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Die mutmaßliche Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt

Als ich am 04.05.2026 am Abend die Nachrichten von der mutmaßlichen Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt hörte, fühlte ich mich im ersten Moment in meinen jahrelangen Befürchtungen bestätigt: Die in den Jahren 2011 bis 2013 fest verbauten und versenkbaren Sicherheits-Poller bieten eher ein architektonisch erbärmliches Bild als einen guten Schutz gegen Angriffe mit Fahrzeugen: durch die vielfältigen Ausnahmeregelungen für den Bus-Linienverkehr, die Anlieferung und Fahrzeuge von Polizei und Feuerwehr sind die Durchfahrten oft dauerhaft geöffnet. Und mit seiner Fahrt hat der Amokfahrer auf brutale Weise der Einschätzung der Behörden widersprochen, dass die baulichen und verkehrstechnischen Gegebenheiten eine Durchfahrt zur Grimmaischen Straße nicht zulassen. Im Übrigen ist er auf der Innenseite (gesicherter Bereich) der bestehenden Polleranlage, wie die Bilder des Tatortes es zeigen, zum Stehen gekommen. Mangelhafte Sicherheitskonzeption? Falsche Gefährdungseinschätzungen?

Leipzig hat es mit seinen gravierenden Ereignissen am Montag. Ich kann mich an einen Montag Anfang Oktober 1989 erinnern, als ich von meinem Arbeitsplatz in einem Büro an der Grimmaischen Straße in der benachbarten Goethestraße die Panzer neben- und hintereinander aufstellen sah, um am Abend (auf besonderen Befehl) in die demonstrierenden Menschenmassen fahren zu können. Dazu ist es Gott sei Dank nie gekommen. Aber wäre nicht genau diese damalige Bereitschaft vieler Verantwortlichen und Engagierten, sich unabhängig von seinen eigenen Idealen und Zielen unvoreingenommen auf eine Lösungssuche zu machen und diese zu finden, der Weg, solchen sinnlosen Taten vorzubeugen?

Aus diversen Projekten kenne ich die Interessenskonflikte: die Stadtplanung möchte so wenig Poller wie möglich, die Gewerbetreibenden für ihre Geschäfte eine Fußgängerzone mit Parkplatz vor dem Laden. Straßengrün ist erwünscht, soll aber wegen der intensiven Pflege am besten auf den der Straße anliegenden Grundstücken angeordnet werden. Verkehrskonzepte gibt es selten und wenn, werden sie bei Änderungen nicht angepasst. Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen stehen hoch im Kurs. Im Alltag ist so etwas nicht notwendig. „Passiert ja nichts“.

Die Leipziger Innenstadt bietet auf Grund ihrer Anordnung aus meiner Sicht gute Möglichkeiten, den nicht notwendigen Individual-Verkehr komplett aus dem Kernbereich herauszunehmen. Den Sonderverkehr kann man bis auf wenige Ausnahmen zurückfahren. Und könnte für den wirklich notwendigen Verkehr eine kontrollierte und gesicherte Zufahrt schaffen. Somit wären alle bisherigen „Schlupflöcher“ für Fahrzeuge nicht mehr notwendig und könnte von der Freianlagenplanung individuell so gut gelöst werden, dass unberechtigte Fahrten mit Fahrzeugen ausgeschlossen werden können. Auch Sicherheitskonzepte können mit so wenig Beton, Stahl und Sicherheitstechnik wie nötig funktionieren!

Konzepte und Planung sowie mögliche Awareness-Kampagnen zur Info bei allen Beteiligten kosten Geld. Sie helfen aber sowohl direkt wie indirekt, unsere Städte nicht nur sicherer, sondern auch schöner zu gestalten. Am Ende ersparen Sie die Bilder von diesem Maimontag und die vielen unschönen Kommentare in den sozialen Medien. Haben wir im Gedenken an die Toten und die Verletzten den Mut, gemeinsam neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen.

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