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50 Jahre Namensgeber der von zur Mühlen‘sche.

Picture of Bernd Zimmermann

Bernd Zimmermann

„Andere lesen Krimis – ich erlebe sie!“

Sie heißen von zur Mühlen. Wie kommen Sie bzw. wie kam Ihre Familie an den Adelstitel?

Erstens durch den ersten Brexit! Und zweitens dann kaufmännisch. Unsere Familie war schon 1500 im Baltikum als Hansekaufleute tätig. Mein Ahnherr Bernhard Heinrich Thor Mohlen war 1792 sehr weitsichtig. Er sah voraus, dass die Konjunktur nach der Französischen Revolution und der Britischen Kontinentalsperre darnieder gehen würde. Er war sehr reich. Wohin mit dem Geld? Wie immer: Flucht des Geldes in stabile Sachwerte. Das sind auch damals schon Grundstücke gewesen. Große Grundstücke, die etwas abwarfen, waren Rittergüter. So kaufte er Rittergüter. Die durfte man aber nur auf Dauer besitzen, wenn man adelig war. Also nahm er sie zunächst in Pfand. Mit der Nobilitierung gingen sie in sein Eigentum über.

Wann ist er denn geadelt worden?

Eigentlich nie so richtig mit Ritterschlag und so. Der Kaiser in Wien hatte immer Geldnot. Schon 1500 stellte unsere Familie Bürgermeister, Eldermann der Großen Gilde etc. Das, was man so als Patrizier oder Stadtadel bezeichnete. Er brauchte aber den Reichsadelsbrief für die Rittergüter. Und da war er wieder gleich cleverer Kaufmann.

Verraten Sie uns sein Geheimnis.

Wenn man sich nobilitieren ließ, kostete das viel Nachweis und mindestens 6.000 Goldgulden. Er sammelte alle Ratsurkunden, in denen wir lateinisch als Barones (Herren) tituliert wurden. Damit gelang der Nachweis, dass wir seit Jahrhunderten adeligen Geschlechts waren. Er wandte sich mit diesen Urkunden nach Wien und beantragte das Verfahren. Wenn ich mich richtig erinnere, bezog er in den Antrag gleich seinen Bruder und einen Vetter (sein Geschäftspartner) mit ein. Da es sich um erblichen Adel handelte, galt der auch für alle Nachkommen. Ich glaube mit einem Schlag hatte er für 29 Mühlens den Adel zum Schnäppchenpreis von knapp 207 Goldgulden pro Person ergattert. Ein weitsichtiger und guter Kaufmann. Es gibt eine Landkarte von Estland, in der etwa 50 Prozent der Landesfläche Güter waren, die mal im Besitz unserer Familie waren.

Früher galten alte Männer, wenn ich das so sagen darf, als weise. Haben Sie den Eindruck, dass man Ihnen als 78-Jährigem mit Respekt begegnet?

Manchmal fast wie einer Ikone! Ich hatte eigentlich nie Probleme. Allerdings hatte ich aufgrund meines beruflichen Erfolgs viele Neider und weil ich angetreten war, die Branche aufzumischen, was mir auch gelang, auch viele Gegner. Das waren skurrile Geschichten, die ich übrigens in meinem Buch „Drei Leben im Gegenwind“ veröffentliche. Es wird im April erscheinen.

In welchem Verlag? Und was soll es kosten?

Im Fachbuchbereich des TeMedia Verlag, in dem auch der Sicherheits-Berater erscheint. Der Subskriptionspreis liegt bis 30. April bei 20 Euro inkl. Porto und dürfte danach um 25 Euro liegen. Eine Leseprobe kann man auch googeln, wenn man den Titel in die Suche einträgt. Ich habe in dem Buch auch meinen Lieblingsneider Version 1.0 beschrieben, der selbst vor anonymen Verleumdungen per Brief nicht zurückschreckte.

Der Adressat dieses Briefes, damals Chef der SECURITY in Essen, bei dem er mich anschwärzen wollte, war in seinem früheren Leben Agent in der Sowjetzone und wurde von meinem Vater geführt. Mein Vater hatte eine Quelle bei der StaSi, die ihn warnte, dass der Agent gefährdet sei. So konnte er ihn noch rechtzeitig in den Westen ausschleusen und vor Verhaftung retten. Klar, dass der meinem Vater für immer dankbar war und mich auch gut leiden konnte. So hatte er den Brief im LKA forensisch untersuchen lassen und konnte den Absender ermitteln: Ein ehemaliges Vorstandsmitglied der GDD. Was haben wir gelacht, als er mir mitteilte, Herr X habe einen anonymen Brief geschrieben!

Sie sind jetzt 79 Jahre alt. Wo sehen Sie sich mit 89?

Das Leben ist lebensgefährlich und endet immer tödlich. Vermutlich unter der Erde also. Vater wurde 86, seine Brüder 90 und 100. Der ältere hat mit 98 nach einem leichten Schlaganfall den Führerschein abgegeben. Bis dahin hat er jährlich seine Fahrtüchtigkeit untersuchen lassen. Warten wir es ab. Ich lebe gerne, könnte aber auch adieu sagen, wenn ich meine Fitness verlöre. Tägliches Joggen von drei Kilometern mag ich nicht missen.

Würden Sie heute noch einmal als Jungunternehmer starten wollen?

Wenn ich wieder so eine gute Idee und Marktlücke als Einäugiger unter Blinden fände wie 1969 – sofort.

Nach wie vor neugierig und interessiert: Rainer von zur Mühlen bei der Begutachtung des Großbrandes in Essen Anfang März
Foto: bz/TeMedia GmbH

Jahrzehnte lang kannte man Sie bei offiziellen Veranstaltungen, auf Messen und bei Kunden nur mit Fliege. Wo ist das Ding geblieben?

Als sogar Karl Lauterbach seine Fliege in Frage stellte, kam ich zum gleichen Ergebnis. Aber es gibt noch Situationen, wo ich eine von meinen 43 Stück auswähle. Und zum 50-Jahre-Jubiläumsfest der VZM GmbH im Juni werden Sie mich damit sehen. Versprochen!

Als Sie noch Chefredakteur des Sicherheits-Berater waren, fiel mir auf, dass Sie sich an keine Redaktionsregel halten. „VZM ist ein Sonderfall“ hieß es dann immer. Inwieweit fühlen Sie sich an Regeln gebunden?

An die Regeln, die von mir sind, meistens. Aber auch nur, wenn sie zielführend sind. Man muss sich auch selbst in Frage stellen können.

Sie stammen ursprünglich aus Berlin. Bonn ist Ihre Wahlheimat. Hat es Sie nach der Maueröffnung 1989 nicht gereizt, mit Ihrem Unternehmen wieder in den Osten zu ziehen?

Wir hatten gleich ein Büro in Berlin-Mitte. Aber nicht für den Hauptsitz. Ein Blick auf die Landkarte erklärt das anschaulich. Im Zirkelschlag von 350 km um Bonn sind alle Wirtschaftszentren Deutschlands außer Hamburg und München, aber auch Brüssel, erreicht. Im Zirkelschlag um Berlin keine 20 Prozent und die polnische Grenze.

Sie sind bekennender Großvater. Was können Sie von Ihrem Enkelchen lernen?

Wie schön Spielen ist. Wie schön und erstaunlich logisch kindliche Fantasie ist. Wie schnell sich die Fähigkeiten entwickeln. Gestern haben wir wieder einen Turm aus Bauklötzen gebaut und der stand fest und war fast so hoch wie das Kerlchen, also 101 Zentimeter.

Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten?

Dazu fällt mir nichts ein. Ich würde auch dieselbe Frau wieder heiraten. Aber: Ich würde vielleicht etwas anderes studieren. Ich studierte in 13 Semestern neben Wirtschaftswissenschaften und Psychologie auch Jura. Wenn ich nochmals anfinge, würde ich ein viertes Fach studieren. Elektrotechnik fasziniert mich.

„Wer kühn behauptet spart den Beweis“. Stammt die Aussage von Ihnen?

Nein! Ist ein Juristengrundsatz, den ich vom Bonner Jura-Repetitor Dr. Schneider habe. Hat mich immer beeindruckt und ich muss an den Satz denken, wenn ich Schriftsätze lese, in denen Anwälte substanzlose Böller behaupten.

Sie haben sich oft als Querdenker bezeichnet. Mit Impfgegnern und Reichsbürgern haben Sie aber nichts gemein?

Gott bewahre! Können die denn überhaupt denken? Im Psychologiestudium begegnete mir der Begriff des Querdenkens erstmals 1969 in einer Vorlesung der Wirtschaftspsychologie, die sich mit Kreativtechniken in Werbung und Produktentwicklung befasste. Die Vorlesung basierte auf dem 1967 erschienenen Buch „Use of Lateral Thinking“ von Edward de Bono, einem maltesisch-britischen Arzt, Hirnforscher und Philosophen. Er bezeichnete das übliche konsekutive Denken als linear oder lineare Logik. Das laterale (Quer-)Denken folgt hingegen nicht den klassischen, logisch aufeinander aufbauenden Schritten, sondern baut in den Denkprozess oder Kreativprozess Assoziationen aller Art ein, die völlig neue Fragen aufwerfen und meistens auch verblüffende Antworten oder Lösungen beinhalten. Man kennt den Spruch: „Alle sagen, das geht nicht! Dann kommt einer, der weiß das nicht und macht es einfach!“ Das muss ein wirklicher Querdenker gewesen sein.

Wie halten Sie sich körperlich und geistig so fit?

Täglich drei, manchmal sechs Kilometer joggen, immer noch arbeiten – nur etwas weniger. Und nur Arbeit annehmen, die Spaß macht und aus der ich etwas lernen kann. Vor Corona auch noch jeden Monat mit meiner Frau eine Reise von mindestens acht Tagen.

Kennt man sich eigentlich im Kreise erfolgreicher deutscher Unternehmer untereinander?

Nein. So einen elitären Zirkel kenne ich nicht. Ich bin auch kein Rotarier und habe meine Netzwerke alle selbst geschaffen. Zumeist zufällig, weil ich leicht kontakte und auf Reisen und im Beruf immerzu interessante Leute kennenlerne.

Können Sie sich vorstellen, dass es die von zur Mühlen’sche Sicherheitsberatung in 50 Jahren noch gibt?

Warum nicht? Wir bauen schon die dritte Führungsgeneration auf.

Vielen Dank, Herr von zur Mühlen, für das Gespräch.

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