelle der sternförmigen Verkabelungen
  • Verbesserung der Ausfallsicherheit durch aufeinander abgestimmte Redundanzen.

RZ-Sanierung ist nicht als Branche zu betrachten. Man kann daher auch schlecht Wachstumszahlen in Prozent des Vorjahres ausdrücken. Man kann aber sagen, dass der Sanierungsbedarf vieler im Betrieb befindlicher Rechenzentren gewaltig ist und dass immer mehr Unternehmen den Mut haben, den Bedarf auch zu befriedigen. Die Zahl der zu sanierenden Rechenzentren wird nach Ansicht des Sicherheits-Berater 2012 relativ stark ansteigen, während die Zahl von RZ-Neubauten leicht zurückgehen wird. Jedenfalls geben diese Beurteilung die Beobachtungen her, die der Sicherheits-Berater in der betrieblichen Praxis hat machen können.

7.5  RZ-Zertifizierung

2011 haben die Zertifizierungen von Rechenzentren zugenommen. Der Sicherheits-Berater geht davon aus, dass auch 2012 eine weitere Zunahme stattfinden wird. Sie ist allerdings etwas gebremst durch den Fachkräftemangel bei den Zertifizierern. Die TÜVs können gar nicht so viele Leute bekommen, wie sie gerne einstellen würden, weil es einfach zu wenige erfahrene Fachleute gibt, die auf dem komplexen Gebiet der physischen RZ-Sicherheit, aber auch der RZ-Organisation und des RZ-Betriebs zuhause sind. Der Sicherheits-Berater geht dennoch von einem Anstieg von etwa 15 Prozent in diesem Geschäftsfeld aus.

Der Sicherheit-Berater hat in seiner Prognose 2011 darauf hingewiesen, dass vor allem Dienstleistungs-Rechenzentren ohne qualifizierte Zertifizierungen sinkende Marktchancen haben. Dem Sicherheits-Berater sind mehrere Anbieter bekannt, die z.Zt. heftig in Nachrüstungen investieren, um die Verfügbarkeit der Rechenzentren zu verbessern und zertifizierungsfähig zu werden. Es ist erstaunlich, dass auch langjährig am Markt befindliche Unternehmen den Zertifizierungsaufwand und die Zertifizierungsanforderungen stark unterschätzen. Die meisten Anbieter würden gegenwärtig zumindest bravourös durch ein Zertifizierungsverfahren durchfallen, wenn höhere Ansprüche befriedigt werden sollen.

Das sehen auch viele potenzielle Kunden so. Gerade im zunehmenden Dienstleistungsbereich für das Outsourcing von Backup-Rechenzentren bzw. Backup-Funktionen werden die Auftraggeber immer kritischer und wundern sich manchmal über die Naivität von Anbietern, die in sehr schönen Prospekten sehr viel versprechen, bei einer analytischen Betrachtung durch Fachleute aber bei weitem nicht das leisten, was sie zu leisten vorgeben, nämlich Höchstverfügbarkeit!

7.6  PC-Diebstähle

Nichts Neues an der Front, und es wird sich 2012 kaum etwas ändern an der Tatsache, dass ca. 40.000 bis 60.000 Diebstähle von Desktops und Laptops zu erwarten sind und dass der Geräteverlust in keinem Verhältnis zum Schaden aus Datenverlusten und Rekonstruktionsaufwand stehen wird.

Man muss kein Mitleid mit denjenigen haben, die ihre Daten unverschlüsselt auf den mobilen Rechnern haben und die Geräte gut sichtbar in ihren Autos zurücklassen oder sie in der Bahn am Platz zurücklassen, wenn sie auf die Toilette gehen. Sich dann über die böse Welt zu beklagen, ist naiv.

Nach Aussage verschiedener Hersteller hat sich 2011 eine leichte Aufwärtsbewegung im Umsatz mit Verschlüsselungs-Software ergeben. Vielleicht wird das 2012 noch besser. Einige Unternehmen haben jedenfalls vor, unverschlüsselte Rechner nicht mehr ins Firmennetz zu lassen und die Mitarbeiter so zu zwingen, sich endlich eine Festplattenvollverschlüsselung installieren zu lassen. Fehlerhaft in der Policy ist, dass in vielen Unternehmen noch Freiwilligkeit herrscht. Es muss Zwangsläufigkeit herrschen. Die Vorurteile dagegen sind lachhaft. Die Performance ist auch mit Verschlüsselung exzellent.

7.7  Computersabotage

Computersabotage hat längere Zeit einen starken Rückgang gehabt. Hier könnte es sein, dass sich der Trend ein wenig wandelt. 2011 wurden dem Sicherheits-Berater wieder mehr Fälle von Computersabotage bekannt, insbesondere Manipulationen in Bereich der Stromversorgung, Manipulationen im Bereich der Klimaversorgung mit dem Ziel, Ausfälle zu provozieren und auch einige Fälle der Software-Sabotage, d.h. fehlerhafter Programm-Modifizierungen durch zugriffsberechtigte Insider.

Bei den Fällen von direkter Sabotage im Umfeld der Hardware ist interessanterweise zu beobachten gewesen, dass in diesen Unternehmen die Zutrittskontrollmechanismen lax gehandhabt wurden und potenzielle Täter in Kenntnis der Sicherheitslücken durchaus damit rechnen konnten, nicht entdeckt zu werden.

Das betraf auch die Zunahme von Einbrüchen in Rechenzentren, die dadurch möglich wurden, weil Gefahrenmeldeanlagen (Einbruch-Diebstahl-Meldeanlagen, überwachte Zutrittskontrollsysteme etc.) nicht vorhanden oder nicht aktiv waren und daher Angriffe auf RZ und RZ-Umfeld nicht detektiert wurden. In einigen Fällen gingen 2011 die Manipulationen auch mit Manipulationen mit der Überwachungstechnik, wie z.B. der Videoüberwachung u.ä., einher. Der relativ steile Anstieg der Informationen, die der Sicherheits-Berater 2011 seit etwa Juni bekommen hat, lassen befürchten, dass 2012 noch mehr Ereignisse dieser Art zu beklagen sein werden. Computersabotage ist wieder in!

Daneben gibt es natürlich die Angriffe mit Schadsoftware, die schon seit Jahren rasante Steigerungsquoten haben und sicherlich in der Zahl und auch in der Qualität der Angriffe 2012 keine Rückschritte erkennen lassen werden.

8      Anschläge / Radikalismus

8.1  Rechtsradikalismus

Sicherheitsbehörden und Bevölkerung sind durch die Ereignisse 2011 hinsichtlich des Rechtsradikalismus aufgeschreckt. Tätigkeiten in der Art der südamerikanischen Todesschwadronen auf deutschem Boden sind in der Tat erschütternd und erschreckend und man kann nur hoffen, dass die Politik die richtigen Konsequenzen daraus zieht, nämlich mehr Mittel in die Sicherheit zu investieren und die Möglichkeiten der Überwachung und Fahndung zu verbessern. Diesbezüglich ist der Sicherheits-Berater zuversichtlich. 2012 werden mit Sicherheit die Koordinierungsmöglichkeiten der verschiedenen föderal strukturierten Sicherheitsbehörden wesentlich verbessert und institutionalisiert. Die Grundlagen sind dafür geschaffen, sie werden auch realisiert.

Für die Sicherheit in den Unternehmen wird sich wohl wenig Neues daraus ergeben. Fachleute der Sicherheitsbehörden haben dem Sicherheits-Berater versichert, dass es keine Erkenntnisse gäbe, dass rechtsradikale Strukturen in Unternehmen Platz greifen oder Platz gegriffen haben und aus Informationen, die man bei Hausdurchsuchungen von Personen des rechtsradikalen Spektrums gefunden hat, spielen Firmen auch keine Rolle als Zielobjekte oder in anderer Weise. Es gibt einige Wachdienste, die nach Erkenntnissen der zuständigen Landesverfassungsschutzbehörden dem rechten Spektrum nahe stehen. Ihr Schwerpunkt sind Türsteherdienste und Veranstaltungsdienste. Unternehmen sollten sich von derartigen Dienstleistern fernhalten und, wie der Sicherheits-Berater in Erfahrung bringen konnte, helfen auch die Verfassungsschutzbehörden dann, wenn man sie um Rat nachsucht.

8.2  Linksradikalismus

Sowohl statistisch als auch in der Beobachtung spielen linksradikale Aktivitäten nach wie vor keine große Rolle. Die Zahl von Anschlägen, insbesondere Brandanschlägen, ist relativ konstant. Nach Fahndungserfolgen hat die Polizei dem Sicherheits-Berater mitgeteilt, dass man mit einem Anstieg von Anschlägen auf Fahrzeuge zur Zeit nicht rechnet, dass es aber weiterhin welche geben wird, wie in der Vergangenheit auch. Die offensichtlich von ursprünglich Linksradikalen erfundenen Methoden und im Internet verbreiteten Rezepturen, wie man Autos am besten anzündet, haben eine Reihe von Trittbrettfahrern angeregt, Gleiches zu tun. Damit muss man rechnen, aber eine politische revolutionäre Intention steckt in den meisten Fällen wohl nicht dahinter. Frust und Pyromanie sind das Motiv.

8.3  Radikaler Islamismus

Aktuell zum Redaktionsschluss des Sicherheits-Berater am 3. Januar 2012 warnt der baden-württembergische Verfassungsschutz vor einer aktiven ­islamistischen Szene in Baden-Württemberg. Es gebe Aktivitäten in Stuttgart, Pforzheim, Heilbronn und Ulm, sagte ein Experte des Amtes der Nachrichtenagentur dpa. Deshalb sei der Einsatz von V-Leuten wichtig. Ohne Quellen käme der Verfassungsschutz nicht an entsprechende Bereiche der Szene.

Baden-Württemberg hat ein ähnliches Problem wie Nordrhein-Westfalen. Am 14. Januar 2011 gelangte in Bonn ein Dokument an die Öffentlichkeit, aus dem hervorgeht, dass die ehemalige Hauptstadt am Rhein eine Art Islamistenzentrum geworden ist, in dem die Sicherheitsbehörden BKA, LKA, Bundesamt für Verfassungsschutz und Landesamt sowie die örtlichen Polizeibehörden festgestellt haben, dass etwa 180 identifizierte radikale Islamisten dort leben. Der Bonner Polizeipräsident ließ auf Anfrage verlauten, dass von den 180 identifizierten Radikalen "nur" ca. 20 als gewaltbereit eingestuft würden. Alles also halb so schlimm? Der Sicherheits-Berater erinnert daran, dass die ganze RAF in ihrer Blütezeit bundesweit nicht mehr als 20 Leute hatte. War das denn alles damals nicht so schlimm? Und Bonn ist nur eine kleine Stadt am Rhein…

Nucleus des Handelns ist die Fahd-Akademie, eine Stiftung des saudischen Königs, die in Bonn-Bad Godesberg ein Bethaus – sieht aus wie eine riesige Moschee – mit einer Schule unterhält. Die Schülerzahl soll wieder rechtswidrig angestiegen sein von ca. 250 auf knapp 300.

Nach Bekanntwerden in der Öffentlichkeit wurde angekündigt, Bonn bekäme 10 neue Planstellen für den Staatsschutz. Nun ist aber Planstelle nicht gleich Arbeitsplatz für einen Kopf. Planstellen können leer bleiben. In der Tat erfolgte bis heute keine wirksame Verstärkung des Staatsschutzes. Kann auch gar nicht wirksam sein, weil es keine Beamten gibt, die Arabisch oder Türkisch können.

Trend für 2012 wird sein, dass nicht das sog. rechte Auge blind ist, sondern beide Augen Sehstörungen haben. Die Kaderschmiede Fahd-Akademie wird weiter ungestört arbeiten. Die Polizei wird weiter Bewerber abweisen, die als Migranten hier Abitur gemacht haben, aber bei der Aufnahmeprüfung im Fach Deutsch wegen orthografischer Fehler durchrasseln. Der Terrorismus kommt Deutschland und auch deutschen Unternehmen im Ausland näher.

9      Diebstähle / Einbrüche

9.1  Diebstähle von Firmenfahrzeugen

Diebstähle von Firmenfahrzeugen, insbesondere von Führungskräften (Nobelkarossen) haben zugenommen. Interessant, dass die Diebstähle überwiegend zu Zeiten passieren, wo die Führungskräfte das Fahrzeug selber fahren, also sich nicht von Fahrern betreuen lassen. Die Täter haben den Trick entwickelt, mit Hilfe eines Senders beim Fernverschließen der Türen ein Störsignal zu senden, so dass die Türen nicht geschlossen werden, der sich abwendende Fahrer aber glaubt, dass – wie gewohnt – das Fahrzeug nunmehr sicher abgestellt sei. Gleichzeitig haben die Täter elektronische Hilfsmittel entwickelt, mit denen sie Wegfahrsperren und sonstige Sicherungseinrichtungen unterlaufen und das Fahrzeug ganz normal vom Standort wegbewegen. Die Zahl der Abnehmer solcher Fahrzeuge ist groß. Erst jüngst ging durch die Presse, dass der ukrainische Justizminister eine gestohlene Mercedes-­Limousine fährt, die auf diese Art und Weise entwendet worden sei. Da der osteuropäische Markt für hochwertige Autos unerschöpflich ist, rechnen unsere Sicherheitsbehörden mit einem weiteren Anstieg in dieser Richtung.

Auch mit einem Anstieg hinsichtlich der Diebstähle aus Kraftfahrzeugen ist zu rechnen und hier insbesondere aus Werkstattwagen. Unternehmen mit einem Service-Fuhrpark, bei denen die Transportfahrzeuge wie Sprinter o.ä. mit hochwertigen Messinstrumenten und Werkzeugen ausgestattet sind, haben ein zunehmendes Risiko. Die Teile sind nicht immer fest montiert, und daher gibt es gelegentlich nach einem solchen Diebstahl auch versicherungsrechtliche Probleme. Sie sollten prüfen, ob Ihre Fahrzeugversicherungen auch die Inhalte von Werkstattwagen hinreichend abdeckt, denn nicht selten kommen Wert von 80 oder 150 Tausend Euro schnell zusammen. Vor allem hochwertige Messinstrumente und Elektronik finden ebenfalls ihren Weg nach Osteuropa.

9.2 Einbrüche in Unternehmen

Einbrüche in Unternehmen werden 2012 zunehmen. Dem Sicherheits-Berater wurden schon 2011 verstärkt Firmeneinbrüche auch mit heftigen Wiederholungsraten in ein und dieselbe Einrichtung mitgeteilt. Es werden verstärkt gezielt hochwertiges IT-Equipment mit hohem Schaden gestohlen, hochwertige Werkzeuge, Laboreinrichtungen und hier besonders Messinstrumente. Offensichtlich Auftragsarbeiten oder die Täter haben Abnehmer. Die Diebstähle von Kupfer, Edelstahl und anderen wertvolleren Legierungen werden gleichfalls weiter steigen, mindestens das Niveau des Vorjahres erreichen. Das beeinflusst auch den zuvor erwähnten Zuwachs an EMA-Techniken. 2011 war ein Rekordjahr. Die Einbrüche werden professioneller. Die Schäden aber auch größer.


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  • Ausgabe 01/02 / 2012 vom 15.01.2012


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