Branchenprognose 2019

15.01.2019

1. Die Sicherheitslage und ihre Auswirkungen auf die Branchenprognose

In den ca. 20 zurückliegenden Jahren hat der Sicherheits-Berater die Branchenprognose aus der Auftragslage der Beratungsgesellschaft von zur Mühlen’sche GmbH hergeleitet. Er hatte die Erfahrung gemacht, dass Beratungs- und Planungsaufträge vorausschauende Schlüsse mit einer Zeitverzögerung von etwa zwei Jahren auf die Branchenentwicklung zuließen. Werden die einzelnen Auftragsvolumina trotz stabiler Umsätze kleiner und steigt dabei die Anzahl der Aufträge, lässt sich daraus ableiten, dass die investierende Wirtschaft verunsichert ist und zurückhaltend wird: Planungsprojekte werden "portioniert". Sie werden zunehmend nicht en bloc in Auftrag gegeben, aber es ist erkennbar, dass man bei wieder erstarkendem Vertrauen in das Wachstum der Wirtschaft gut vorbereitet in den Startlöchern stehen will, um im richtigen Moment und möglichst noch vor der Konkurrenz schnell an die Umsetzung zu gehen.

Wir haben jetzt eine solche Situation! Auch die Art und Zusammensetzung der Aufträge deutet auf eine leicht ansteigende Unsicherheit hin. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Sicherheitskonjunktur noch immer Fahrt hat und vielleicht in einigen Bereichen eine Delle erfährt. Aber nach einem Zusammenbruch der Entwicklung sieht es nicht aus. Leider wird selbst von der Politik wieder einmal durch ständiges Korrigieren der offiziellen Konjunkturprognosen die Gefahr der "self fulfilling prophecy" verstärkt. Unverantwortlich! Aber mit den Fehlern der Politik müssen wir leben. Glücklicherweise sind die Unternehmen und ihre Strategieabteilungen und Entscheidungsträger emanzipierter als früher und neigen durchaus zu antizyklischem Denken. Das war nicht immer so. Insgesamt ist der Sicherheits-Berater optimistisch.

Es gibt aber Einflussfaktoren, die die Treffsicherheit beeinflussen. Das ist die Weltwirtschaftspolitik, die gegenwärtig durch Irrationalität beeinflusst wird und sich in ihren Auswirkungen schwer einschätzen lässt. Auch wenn das merkwürdig klingt, kann man wohl sagen, dass die Weltsicherheitslage der Sicherheitsbranche eher gut tun wird.

 

1.1 Einfluss der US-Politik und des Brexit

Die USA entfachten unübersehbar einen Handelskrieg, der sich erst in der Anfangsphase befindet. Er wird die gesamtwirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen, zugleich aber auch dazu führen, dass die großen Volkswirtschaften sich einerseits eher zusammenschließen, um sich zu schützen, zum anderen wird dabei die Autarkie der größeren Volkswirtschaften voraussichtlich eher zunehmen und sich das Wachstum dadurch gar nicht so stark abbremsen lassen. Die Zielmärkte werden sich anders entwickeln, Export- und Importströme werden sich verlagern. Den größten Schaden wird dabei die US-Wirtschaft erleiden. Schon jetzt ist erkennbar, dass große Unternehmen, aber auch KMU (kleinere mittelständische Unternehmen), Investitionen in Länder zu verlagern planen, von denen eine positive Wirtschaftsentwicklung ausgehen kann. Die Wirtschaft ist schon dabei, auf Trumps Embargopolitik zu reagieren. Es wird an Strategien gearbeitet, vom US-Markt weniger abhängig zu werden. Ob die Politik das verlässlich unterstützen wird, bleibt abzuwarten.

Die angstpsychotische Diskussion um die Auswirkungen des Brexit auf die deutsche Wirtschaft erinnert an Y2K (Kürzel für das Jahr-2000-Problem, verursacht durch den Jahrhundertwechsel von 1999 auf 2000). Die VZM GmbH brachte damals ihre ängstlicheren Kunden auf den Teppich zurück, denn sie hatte eine Reihe von Software-Programmen untersucht und ausschließen können, dass ein Schaden durch das Weiterzählen über 1999 hinaus entsteht. In der Tat hatten nur ganz wenige Unternehmen zumeist auch nur begrenzte Probleme, derer man gut Herr wurde.

Dennoch ist die Unsicherheit durch den Brexit ein weiterer Faktor, der sich auswirken könnte auf die Branche. Der Sicherheits-Berater ist jedoch der festen Überzeugung, dass sich der Brexit im Handel zwischen Großbritannien (GB) und Europa gar nicht so stark auswirken wird. Zölle an sich sind noch kein Problem – es kommt immer auf deren Höhe an. In Europa wird keiner der beteiligten Staaten an der Zollschraube drehen wollen. Verlautbarungen aus Brüssel und von Frau May lassen den Schluss zu, dass Bürokratie aufgebaut werden müsste, um den beiderseitigen Handel zwischen EU und GB nachhaltig zu stören. Ein- oder Ausfuhrbeschränkungen wird aber auch GB meiden wie der Teufel das Weihwasser. Sich entwickelnde Mehrkosten aus Bürokratie lassen sich einpreisen und werden bei den Margen zumindest der deutschen Wirtschaft nur gering zu Buche schlagen. Die Verbraucher werden es kaum merken. Also viel wird sich nicht ändern und Brüssel ist da pragmatischer, als viele annehmen.

 

2. Bremsfaktor Fachkräftemangel

Unsere Gewerkschaften betonten jüngst, als die Überstundenstatistik veröffentlicht wurde, dass die Unternehmen die Überstunden abbauen sollten, indem sie mehr Leute einstellen. Das hält der Autor dieser Ausführungen für ein blauäugiges Patentrezept für Unkundige. Die stärkste Wachstumsbremse ist der Fachkräftemangel. Und nicht nur der. Auch an weniger qualifizierten Mitarbeitern mangelt es. Woher die Leute nehmen und nicht stehlen? Nun, zum Stehlen hat man sich politisch durch die Planung eines Einwanderungsgesetzes entschlossen. Was aber fehlt, ist die sprachliche Qualifizierung. Da wird zu kurz gesprungen. Bei Einwanderung und Flüchtlingsintegration, wenn sie nachhaltig und für Deutschland zielführend werden sollen, müssen Milliarden in Schulen und Lehrbetriebe fließen.

Interessant ist die Tatsache, dass die Überstunden weitüberwiegend (ca. 80 Prozent) freiwillig geleistet werden. Das macht deutlich, dass die Arbeitszeitverkürzungen für die Wirtschaft und die Mitarbeiter nicht immer eine Wohltat zu sein scheinen. Betrachtet man dazu den Krankenstand, so sind diejenigen, welche wöchentlich 10 und mehr Überstunden leisten, im Krankenstand nicht überrepräsentiert. Die Ausbeutung kann nicht so schlimm sein.

Nach Ansicht des Sicherheits-Berater ist es auch erforderlich, das Arbeitszeitgesetz zu reformieren. Freiwillige Mehrarbeit ist eine Flexibilisierung, die dringend benötigt wird, denkt man an die Konjunktur. Stattdessen wurde die Wirtschaft mit einem Entsendegesetz beglückt, das eine nicht in die Zeit passende Bürokratisierung beinhaltet. Ursprünglich gut gemeint, erfolgte die Ausführung miserabel.

Nach Auskunft eines Sozialversicherers muss auf Basis eines dreiseitigen Formulars mit 47 auszufüllenden Positionen grundsätzlich ein Antrag für jede Entsendung je Tätigkeitsland einzeln gestellt werden. Angehörige, z. B. beratender Berufe, müssten einen solchen Antrag dann für alle EU-Länder, in denen ein Mitarbeiter tätig wird, stellen – und das für jeden Einzelfall. Wer die gültige A1-Bescheinigung nicht mit sich führt, muss ein empfindliches Verwarngeld zahlen. Die Schweiz und die Niederlande stehen dabei zurzeit an der Spitze der Abzocker. (Das ist sozusagen eine "aktuelle Warnung" des Sicherheits-Berater). Diese Länder schicken Prüfer in Hotels, um nach A1-losen Geschäftsreisenden zu suchen.

Übrigens: Die Aussage der angefragten Krankenkasse war nicht ganz zutreffend. Reist man wiederholt in bestimmte Länder, kann durchaus auch eine Bescheinigung für bis zu acht Länder und mit einer Geltungsdauer von fünf Jahren ausgestellt werden. Das macht deutlich, dass die Vorschriften so kompliziert sind, dass man dafür einen Berater brauchen könnte. Diese Dienstleister gibt es schon und sie werden 2019 ff. starke Umsatzzuwächse bekommen.

 

3.   Sicherheitslage
3.1 Terrorismus

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben mehr als einen Zahn zugelegt. Sie sind besser geworden und auch besser personell ausgestattet (zwar noch im Anfangsstadium, aber dennoch schon spürbar).

Die technische Ausstattung wird besser. Die verschiedenen Behörden wurden besser vernetzt und das auch international – wenngleich immer noch Lücken klaffen und Länder wie Frankreich ihre Erkenntnisse verzögert oder gar nicht weitergeben. Leider ist der föderale Hemmschuh in Deutschland trotzdem spürbar. Aber die Tatsache, dass eine Reihe terroristischer Vorbereitungen erkannt und durch Verhaftungen gestoppt werden konnte, beruhigt ein wenig.

Die Zahl sprachkundiger Beamter hat zugenommen – bis hin zum aus der Türkei stammenden und (hoffentlich) neuen Vizepräsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV). Eine erfreuliche Aussicht, aber leider bei Redaktionsschluss noch keine Nachricht, ist die Erwartung, dass der neue Vizepräsident des BfV Sinan Selen heißen wird. Der 46 Jahre alte Jurist, in Istanbul geboren, in Köln aufgewachsen, mit langjähriger Polizeierfahrung im BKA und in anderen Sicherheitsverwendungen, Experte für Terrorismusbekämpfung, der erste Muslim, der eine Spitzenposition in einem deutschen Geheimdienst bekleiden wird, war als leitender Ermittler im Terrorismusumfeld ungewöhnlich phantasiereich und entsprechend erfolgreich.

Der neue BfV-Präsident, Thomas Haldenwang, scheint ihn, so hört man aus dem Innenministerium, als Wunschkandidaten vorgeschlagen zu haben. Einem solchen Führungsduo bringt wohl auch die Kanzlerin viel Vertrauen entgegen. Aus dem Haushaltsausschuss des Bundestages hört man ferner, dass das BfV auch weiter verstärkt und technisch wie personell bei seinen Bemühungen, effizienter zu arbeiten, unterstützt werden soll.

 

3.2 Gewaltbereiter Islamismus

Im Sicherheits-Berater Heft 21/2018 vom 1.11.18 haben wir berichtet, dass der "IS"-Chef Anschläge in den Industrieländern fordert und dies mit einigen Fakten belegt. Der Rückzug der Amerikaner aus Syrien könnte zu einer Erstarkung des "IS" führen, es sei denn, die Türkei erobert nicht nur das Kurdengebiet, sondern das Land. Das hätte unabsehbare Folgen, denn der "IS" müsste sich zur Selbsterhaltung stärker in Jordanien und Libanon sowie im Irak ausbreiten. Jordanien ist instabil und möglicherweise zu schwach, das zu verhindern. Die USA dürften zur Stabilisierung nicht zur Verfügung stehen, solange Trump beratungsresistent ist. Der Druck im Kessel "IS" könnte nach Nordafrika und vor allem nach Europa gelenkt werden. Der "IS" hat leider genug Geld, um, wenn er Küstenzugang hat, mit Hit-and-run-Taktik auch die Seewege auf dem Mittelmeer unsicher zu machen. Aus dem Flüchtlingsstrom dürfte er genügend Kämpfer für Himmelfahrtkommandos zwangsrekrutieren können. Man weiß nicht, was man von dieser These halten soll, aber die Gefahr einer Verstärkung der Aktivität durch Industriesabotage in Westeuropa ist auf keinen Fall von der Hand zu weisen, wie der Sicherheits-Berater bereits im November darstellte.

Alle Anzeichen, die unsere Staatsschutzbehörden zusammengetragen haben, lassen darauf schließen, dass wohl verstärkt mit Einzeltaten zu rechnen ist – wie Hammer- und Messerattacken oder Anschlägen mit Autos und Transportern in Menschenansammlungen und Fußgängerzonen. Hinweise auf konzertierte Angriffe gibt es bislang offensichtlich nicht. Auch im Internet (Darknet) waren solche Pläne nicht zu erkennen.

In der deutschen Moscheenlandschaft scheint eine gewisse Zurückhaltung mit Hasspredigten beobachtet zu werden. Aber dass es nach wie vor Imame gibt, die in kleinem Kreis oder mit einzelnen radikalisierbaren jungen Leuten Hass verbreiten, ist auch bekannt.

Angriffsziele gegen die deutsche Industrie sind konkret nicht bekannt. Im Gespräch mit Fachleuten werden aber Furchtszenarien durchaus thematisiert. Chemische Industrie und Kommunikationsindustrie werden fast unisono genannt. Die Kommunikationsindustrie steckt aber weiterhin den Kopf in den Sand. Das wird auch 2019 so bleiben.

Die Verwundbarkeit der Hubs ist dem Terrorismus bekannt. Dennoch setzt sich die Konzentration an einem Ort (Frankfurt/M.) fort. Angesichts der immer weiter zunehmenden Digitalisierung und Konzentration derselben auf wenige Netzknoten ist angesichts der Bedrohung durch gut geplante Anschläge – sei es im "Cyberwar" oder auch physisch – das Verhalten der Industrie absolut unverständlich. Die bisherigen Bemühungen in Sachen Kritischer Infrastrukturen sind unzureichend. Eine Diversifizierung von Standorten und Netzen tut not, wird aber auch 2019 wohl kaum in Angriff genommen. Entscheidungen nach Kostengesichtspunkten werden noch in den nächsten Jahren die Abhängigkeit und Unsicherheit aller Nutzer vergrößern.

Kreuzfahrtschiffe sind ebenfalls extrem verwundbar. Zwar ist an den Anlegern der üblichen Ziele viel an Sicherheitsmaßnahmen geleistet worden, aber auch der Laie sieht die Schwachstellen.

 

3.3 Linksterrorismus

 Er macht wieder mehr Sorgen als noch vor wenigen Jahren. Was sich teilweise im Hambacher Forst abspielte, ist durchaus unter dieser Rubrik subsummierbar. Schlimm ist dabei Rückendeckung aus etablierten Parteien und das Schönreden in der Presse. Gewaltbereite heißen nicht so, sondern werden Aktivisten genannt. Wer einen Brandsatz oder Steine auf einen Wachmann der RWE (Mindestlohnempfänger) oder Polizistinnen wirft, ist kein Aktivist, sondern ein Gewalttäter, der schwerste Verletzungen anderer in Kauf nimmt. Die Bezeichnung Aktivist ist eine semantische Verschleierung von Straftaten, die die Grenzen zur Angemessenheit des Demonstrationsrechts und des zulässigen Widerstands verschieben will. Auf diesem Gebiet ist noch mehr zu erwarten, wenn auch die Deutsche Umwelthilfe sich nicht von solchen Leuten distanziert. Der Sicherheits-Berater erwartet hier einen weiteren Anstieg von Straftaten. Heute Hambach, morgen Straßen- oder Brückenbau.

Der linke Kleinterrorismus, der für Serienbrandstiftungen gegen Unternehmen und Personen sorgte und den wir früher als Rote Zora und andere Gruppen kannten, ist allerdings zum Erliegen gekommen und heute bedeutungslos.

 

3.4 Rechtsterrorismus

Bitte sehen Sie dem Autor die politische Unkorrektheit nach, wenn er die Gefahr aus wenigen einfachen Gründen nicht so hoch bewertet wie beim Islamismus:

  • Die gewaltbereiten Rechtsradikalen besitzen zumindest gegenwärtig nicht die intellektuelle Substanz wie die Verführer des islamistischen Terrorismus. Mit Tumbheit ist kein Staat zu machen. Und auch keine Revolution.
  • Der Rechtsradikalismus ist aber gefährlich bei Straßenkrawallen, wo mit schlimmen Auswirkungen zu rechnen ist. Staatsschutzerkenntnisse machen deutlich, dass ein Teil der rechten Szene die Ereignisse des Hamburger G20-Gipfels durchaus als nachahmbar betrachtet. Aber es fehlt dem rechten Mob die Infrastruktur. Sie haben keine besetzten Häuser, von deren Dächern aus sie Steine und Molotow-Cocktails werfen können. Ihre Nachrichtenstruktur ist aber besser geworden, sie können jetzt schneller Zusammenrottungen organisieren, aber es fehlt weiterhin an taktischen Konzepten im Kampf gegen die Polizei. Hoffentlich bleibt es so, sagte ein Staatsschützer zum Sicherheits-Berater.
  • Es ist aber durchaus möglich, dass die rechte Szene anfangen könnte, wieder mehr Brandstiftungen zu machen. Flüchtlingsunterkünfte dürften dabei weniger Ziel sein, weil sie inzwischen besser geschützt werden. Eher werden es Landratsämter und andere kommunale Einrichtungen sein.

Die Rechten haben aber durch das Erstarken der AFD eine Sympathisantenszene, die nicht unterschätzt werden darf. Wenn die bürgerliche Presse etwas weniger darüber schreiben, sondern die Aktivitäten in einer 6-Zeilen-Nachricht abhandeln würde, könnten diese Rechten viel Boden verlieren. Aber jede Schlagzeile lässt die AFD noch größer erscheinen als sie ist.

 

4.   Kriminalität
4.1 Einbruchkriminalität

 Die Einbruchkriminalität geht leicht zurück. Die Aufklärungsquote ist aber extrem gering. 2018 wurden dem Sicherheits-Berater aber signifikant mehr Einbrüche in Unternehmen bekannt. Die Einbrecher hatten teilweise erhebliche Vandalismusschäden verursacht, die in einigen Fällen auch Betriebsunterbrechungen zur Folge hatten. Diese wurden fast immer erst durch fehlende Sicherungsmaßnahmen möglich. Nur ein kleiner Teil der Industriebetriebe, Laboratorien und Entwicklungsabteilungen verfügt über qualifizierte Einbruchmelde­anlagen, Videoüber­wachungen und physische Sicherungsmaßnahmen. Auch mangelt es an gut geplanten Zutrittskontrollanlagen. So befinden sich angreifbare Techniken auf der Angriffsseite und nicht im Bereich der geschützten Angriffsgegenseite, Fenster lassen sich über das Entfernen der Halteleisten von außen zerstörungsfrei öffnen und Schließelemente sind ebenfalls oft von außen angreif- und manipulierbar. Zaunfelder teurer Zäune sind von außen verschraubt und senken daher den Schutzwert.

Der Diebstahl von Firmenfahrzeugen und dabei insbesondere von beladenen Lkw hatte 2018 Hochkonjunktur. Dennoch statten viele Unternehmen ihr Wagen nicht mit gut versteckten und getarnten Trackingsystemen aus. Oft entstanden pro Einzelfall schon Millionenschäden. Hier allerdings ist ein Silberstreif am Horizont zu erkennen, weil einige Versicherer nicht mehr mitspielen und Sicherungssysteme einfordern. Der Sicherheits-Berater geht davon aus, dass diese Techniken 2019 verstärkt installiert werden und der Branche in diesem Segment Logistiksicherung ein Wachstum von 15-20 Prozent im neuen Jahr bringen werden.

 

4.2 Korruption

Viele Deutsche halten Korruption für eine Kriminalität, die es eigentlich hier gar nicht gibt. Es gibt sie aber doch – in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen. Sie wird aber immer ausgefeilter und perfekter getarnt. Am schlimmsten ist nach wie vor die Korruption im Bauwesen. Es gibt einen Club, in dem Bauunternehmen und Bauentscheider vereint sind. Er ist in einem Emirat angesiedelt. Die Clubadresse ist eine dortige Bank. Schwarze Kassen werden dort geführt. Schwarze Kassen aufzubauen und gefüllt zu halten ist bei grenzüberschreitenden Tätigkeiten ein Kinderspiel. Die Clubmitglieder haben dort Konten und stellen die Bestechungsmittel dort zur Verfügung. Das Bestechungsgeld fließt in Geldanlagen oder wird durch Privaturlaube auf hohem Niveau in Anspruch genommen. Kein Fiskus hat die Möglichkeit, das nachzuverfolgen. Nur selten kann etwas nachgewiesen werden und aus Reputationsgründen wird zumeist nicht angezeigt, sondern still beerdigt.

Wir haben aber noch eine andere Form, die man eigentlich als Korruption bezeichnen könnte. Das ist der Lobbyismus, der über das Ziel hinausschießt: In den Normenausschüssen sitzen, weil sich freie Fachleute den Luxus der Arbeit in Normenausschüssen nicht leisten können, weit überwiegend Vertreter der Industrie. So entstehen Normen, die das Geschäft sichern. Auch durch die Beeinflussung von Prüfnormen, nach denen dann Materialprüfungsanstalten z. B. Baustoffe zulassen. Das eklatanteste Beispiel ist die Zulassung von Polystyrol als Dämmstoff. Dieser wurde zugelassen, weil er im Brandversuch nur zu 80 Prozent (!) abbrennt und gilt daher als "schwer entflammbar" (der Sicherheits-Berater berichtete darüber in Heft 20/2018 ausführlich). Man kann nur Korruption durch Beeinflussungswege annehmen. In anderen europäischen Ländern darf so nicht geprüft werden. Und selbst die dagegen Sturm laufenden Fachleute der Feuerwehren blitzen regelmäßig ab. Die Lobby ist zu stark! Das wird sich 2019 nicht ändern.

 

4.3 Wirtschaftsspionage

Der Autor wagt keine Prognose. Zu schlimm ist die Wirklichkeit, in der auch große Unternehmen mit professioneller Sicherheitsabteilung und professioneller IT-Kompetenz, aber mit laxer Handhabung eigener Vorgaben ihre Nuggets verschenken. Sie lagern aus Kostengründen ihre Entwicklung in Entwicklungsländer aus, die sich dadurch zu Wettbewerbern entwickeln oder die in Auftrag gegebene Entwicklung an Wettbewerber verkaufen (so jüngst geschehen in einem renommierten deutschen Maschinenbauunternehmen. Aber was soll man warnen, wenn Vorstände nach ihrer Börsenkursperformance bezahlt werden und weg sind, wenn sich der Schaden auswirkt?)

 

5.   Trends in der Sicherheitstechnik-Branche
5.1 Gefahrenmelde- und Überwachungstechnik

Die Alarmanlagenindustrie hat 2019 gute Zeiten vor sich. Das Wachstum der Umsätze war schon 2018 sehr zufriedenstellend. Auf dem Gebiet der Einbruchmeldeanlagen wird die Branche mindestens ca. 10 Prozent zulegen.

Das ist auf verschiedene Gründe zurückzuführen:

  • Die Baukonjunktur brummt weiter. Es werden viele hochwertige Wohn- und Geschäftsbauten gebaut oder befinden sich zusätzlich in Planung. Nutzer legen mehr Wert auf eine Sicherheitsausrüstung.
  • Abgemietete Verwaltungsgebäude werden grundsaniert. Dieser Trend ist vor allem in den Ballungsgebieten und in Berlin beobachtbar. Sie werden teilweise in Wohnraum umgewandelt, teilweise für neue Büronutzungen – nicht selten in kleinere Einheiten – aufgeteilt. Bei beiden Nutzungen ist Sicherheit gefragt, geschäftlich wie auch privat. Sie lassen sich mit einer bedarfsbezogener Sicherungstechnik besser vermarkten. Daher sehen Investoren geeignete Techniken vor. Erwerber oder Mieter der Fläche werden nach ihrem individuellen Sicherheitsbedarf in Baukastenweise (auch nachrüstbar) befriedigt. Das Marktpotenzial ist unübersehbar. Anbieter, die modulare und nachrüstbare Lösungen haben, werden von dem Kuchen profitieren.
  • Bürogebäude im Alter von 20 bis 30 Jahren werden saniert. Und auch hier wird dem steigenden Sicherungsbedürfnis Rechnung getragen.

 

5.2 Zutrittskontrolltechnik

Die Entwicklung liegt im Branchentrend der Sicherheitstechnik. Sie wird 2019 nach dem traditionellen Chaos Communication Congress in Berlin zwischen den Jahren mal wieder ins Gerede kommen. Dort wurde nachgewiesen, dass die angeblich fälschungssichere Venenerkennung mit erstaunlich einfachen Mitteln überwunden wurde. Siehe auch die entsprechende Nachricht auf der vorletzten Seite hier im Heft.

 

5.3 Videotechnik und Bildanalyseverfahren

Die Videotechnik hat ihren Wandel zu einer volldigitalen IT-Anwendung im Wesentlichen vollzogen, nur noch wenige Spezialanwendungen oder Altanlagen haben analoge Bauteile und Prozesse. Insofern sind die Voraussetzungen geschaffen, die nun digital vorliegenden Bilder intelligent auszuwerten. Der Bedarf ist da, immer mehr kostengünstige, aber hochauflösende Kameras erzeugen eine Bild- und damit Datenflut, in der es zwingend notwendig sein wird, die Spreu vom Weizen zu trennen. Hier hilft Videoanalyse. Der Markt ist riesig, der Einstieg auch für Startups gut möglich. Verschiedene Beispiele der Vergangenheit zeigen, dass ehemalige Lösungen existenzgründender Einzelkämpfer zur Zufriedenheit beider Seiten von etablierten Videosystem-Anbietern "aufgesaugt" wurden und fortan in deren Portfolio vertrieben werden. Viele wollen bei der Gesichtserkennung mitmischen, Kennzeichenerkennung für die Identifizierung von Fahrzeugen und Automatisierung der Zufahrtsberechtigung sind schon bewährt.

Großes Potenzial gibt es offenbar auch im Bereich der Verhaltensanalyse. Hier repräsentieren die technischen Möglichkeiten bei Weitem noch nicht die Anforderungen (oder Illusionen) der Anwender. Da Rechner immer schneller und performanter werden, wird sich hier viel tun.

Aber es wird natürlich auch die eine oder andere kleinere Anlage erneuert. Die Videotechnik, die stärker der Modernisierung unterworfen wird, da sie schneller veraltet als eine Einbruchmeldeanlage, wird vor allem in der mittelständischen Wirtschaft zu Erneuerungsbedarf führen. Wie in den letzten Jahren ist auch hier viel Bewegung. Der Sicherheits-Berater schätzt den Zuwachs auch hier auf nicht unter 10 Prozent, vielleicht sogar 15 Prozent.

 

5.4 Brandmeldetechnik

Die Brandmeldetechnik nimmt am Bauboom und dem Sanierungsbedarf auch in der Industrie teil. Auch ohne Sanierung sind etliche Anlagen in die Jahre gekommen und benötigen neue Zentralen und Meldesysteme. Der Sicherheits-Berater schätzt das Wachstum dieses Segments auf 10 bis 12 Prozent.

 

5.5 Brandschutz

Brandschutztüren und -tore, Brandschutzklappen, Entrauchungsanlagen, Sprinkleranlagen und andere stationäre und mobile Löschsysteme hängen an der Baukonjunktur. Da kann also nichts schiefgehen. Das Wachstum wird aber nur um die fünf bis sieben Prozent betragen, da der Boom ja schon seit Jahren läuft und die Kapazitäten so ausgereizt sind, dass viel importiert wird – vor allem aus Polen und Tschechien.

 

5.6 Baustellensicherung

Bildquelle: VZM

Eine Sonderentwicklung ergibt sich bei der Baustellensicherung. Fachberater werden immer häufiger zur Erarbeitung in sich geschlossener Objektsicherungskonzepte in den verschiedenen Phasen des Baus hinzugezogen. Daraus kann man schließen, dass Hersteller mobiler Sicherungseinrichtungen (Zäune, Tore, Zutritts- und Zufahrtssicherungen wie Schranken etc.) im Aufwind liegen werden. Dazu gehören stark zunehmend auch mobile Videotechniken zur Überwachung von Schwerpunkten wie den Baumaschinenpark, die Dieselversorgung (wg. der Spritdiebstähle) etc. Diebstähle hochwertiger Ausrüstungsgegenstände in der Ausbauphase haben stark zugenommen und manche Fertigstellung eines Objekts um Monate verzögert. Wie z. B. im Raum Berlin: Dort wurde eine Netzersatzanlage inkl. des Lkw in der Nacht nach der Anlieferung entwendet. Lieferzeit 18 Wochen! Entsprechend verzögerte sich die Betriebsverlagerung.

 

5.7 Gebäudeleittechnik und Sicherheitszentralen mit Sicherheits- und Verfügbarkeitsmanagement

Leitstellen wurden in der Vergangenheit und werden auch 2019 noch vom Architekten und einem Nachrichten- oder Elektroplaner entworfen und gebaut. Selbst bei den BOS-Leitstellen mit öffentlichem Sicherheitsauftrag stand bislang dabei fast ausschließlich die System- und Kommunikationstechnik im Vordergrund. Das Ergebnis entspricht nicht dem, was diese Leitstellen eigentlich leisten sollen und vor allem nicht ihrem Sicherheits- und Verfügbarkeitsbedarf.

Dies ändert sich langsam. Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass auch eine Leitstelle eine hoch- und höchstverfügbare IT-Infrastruktur darstellt, die entsprechend entwickelt und konzipiert werden muss. Das Rad hierzu muss nicht neu erfunden, sondern nur richtig aufgezogen werden:

  • Ausgangsbasis ist wie bei jeder IT-Planung eine Definition der Aufgaben, eine Gefährdungs- und Risikoanalyse der IT-Infrastruktur.
  • Hieraus sind Schutzziele in technisch, baulicher und betrieblicher Hinsicht abzuleiten. Gewissermaßen die Messlatte, die erreicht werden muss.
  • Eine objektiv und ehrlich durchgeführte Gefährdungsanalyse hat immer auch zum Ergebnis, dass die Leitstelle in baulicher, technischer oder personeller Hinsicht kollabieren kann. Eine Leitstelle benötigt deshalb immer Redundanzansätze. Wie hoch diese gesteckt werden müssen, leitet sich vom Schutzziel der Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit ab. Der Aspekt der Georedundanz, also räumlichen Trennung von Redundanzfunktionen, muss immer mitspielen.
  • Leitstellentechnik ist schon lange astreine IT. Leitstellen sind immer als kritisch einzustufen. Hoheitliche Leitstellen sind KRITIS-Anwendungen. Informations­sicherheit und ein passendes Konzept sind deshalb nicht nur auf Grund des IT-Informationssicherheitsgesetzes ein Muss. Wäre es schon immer gewesen! Dies Bewusstsein setzt sich aber zunehmend durch. Maßstab muss der Stand der Technik sein, also Informationssicherheitsmanagement gem. der DIN ISO/IEC 27001 ff bzw. BSI IT-Grundschutz.

Alles gemeinsam muss in ein Sicherheits- und Verfügbarkeitskonzept für die Leitstelle münden, das optimalerweise aus folgenden Blöcken besteht: Bau/Architektur, IT-Infrastruktur für Hoch- und Höchstverfügbarkeit, Leitstellensystem- und Kommunikationstechnik und Betrieb bzw. organisatorische Anforderungen. Eine quantitative Prognose für 2019 ist kaum möglich. Aber immer mehr Leitstellen werden nach Einschaltung hochspezialisierter Leitstellenfachleute konzipiert. Das ist ein hoffnungsvoller Trend.

 

5.8 Urbane Sicherheit

Mitte des Jahres 2018 hat die Deutsche Hochschule der Polizei die Technische Richtlinie "Mobile Fahrzeugsperren" herausgegeben. Darin werden die Anforderungen an das Einsatzmittel mobile Fahrzeugsperren detailliert beschrieben. Dies ist ein richtiger Schritt in Richtung urbane Sicherheit bei temporären Veranstaltungen und schnellen Absperrungen von definierten Bereichen. Hierdurch erhält die Polizei ein Instrument an die Hand, das eine Bewertung von mobilen Fahrzeugsperren auf hohem Niveau erlaubt.

Aber auch bei wiederkehrenden Veranstaltungen oder Zonen in Städten, die nur oder hauptsächlich für Fußgänger zur Verfügung stehen, geht der Trend bei den Stadtoberen zu Sicherungsmaßnahmen für diese speziellen Bereiche. Der Schutz von Personen rückt aufgrund der unsicheren Zeiten dadurch immer mehr in den Vordergrund.

Die Qualität der Produkte, welche die Hersteller von Absperrmaßnahmen entwickelt haben, zeigt eindeutig nach oben. Gleichzeitig brillieren die neuen Erzeugnisse, die sehr abwechslungsreich gestaltet sind, mit akzeptablem Design. Das ist besonders begrüßenswert, denn damit erhöht sich die Akzeptanz bei den Städten, den Planern und den Bürgern. Der Markt für Sperrmittel boomte schon 2018. Der Sicherheits-Berater geht für 2019 von einem Wachstum um ca. 30 Prozent aus.

 

6. Sicherheitsberatung – Risikoanalyse bei normativen Betrachtungen

Früher gab es viele Normen und Vorschriften, in denen etwas stand, das einfach so hingenommen wurde, weil es in der Norm stand. Eine individuelle Risikobetrachtung war eher kontraproduktiv, eine Norm bestand aus strikten Anforderungen. Es erfolgte eine Anwendung, ohne nachdenken zu müssen. Gut auch, um sich dahinter zu verstecken. Eine Begründung war nach einem überzeugend vorgetragenen "Das steht so in der DIN xxx!" nicht notwendig. Wollte man davon abweichen, entstand so regelmäßig etwas nicht Normgerechtes.

Irgendwie setzt sich wohl gerade durch, dass es so nicht geht. Sehr viele neuere Normen machen Festlegungen zur individuellen Ausgestaltung abhängig von einer vorangestellten Risikobetrachtung. Kritiker merken an, dass dann der Benchmark fehlt. Die Aussage "Rechenzentrum nach EN 50600" besitzt z. B., so wird kritisiert, überhaupt keine Aussagekraft, wenn hier mindestens die Angabe der Verfügbarkeitsklasse fehlt. Zudem ist der Weg, wie man von einem Ergebnis der Risikoanalyse zu konkreten Maßnahmen kommt, oft eher diffus. Es gibt aber Normen, die regeln das gut. Als Beispiel teilt die EN 67676-4 (Videoüberwachungsanlagen – Anwendungsregeln) die Welt der Videoüberwachung in sechs funktionale Aufgaben ein. Mit ein wenig Routine gelingt die Anwendung dann ganz gut. In jedem Fall kommt bei einer risikobezogenen Betrachtung eher eine individuell passendere Lösung heraus, als wenn "alte" Normen Sachverhalte starr mit der Brechstange diktieren.

In der Sicherheitsbetrachtung setzen sich zunehmend die vorgeschaltete Gefahrenanalyse und die Risikobewertung durch. Nach der Risikobetrachtung (Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenserwartung im Ereignisfall) folgt dann die Schutzzieldefinition. Auf diese baut dann die Planung des Maßnahmenmixes auf. Großer Vorteil ist die bessere Möglichkeit, die Schutzziele zu operationalisieren und in der Prüfung der voraussichtlichen Wirkung der Maßnahmen auch darauf zu achten, dass nur angemessene Maßnahmen ergriffen werden. Man ökonomisiert also, indem Übersicherungen und Untersicherungen eliminiert werden.

Dieses Vorgehen erfordert aber überbetriebliche Erfahrung und Unabhängigkeit des Beraters. Ideal ist es, wenn der Berater nach Aufwand fakturiert und nicht nach einer Tabelle, die sich am Wert der Investition orientiert. Bei vielen Ingenieurbüros erlebt man immer wieder, dass sie so viel Technik vorsehen wie möglich, da diese das Honorar beeinflusst.

 

7.   Messen, Seminare und Fortbildung
7.1 Messen

Die SECURITY 2018 hat gezeigt, dass viele, früher messebegeisterte, Hersteller immer weniger Wert auf die eigene Präsentation im Rahmen einer Messe legen. Passend dazu hat sich die CeBIT Ende November 2018 gleich selbst beerdigt. In anderen Branchen pfeifen bedeutende Hersteller wie Tesla oder Apple schon lange auf die Anwesenheit bei großen Veranstaltungen. Die Tatsache, dass Informationen immer und überall verfügbar sind, macht es für Hersteller sehr einfach, auch zwischen den Messen Produkte zu lancieren oder wirkungsvoll PR zu betreiben. Eine Messe dient zunehmend "nur noch" der direkten Kommunikation und der Kontaktpflege – Networking nennt sich das auf Neudeutsch. Der Sicherheits-Berater findet es schade, dass dies mit der sinkenden Bedeutung von Messen ein Stück weit verlorengeht. Ob es ein unaufhaltsamer Trend ist, muss abgewartet werden.

Messeveranstalter versuchen immer wieder, neue Teilthemenformate, wie Perimeterschutz etc., in den Markt zu bringen. Ob sie damit langfristig Erfolg haben, bleibt abzuwarten. Eher ist davon auszugehen, dass sich die entstandene Vielzahl von Veranstaltern den Markt kaputt macht und bei den Ausstellern die Frustration vergrößert. Die Besucherzahlen werden 2019 bei allen Veranstaltungen voraussichtlich zurückgehen.

 

7.2 Seminare und Fortbildung

So wie der Autor aus seiner VZM-Beratungspraxis, den Themen, die nachgefragt werden und den dahinter stehenden Auftragsgrößen Rückschlüsse auf die Branche schließt, kann er auch aus der Entwicklung der SIMEDIA Akademie Schlussfolgerungen anstellen. Daraus erkennbar ist z. B. die sich wandelnde Seminarlandschaft. Die Teilnehmerzahl je Veranstaltung hat sich nur marginal verändert (ca. vier bis fünf Prozent). Sie wird 2019 stagnieren oder vielleicht sogar rückläufig sein. Das liegt zum einen an dem Fachkräftemangel. Die Unternehmen sind im Bereich Sicherheit hoffnungslos unterbesetzt und es ist manchmal eine schwere Entscheidung, einen oder mehrere Mitarbeiter zu einem zwei- oder dreitägigen Seminar oder gar auf einen längeren Lehrgang zu schicken. Zum anderen sind das Niveau und die Ansprüche der Teilnehmer stark gestiegen. Manchmal kommen die Referenten fast ins Schwärmen, wenn sie berichten, was für interessante Fragen gestellt und diskutiert wurden.

Andererseits ist zu beobachten, dass immer mehr "Werbeveranstaltungen" als Seminare angeboten werden, sich aber auf Herstellerreklame beschränken. Und auch bei gegen Geld angebotenen Seminaren geht aus der Teilnehmerliste hervor, dass manchmal 40 Prozent und mehr der Teilnehmer Aussteller (im Foyer) sind oder Kunden mit Freikarten gelockt haben. Das frustriert die Interessenten, selbst wenn sie kostenlos kommen dürfen. Es ist ja ihre Zeit, die verplempert wird.

Hieraus und aus einigen anderen Indizien heraus (z. B. abgesagte Angebote verschiedener Seminarveranstalter wegen fehlender Teilnehmerzahlen) lässt sich eine Erwartung herleiten: Die Zahl der kostenlosen Angebote wird weiter steigen, aber immer schlechter besucht werden. Was will man denn Neues bieten, wenn der Teilnehmer den oder die Produkte der Lieferanten schon kennt? Erfolg hat 2019 und darüber hinaus nur der Anbieter, der Qualität hinsichtlich Referenten und Themenbehandlung bietet. Das deutsche Seminargeschäft wird 2019 keine starke Entwicklung nehmen.

 

8.   IT-Sicherheit
8.1 Rechenzentren

Bildquelle: VZM

Zum Jahresende veröffentlichte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik "Kriterien für die Standortwahl höchstverfügbarer und georedundanter Rechenzentren" (Standort-Kriterien HV-RZ Version 1.0, Zugriff via Kurzlink https://bit.ly/2Th8raq). Das Thema Georedundanz köchelt schon seit einigen Jahren. Sehr unterschiedliche Aussagen gab es immer wieder. Das BSI hat jetzt ein Papier entworfen, das für höchstverfügbare Rechenzentren und ihre Georedundanz-Anforderungen Maßstäbe setzt. Diese dürften bei einer größeren Zahl von kritisrelevanten RZs zu ernsthaften Standortüberlegungen führen und zum anderen zu Überlegungen, wie man nicht anforderungskonforme Rechenzentren bzw. Standorte durch Kompensationsmaßnahmen so sicher machen kann, dass sie gleichwertig gehärtet sind. Die Anforderungen werden 2019 etliche Planer und Betreiber von Rechenzentren ins Schwitzen bringen.

Im Jahr 2018 werden, soweit die Investitionspläne der Industrie bekannt sind, wenige Rechenzentren zusätzlich gebaut werden. Die Mikrominiaturisierung führt eher dazu, dass in Rückbau und Sanierung investiert wird. Nachholbedarf an Neubauten gibt es allerdings bei der öffentlichen Hand. Der wird das RZ-Bauvolumen des Vorjahrs aber nicht erreichen, zumal die Entscheidungsprozesse allein bei der Grundstücksbeschaffung lang sind. In der Wirtschaft liegen zwischen einer Neubauentscheidung und der Fertigstellung im Schnitt drei Jahre inkl. Planung und Baugenehmigung. Das ist im politischen Umfeld kaum zu schaffen. Prognose 2019: Stagnation im Neubaugeschäft von RZ auf mittlerem Niveau.

 

8.2 Sabotage und Spionage

 
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Neben der Schädigung, z. B. durch Ransom-Angriffe, die Erpressung von Unternehmen durch Verschlüsselung der Rechner in Firmennetzen und Freischaltung des Schlüssels nach Zahlung von Lösegeld, spielt auch die gezielte Ausforschung von Unternehmen im Bereich F+E (Forschung und Entwicklung) eine Rolle. Für beide Schädigungsarten werden teilweise identische Vorgehensweisen der Täter beschrieben.

Land auf, Land ab wird über Phishing, Trojaner und andere sogenannte Malware berichtet. Das ist gut so, denn die Berichte dienen auch der Awareness und viele Führungskräfte haben sich in den letzten Jahren verstärkt um die Sicherheit und Verletzlichkeit ihrer IT gekümmert und vor allem Budgets bereitgestellt. Aber vieles, was man tun möchte, scheitert am Fachkräftemangel.

Die Angriffe gehen auch an der Sicherheitsbranche nicht vorbei. Ein dem Sicherheits-Berater bekanntes Unternehmen der Sicherheitsplanung wurde getroffen. Alle Daten des Planungsbüros waren verschlüsselt. Die Hacker – die Spuren führen in die Ukraine – forderten Lösegeld, je schneller desto billiger. 24 Stunden 1.500 Euro, 28 Stunden 3.000 Euro, dritter Tag 6.000, dann 12.000 usw. Der Planer entschloss sich, sofort zu zahlen und kam dadurch glimpflich davon.

Ein solcher Angriff wurde ebenfalls von Ukrainischen Hackern gegen den Sicherheits-Berater gefahren. Er hatte Glück gehabt, dass die Sicherheitsvorkehrungen griffen. Glück, weil die Erpresser die Programme kurzfristig so modifizieren, dass sie sich wieder vor entsprechend adaptierter Virensoftware tarnen.

Dem Sicherheits-Berater ist keine verlässliche Statistik über die Ransomangriffe und ihre Erfolgsstatistik bekannt. Aber man kann konstatieren, dass die Masche Nachahmer gefunden hat und wirkt. 2019 lässt keine Hoffnung zu, dass es weniger wird oder dass man die Erpresser einmal dingfest machen kann. Es sieht so aus, dass es keine Einzeltäter sind, sondern gut vernetzte Gangs, die den Segen ihres Landes zu haben scheinen, das nichts unternimmt. Vermutlich gibt es da Beteiligungen, die Geld zu den "richtigen" Einflussleuten leiten. Die meisten Spuren führen dem Vernehmen nach Russland und und in die Ukraine.

Überwiegend aus Fern-Ost werden zunehmend Spionageangriffe bekannt mit dem Ziel Forschung und Entwicklung. Sie funktionieren ähnlich wie die Ransomangriffe, verankern sich tief im System und suchen gezielt nach den Rechnen im Unternehmen, auf denen Forschungs- und Entwicklungsergebnisse zu erwarten sind. Sie saugen Datenmassen ab.

Die Branche der Virensoftwarehersteller hat viel zu tun. Es wird ihr auch 2019 nicht langweilig werden. Die Umsätze werden voraussichtlich nach einer Steigerung um ca. 15 Prozent in Deutschland 2017/18 mindestens in diesem Rahmen weiter zu­nehmen.

 

8.3 Legionellen

Die seit 19. August 2017 in Kraft getretene 42. BImSchV (Bundes-Immissionsschutz-Verordnung) hat auch im Jahr 2019 wesentliche Auswirkungen auf Betreiber von Verdunstungskühlanlagen, Kühltürmen und Nassabscheidern. Die von diesen Anlagen ausgehende Gefahr einer Legionellenausbreitung soll durch eine Vielzahl von Anforderungen in Form von regelmäßigen Kontrollen, wiederkehrenden Laboruntersuchungen des Nutzwassers, Eigenüberwachung der Funktion und deren Dokumentation durch Führung eines Betriebshandbuches so weit wie möglich reduziert werden. Dazu gehören auch Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen, die bisher von vielen Betreibern solcher Anlagen nicht so strikt durchgeführt wurden. Dass all diese Maßnahmen mit einem Plus an Betriebskosten verbunden sind, wird spätestens dann deutlich, wenn hierzu entsprechendes Fachpersonal zusätzlich geschult oder auch neu einzustellen ist. Denn wie in der 42. BImSchV ebenfalls gefordert, ist hierzu Fachpersonal einzusetzen, das eine zertifizierte Hygie­neschulung gemäß der Richtlinie VDI 2047-2 absolviert hat.

Auch wenn einige Hersteller um Ausnahmeregelungen für ihre Anlagen bemüht sind, so kann man für die kommenden Jahre in Sachen Mehraufwand für die Betreiber sicherlich noch keine Entwarnung geben.

Hersteller und Wartungsfirmen der IT-Infrastrukturtechnik werden sich 2019 nicht langweilen, denn bei vielen Unternehmen werden auch gründliche Überarbeitung oder gar der Ersatz von Anlagen erforderlich werden. Sie können 2019 – auch wegen der Baukonjunktur auf dem Gebiet klimatisierter Gebäude – mit einem Wachstum von ca. acht Prozent rechnen.

 

8.4 Alternative Energiequellen, Brennstoffzelle

Die dieselgestützte Netzersatzanlage wird es wohl noch ziemlich lange geben – ganz sicher 2019, wie so manche Bauherren oder Planer hofften. Die Brennstoffzelle als alternative und (bei oberflächlicher Betrachtung) CO2-neutrale Energiequelle erscheint zwar reizvoll, jedoch fehlt es nach wie vor an Anbietern, die solche Systeme marktreif auf die Bedürfnisse des Rechenzentrumsbetriebes abgestimmt anbieten. Dies führt bei den einzelnen Vorzeige- und Pilotinstallationen zu hohen Aufwänden für Beschaffung, Wartung und Störbeseitigung. Fördermittel, die solche Projekte anscheinend wirtschaftlich attraktiv dastehen lassen, sind von fehlender Nachhaltigkeit geprägt. Wird der Topf zugemacht, ist es oft vorbei mit der Wirtschaftlichkeit. Auch die CO2-Neutralität ist nicht mehr eine insulare Betrachtung am Standort der Anlage. Denn die Produktion des Brennstoffes der Anlage, des Wasserstoffs, benötigt auch wieder Energie. Dem einen oder anderen Projekt könnte man durchaus Green-Washing vorwerfen. Damit die Systeme eine weite Verbreitung finden, müssten erst einmal Konzepte zur Senkung der Investitions- und Betriebskosten erarbeitet werden. Prognose 2019: keine Investitionsneigung dafür erkennbar.

 

8.5 Notebook- und Tablet-Diebstahl

Der Geräteklau geht weiter um. Dem Sicherheits-Berater ist zwar keine aktuelle Statistik bekannt, deren Quelle wie früher nachprüfbar wäre. Aber es sind sicher nicht weniger Verluste dieser Art in 2019 anzunehmen. Schätzungsweise muss man mit ca. 60.000 Diebstählen rechnen, eher mit mehr. Da immer noch nicht alle über ein Vollverschlüsselung verfügen (auch betrieblich genutzte Geräte nicht), ist mit beachtlichen Schäden zu rechnen.

 

8.6 Datenschutz

2018 geht in die Geschichtsbücher ein: Die EU hat ihre einheitliche Datenschutzgrundverordnung etabliert, aber es ist nur der Anfang weitreichender Datenschutzregulierungen. Datenschutz wird künftig aufgrund erhöhter Anforderungen an Nachweis-, Dokumentations- und Rechenschaftspflichten professioneller gehandhabt werden müssen. Die Herausforderung liegt darin, die in der heutigen IT- und Datenlandschaft existierende riesige Zahl an Applikationen und Verfahren mit ihren jeweiligen Datenmodellen, Formaten und Datenbanken in den Griff zu bekommen, um datenschutzkonform zu agieren. Die DSGVO wird zu einer mehrdimensionalen Herausforderung: bezüglich Customer Relationship und Personalverwaltung, technisch, organisatorisch und auch rechtlich.

Es wird noch mehr an Vorschriften folgen. Die ePrivacy-Verordnung wird im Rat der EU verhandelt. Mit der Verabschiedung der endgültigen Fassung ist frühestens Ende 2019 zu rechnen. Sie wird die geltende ePrivacy-Richtlinie für elektronische Kommunikation der EU-Mitgliedsstaaten ablösen und hoffentlich die DSGVO sinnvoll ergänzen und konkretisieren.

Weniger Prognose als vielmehr ein Wunsch ist, dass viele Menschen und Unternehmen "Startpage" oder "DuckDuckGo" als Standard-Suchmaschine einstellen. Google weiß mittlerweile wirklich genug von uns.

: : :  Rainer von zur Mühlen  : : :

 

 


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