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Editorial

„Versicherheitlichung“. Wieder was gelernt

Ausgabe 20/2021
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Ausgabe 20/2021
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Liebe Leserinnen und Leser,

seit einigen Jahren beschäftige ich mich redaktionell mit Sicherheitsthemen. Bis vor Kurzem hätte ich schwören können, dass ich sämtliche sicherheitsaffine Fachbegriffe, in denen das Wort „Sicherheit“ enthalten ist (z. B. „Arbeitssicherheit“, „City-Sicherheit“, Öffentliche Sicherheit), wie im Schlaf herunterbeten kann. Jetzt stieß ich erstmals …

… auf einen mir noch unbekannten: „Versicherheitlichung“. Es handelt sich dabei keineswegs um eine dieser Sprachverballhornungen als Folge übertrieben politisch korrekter Intention (z. B. „Geflüchteter“ statt „Flüchtling“), sondern um einen seriösen Fachbegriff aus der Politikwissenschaft.

Der Begriff „Versicherheitlichung“, zu dem es sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag gibt, entspricht der Übersetzung des englischen „securitization“. Er wurde 1998 von den Wissenschaftlern Barry Buzan, Ole Waever und Jaap de Wilde in deren Werk „SECURITY – A New Framework for Analysis“ eingeführt (im Netz auf www.academia.edu oder via Kurzlink https://bit.ly/3AVAUZC zu finden). Bis dahin stand er in der Finanzwissenschaft ausschließlich für „Verbriefung“. Die Autoren legen Wert auf die Feststellung, dass sie den Begriff „Security“ nicht im Sinne der Alltagssprache, sondern als Fachbegriff der Wissenschaft von den Internationalen Beziehungen gebrauchen.

Nichtsdestotrotz ist die Idee, aus „Security“ „Securitization“ werden zu lassen, auch für unsere Zwecke nicht so abseitig. Gemeint ist damit nämlich, einen Sachverhalt zu einem Sicherheitsproblem zu erklären, das man zuvor nicht als solches gesehen hat. Ein Beispiel: Ein Staat kann Entwicklungshilfe leisten und dies humanitär begründen. Er kann aber auch Entwicklungshilfe leisten, weil er die Gesellschaft eines unterstützten Landes stabilisieren will, damit diese z. B. dem Terrorismus keine Plattform bietet. Die Entwicklungshilfe erfährt somit eine „Versicherheitlichung“ – sie dient dann dem vitalen Sicherheitsinteresse des Geberlandes. Ein anderes Beispiel, aktueller denn je und in Kapitel 4 des Werkes dargestellt, ist die Versicherheitlichung des Umwelt(schutz)gedankens. Explizit genannt sind darin z. B. bereits der Klimawandel, die Energie- und Nahrungsmittelversorgung, Epidemien oder Bürgerkriege. Muss man nicht gelesen haben, wenn man nicht gerade in der Politikwissenschaft mitreden will. Nur so viel: Die Begriffe „Securitization“ bzw. „Versicherheitlichung“ werden auch in der deutschen Fachliteratur gebraucht und diskutiert. So übersetzt z. B. ein Autor der Bundeszentrale für politische Bildung die Begriffe mit „absichtsvolle Dramatisierung von politischen Problemen von Seiten politischer Entscheidungsträger“ (www.bpb.de, Kurzlink https://bit.ly/3F1fe2). Und, welch Wunder, wo „Versicherheitlichung“ auftaucht, da ist gelegentlich auch die „Verunsicherheitlichung“ nicht weit.

Ob es Sinn macht, sich dieses Sprachgebrauchs zu bemächtigen, sei einmal dahingestellt. Unzweifelhaft Sinn machen kann es aber durchaus, bestimmte Sachverhalte explizit als Sicherheitsproblem zu sehen und – zu versicherheitlichen.

Schwerpunkte:

Ausgabe 20/2021

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