GAs sprengen, bis es dort kein Bargeld mehr gibt?

15.06.2019

Liebe Leserinnen und Leser,

Geldautomaten (GA) werden in Deutschland nach wie vor ausgeraubt und gesprengt, ohne dass die Ganoven auf nennenswerte Präventionsmaßnahmen treffen. Jetzt soll es auf Beschluss der Innenministerkonferenz gesetzliche Maßnahmen geben. Insider sind skeptisch. Aber vielleicht zeichnet sich parallel ja eine ganz natürliche Lösung des Problems ab?

Wir haben schon mehrmals über das Problem der Geldautomatensprengungen berichtet. In Heft 15-16/2016 fragten wir z. B. ironisch "Wen interessiert das schon?" In Heft 1-2/2018 informierten wir über die Empfehlungen der Innenministerkonferenz (IMK) an die Kreditinstitute, bis Herbst 2019 mehr Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Dazu wurde die Projektgruppe "Geldautomatensprengung" von der Kommission Polizeiliche Kriminalprävention (KPK-PG) unter Leitung des Bundeskriminalamtes eingerichtet. Diese hat unter anderem Sicherungsmaßnahmen für GAs benannt und beschrieben. Sie schlägt nun z. B. vor, die Selbstbedienungsbereiche zeitweise zu schließen, Videoüberwachung, Bildübertragung und Vernebelungstechnik einzusetzen oder auch die Automaten gegen Explosion nachzurüsten.

Aus der Sicherheitsberatungsbranche kommt die Kritik, dass diese Vorschläge lediglich den Charakter eines Empfehlungskataloges besitzen und die Banken oder Sparkassen nicht wirklich zur Umsetzung verpflichten. Ein dem Sicherheits-Berater bekannter Insider zeigt sich erstaunt darüber, dass die KPK-PG von Einfärbetechniken - in Frankreich seit Jahren per Dekret verpflichtend für alle GA-Betreiber - sogar abrät. Den empfohlenen Einsatz von Vernebelungstechnik hält er dagegen für zu aufwendig in der Umsetzung, wenn hierfür eigens eine Einbruchmeldeanlage plus Videotechnik mit Aufschaltung in eine Notruf- und Serviceleitstelle (NSL) zu installieren ist. Wohlgemerkt, letztendlich geht es uns Sicherheitsberatern gar nicht (nur) ums raubgefährdete Geld. Vielmehr handelt es sich bei Automatensprengungen um ein gefährliches Delikt, bei dem Metallteile oder Glasscherben wie Geschosse durch die Gegend fliegen.

Möglicherweise erledigt sich das Problem bald von selbst: Die Zahl der GA ist bundesweit rückläufig. Zudem lässt die Liebe zum Bargeld laut EHI Retail Institute (www.ehi.org) bei den Deutschen ohnehin nach. Der Umsatzanteil des Bargelds beträgt im deutschen Einzelhandel nur noch 48,3 Prozent (Kurzlink https://bit.ly/2J5XvLB). Dort wird auch zunehmend der sogenannte Cash-Back-Service (gut beschrieben auf der Herstellerseite www.glory-global.de, Kurzlink https://bit.ly/2W2F1xu) angeboten, der den Gang zu Geldautomaten überflüssig macht: Kunden lassen sich an der Einzelhandelskasse Geld auszahlen. Damit verlagert sich die Bargeldverwaltung mehr und mehr an den Point of Sale, also in den Handel. Man muss kein Hellseher sein, um voraussagen zu können, dass sich die GA-Ganoven dann beherzt den verschiedenen "Banknotenrecylern" (im Prinzip Geld-Ein-Ausgabe-und-Prüfgeräte, vgl. Verkaufsbroschüre unter Kurzlink https://bit.ly/2MjQXv8) im Handel zuwenden werden – womöglich während der Öffnungszeiten.


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