Ladestationen richtig planen, installieren und betreiben

15.03.2020

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Anbietern für unterschiedliche Ladeeinheiten zum Betanken von Elektrofahrzeugen. Verschafft man sich einen Überblick, stellt sich schnell die Frage, welche die richtige für den eigenen Anwendungsfall ist und was es sonst noch zu beachten gilt. Nachfolgend einige wichtige Aspekte zur Auswahl, Installation und Inbetriebnahme von Ladestationen:

  1. Lesen Sie nicht nur die Imagebroschüren der Anbieter. Insbesondere die Installationsanleitungen helfen Ihnen, sich mit den Randbedingungen und Leistungsumfängen vertraut zu machen. Im Umkehrschluss: Hände weg von Anbietern, die ihnen auf knapp zwei Seiten alle betriebswichtigen Aspekte beschreiben wollen!
  2. Die Hersteller schreiben in ihren Unterlagen: "Vor der Installation sind die Vorgaben der Netzanschlussverordnung (NAV), der Technischen Anschlussbedingungen (TAB) und solche des zuständigen Netzbetreibers zu prüfen und insbesondere Anmelde- und Genehmigungspflichten, Verzeichnispflichten zu beachten." Dies bedeutet eine fundierte Elektrofachplanung durch entsprechende Ingenieure. Der Vertriebsbeauftragte der Ladeeinheitenhersteller kann da nicht helfen!
  3. Es muss sichergestellt werden, dass die für den Anschluss vorgesehene Ladeinfrastruktur die erforderliche elektrische Leistung liefern kann.
  4. Stimmen Sie sich vor der Installation mit Eigentümer oder Betreiber der Anlagen über die gewünschte Ausgangsleistung ab und verwenden Sie die dazu passenden Schutzkomponenten.
  5. Viele Anbieter fordern für die Installation ihrer Ladeeinheiten TN-S bzw. TN-C-S Netze. Prüfen Sie dies am Beginn der Planung. Ist dies nicht gegeben, sollte man sich mit den Lieferanten über die speziellen Anforderungen bei Installationen im TN-C, TT- oder IT-Netz verständigen.
  6. Klären Sie das Erdungskonzept! Insbesondere beim Einsatz mehrerer Ladeeinheiten können zusätzliche Maßnahmen notwendig werden.
  7. Die IEC 61851-1 "Leitfähiges Ladesystem für Elektrofahrzeuge - Teil 1: Allgemeine Anforderungen" fordert die Bestimmung folgender Charakteristiken:

    1. Definition Anschluss des Niederspannungsnetzes
    2. Art der Verbindung mit dem Stromnetz (mobil, permanent)
    3. Kompatibilität mit Steckern und Steckdosen
    4. Definition der Betriebsmodi
    5. Einsatzort (innen/außen, geschützt/ungeschützt, Regen/Sonneneinstrahlung usw.)
    6. Umgebung (abgeschlossene/öffentliche Bereiche)
    7. Montagen (Wand/Einbau usw.)

  8. Die Hersteller wünschen oft "einen großzügigen Abstand" zwischen ihren Ladeeinheiten und umliegenden Objekten (Richtwert 0,5 Meter, umgebungstemperaturabhängig), um eine ausreichende Wärmeabfuhr sicherzustellen. Selbst bei Kabelquerschnitten (z. B. Begrenzung Eigenerwärmung auf 15 Kelvin) werden Anforderungen definiert.
  9. Nebeneffekt bei großen Abständen: eine uneingeschränkte Bedienung an den Ladeeinheiten
  10. Klären Sie, ob weitere Überwachungen (z. B. Brandmeldetechnik, Sabotagekontakte usw.) vorzusehen sind. Diese sollten in der Planung und bei der späteren Installation als Schnittstelle frühzeitig berücksichtigt werden.
  11. Sorgen Sie dafür,

    1. dass die Installation nur durch entsprechendes qualifiziertes Personal mit Fachkenntnissen erfolgt.
    2. dass Sie die entsprechenden Betriebsbedingungen (i. d. R. Temperatur, elektrischer Anschluss usw.) einhalten.
    3. dass Sicherungskästen mit Fehlerstromschutzschalter und Leitungsschutzschalter gemäß Vorgaben der Hersteller montiert werden.
    4. dass bei Störungen, Defekten usw. ein Austausch unabhängig von der Einbauart unkompliziert machbar ist. Denn: In der Regel wird eine Reparatur vor Ort vom Hersteller nicht zugelassen.

  12. Für ein Energiemanagement, die Messung der Verbräuche sowie Überwachung bestimmter Komponenten sind Ethernet-Kabel zu verlegen. Dieses Betriebskonzept sollte vor Beginn der Umsetzung bereits im Detail mit allen Beteiligten abgestimmt sein.
  13. Als Betreiber sind Sie in der Verantwortung, wenn durch fehlerhafte oder falsche Installationen Gefahren für den Nutzer oder unbeteiligte Dritte ausgehen.
  14. Berücksichtigen sie die Wartungs- und Serviceintervalle bei dem Betrieb der Anlagen.

::: Rochus Zalud :::




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