Baustellen im Umgang mit COVID-19

01.05.2020

Derzeit ist das öffentliche Leben wegen des Coronavirus‘ bzw. der daraus resultierenden Krankheit COVID-19 so gut wie auf null Gefahren, ob hierzulande oder im Ausland. Dennoch muss der Alltag und vor allem auch die Wirtschaft weitergehen. Einen herben Einbruch verzeichnet derzeit die Automobilindustrie inklusive ihrer Zulieferfirmen. Aber wie sieht es eigentlich auf den Baustellen aus? Herrscht hier auch Stillstand? Weit gefehlt, denn bis auf wenige Ausnahmen wird fleißig weiter gebaut – vor allem in Deutschland.

Einschränkungen in Sachen Material- und Baustoffe sind weniger bekannt, allerdings klaffen Wunden bei der personellen Besetzung der Baustellen mit den entsprechenden Monteuren. Diese kommen in einigen Spezialbereichen, wie Anlagen- oder Fenster- und Fassadenbau, zu großen Teilen aus dem benachbarten Ausland. Die aktuellen Ein- und Ausreisebestimmungen machen es den Monteuren nicht leicht, zu ihrer gewohnten Arbeitsstelle zu gelangen. Der beschriebene Zustand stellt allerdings die zum Zeitpunkt der Artikelerstellung herrschende Situation dar. Diese kann sich bis zur Veröffentlichung des Sicherheits-Berater jedoch wieder geändert haben.

Dennoch sind genügend Menschen auf Baustellen unterwegs, deren Umgang untereinander aus hygienischer Sicht geregelt sein muss. Nach Recherchen des Sicherheits-Berater sind die Auflagen bzw. Anforderungen an die Hygienebedingungen auf Baustellen in Coronazeiten gar nicht weit entfernt von den üblichen Festlegungen. Hier sei beispielhaft ein Auszug aus dem am 31.3.2020 aufgestellten Maßnahmenpaket des Ministeriums für Arbeit Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westphalen aufgeführt:

  1. Stellen Sie sicher, dass die Beschäftigten während der Arbeit untereinander so wenig wie möglich in Kontakt kommen. Auch bei allen arbeitsbezogenen Kontakten müssen zwischen den verschiedenen Beschäftigtengruppen Sicherheitsabstände von mind. 1,5 m eingehalten werden. Dies kann beispielsweise durch möglichst weit auseinanderliegende Arbeitsbereiche, durch zeitlich versetzte Nutzung gemeinsam zu nutzenden Einrichtungen oder auch durch unterschiedliche Zeiten von Arbeitsbeginn und -ende erfolgen.
  2. Stellen Sie Sanitärräume im Sinne der Arbeitsstättenregel ASR (Arbeitsschutzrichtlinie) A 4.14 zur Verfügung. Diese müssen über eine ausreichende Anzahl an Handwaschgelegenheiten mit fließendem Wasser, Seife und Einmalhandtüchern verfügen. Die Bereitstellung von mobilen, anschlussfreien Toilettenkabinen ohne Handwaschgelegenheit entspricht bei der derzeitigen Infektionslage aus aufsichtsbehördlicher Sicht nicht dem Stand der arbeitshygienischen Erfordernisse.
  3. Sehen Sie zusätzlich zu den nach ASR A 4.1 ohnehin erforderlichen Handwaschgelegenheiten weitere Handwaschgelegenheiten in der Nähe der Arbeitsplätze vor. Auch diese müssen mit fließendem Wasser, Seife und Einmalhandtüchern ausgestattet sein. Sanitärräume und Handwaschgelegenheiten sind mindestens einmal täglich gründlich zu reinigen.
  4. Stellen Sie sicher, dass Pausenräume oder Pausenbereiche über leicht zu reinigende Oberflächen verfügen. Diese müssen mindestens einmal täglich gereinigt werden.

    Zwischen den jeweiligen Nutzungen sind zeitliche Unterbrechungen vorzusehen. Dadurch können Kontaktmöglichkeiten der einzelnen Beschäftigtengruppen untereinander bei Pausenende bzw. -beginn vermieden werden. Die Pausenräume bzw. -bereiche sind zwischen den einzelnen Nutzungen zu lüften und grob zu reinigen.
  5. Werden Pausenräume oder -bereiche von Beschäftigten verschiedener Unternehmen / Gewerke (Beschäftigtengruppen) gemeinsam genutzt, ist durch organisatorische Maßnahmen zu regeln, dass Kontakte der einzelnen Beschäftigtengruppen untereinander unterbleiben. Geeignet sind beispielsweise organisatorische Maßnahmen, bei denen die einzelnen Beschäftigtengruppen zu unterschiedlichen Zeiten die Pausenräume oder -bereiche nutzen. Zwischen den jeweiligen Nutzungen sind zeitliche Unterbrechungen vorzusehen. Dadurch können Kontaktmöglichkeiten der einzelnen Beschäftigtengruppen untereinander bei Pausenende bzw. –beginn vermieden werden. Zudem müssen die Pausenräume so groß gewählt sein, dass ein ausreichender Sicherheitsabstand (mind. 1,5 m) zwischen den einzelnen Beschäftigten möglich ist. Die Pausenräume bzw. -bereiche sind zwischen den einzelnen Nutzungen zu lüften und grob zu reinigen.
  6. Stellen Sie sicher, dass alle Beschäftigten auf der Baustelle die notwendigen Informationen über die einzuhaltenden Schutzmaßnahmen erhalten und verstehen. Baustellenordnungen sind entsprechend zu ergänzen. (Anm.: Hier verweist das Arbeitsministerium auf einen Leitfaden für deren Erstellung. Vgl. www.inqa.de oder Kurzlink https://bit.ly/2wuuogk)
  7. Erfassen Sie die Beschäftigten, welche die Baustelle betreten und verlassen (Zugangs- bzw. Anwesenheitskontrollen). Stellen Sie gleichzeitig deren Erreichbarkeit über geeignete Kontaktdaten sicher, um in einem Verdachtsfall entsprechende Quarantäneauflagen organisieren zu können.
  8. Stellen Sie sicher, dass die Anzahl der Beschäftigten, die gemeinsam in einem Fahrzeug zur Baustelle an- und abreisen auf das notwendige Maß begrenzt wird. Dabei ist die Fahrgemeinschaft nach Gewerken zu trennen, die auf der gleichen Baustelle arbeiten.

    Zitatquelle: www.mags.nrw, Kurzlink https://bit.ly/2JTLyqC

Die oben genannten Maßnahmen gelten für die Bauherren und Arbeitgeber, die dazu verpflichtet sind, für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz ihrer Angestellten auf den Baustellen zu sorgen. Das erhöhte Risiko der Infektionsgefahr auf Baustellen gilt es mit der Umsetzung der Maßnahmen auf ein geringes Maß zu beschränken, ohne die wirtschaftlichen Interessen zu vernachlässigen.

Diese Gratwanderung zwischen der maximal erreichbaren Hygiene und der Gewährleistung des alltäglichen Ablaufs in Wirtschaft, Industrie, Handel und privat, sollte für alle Personen in diesen Zeiten mit gesundem Menschenverstand zwar schwer, jedoch durchführbar sein.

: : : Peter Schmidt : : :


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