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Editorial

Straftaten einfach wegvergleichen

Ausgabe 9/2023
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Ausgabe 9/2023
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Liebe Leserinnen und Leser,

die Veröffentlichung der jüngsten PKS 2022, also der polizeilichen Kriminalstatistik, stand in diesem Jahr ganz unter dem Motto der Relativierung. Das heißt: Vergleicht man die aktuellen Fallzahlen mit dem Jahr 2021, ist eine drastische Steigerung von 11,5 Prozent zu beklagen. Man kann aber auch mit dem Jahr 2019 vergleichen. Dann sind’s nur noch 3,5 Prozent. Chapeau!

11,5 Prozent können ganz schön viel sein. 11,5 Prozent Inflation sind extrem beunruhigend nicht nur für Sparbuchbesitzer. 11,5 Prozent sind ein Wert, den der Mensch immerhin mit bloßem Auge deutlich wahrnehmen kann. Selbst Tauben können den Wert 9 und 10 voneinander unterscheiden.

Damit die Zunahme von Irgendetwas bzw. Straftaten nicht so auffällt, bedienen sich Politiker eines Kniffs für den Fall, dass Kritik zu erwarten ist: Sie relativieren den Wert einfach. Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat’s kürzlich, flankiert von Berlins Innensenatorin Iris Spranger und von BKA-Präsident Holger Münch, vorgemacht: „Im Berichtsjahr 2022 wurden bundesweit insgesamt 5.628.584 Straftaten registriert. Das entspricht einer Steigerung um 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und um 3,5 Prozent gegenüber 2019, dem Jahr vor Beginn der Corona-Pandemie.“ (www.bmi.bund.de Pressemitteilung vom 30. März 2023, Kurzlink https://bit.ly/3MBYALa). Auf gut Deutsch: Gäbe es den „Corona-Effekt“ nicht, sähe die Sache doch ganz gut aus (wobei auch 3,5 Prozent kein Pappenstiel sind). Und für Corona kann doch keiner von den für die Kriminalitätsbekämpfung Verantwortlichen etwas.

Der Corona-Effekt machte sich 2022 vor allem bei der Diebstahlkriminalität, bei Raubdelikten und im Bereich der Körperverletzung bemerkbar. Die entsprechenden Delinquenten blieben da nicht mehr im stillen Kämmerlein sitzen, sondern suchten sich wieder ihre Opfer draußen.

In den Pressemitteilungen der Vorjahre findet man übrigens im Jahr 2020 folgende Aussage zur PKS 2019: „Zahl der Straftaten geht im dritten Jahr in Folge zurück“ (Kurzlink https://bit.ly/3KQgGHZ). Insbesondere habe es einen wiederholt starken Rückgang beim Wohnungseinbruchsdiebstahl gegeben. Es scheint also auch ohne Corona zu gehen.

Im Jahr 2021 hieß es zur PKS 2020: „Straftaten auf niedrigstem Stand seit 1993“. (Kurzlink https://bit.ly/40ZCGFL) Allerdings habe es durch den Digitalisierungsschub des Coronajahres 2020 eine Verlagerung der Kriminalität in den digitalen Raum gegeben.

Im Jahr 2022 lautete das Fazit zur PKS 2021: „Erneut weniger Straftaten und eine höhere Aufklärungsquote in Deutschland.“ Die führte man jedoch nicht auf irgendeinen Corona-Effekt zurück, sondern darauf, „dass sich die Stärkung der Polizei auszahlt.“ (Kurzlink https://bit.ly/3KUHVRR)

Infos zur und Daten der PKS 2022, die uns eine deutliche Zunahme der Kriminalität bescherte, finden Sie auf www.bka.de, Suchwort PKS. Dort sind übrigens 1070 (!) Straftaten („Straftatenschlüssel“) verzeichnet.

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Ausgabe 9/2023

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