Installation von Ladesäulen in der Praxis

15.03.2020

Es hört sich so einfach an: Elektromobilität wird gefördert, bald sogar von rechtlicher Seite die Zustimmung zur Montage der entsprechenden Ladesäulen vereinfacht. Und in der Praxis? 

Nachfolgend einige Aspekte aus dem Bericht von Betroffenen, die versucht haben, während eines Bauvorhabens im Zuge der Erstellung eines Gebäudes einige Ladesäulen in ihre Tiefgaragen zu integrieren. Wir haben diese Ausführungen bewusst neutral gehalten, da dies von Ost nach West, von Süd nach West unserer Ansicht derzeit überall so vorkommen kann: 

  1. Der regionale Energieversorger bietet für den Standort den Vertrieb von Ladestationen für Elektrofahrzeuge an. Als Bauherr ist dies ein Mehrwert für die Gebäudenutzung und ein zusätzliches Argument bei deren Vermietung und Verkauf. Der beauftragte Elektroplaner wird gebeten, die entsprechenden Leistungsdaten zu ermitteln und die Installation entsprechend anzupassen. 15 Ladestationen werden bestellt. 
  2. In der Energiebilanz wird zusätzlich zur abgestimmten Gebäudeversorgung eine Energieversorgung für die Ladestationen geplant. Am Beispiel eines Elektrofahrzeuges mit 41 Kilowattstunde (kWh) Batteriekapazität und einer gewünschten Dauer eines Ladezyklus von ca. 160 Minuten ergibt sich die Notwendigkeit einer Ladestation von 22 Kilowatt (kW). Reicht eine Zeitdauer von 16 Stunden aus, ist eine Ladestation mit einer Einzellast von 3,7 kW ausreichend. Das entspricht einer Leistung eines Backofens, gilt aber eher als geringe Ladeleistung. Und letztere bot der Versorger als maximal verfügbare Leistung pro Ladestation an.
  3. Für die Berechnung der Ladeleistung benötigt man die elektrischen Kennwerte des Stromanschlusses für die Ladestation. Bei einem dreiphasigen Anschluss spielt auch die Art, wie die Ladestation an das Netz angeschlossen ist, eine Rolle. Je nachdem, ob in Stern- oder Dreieckschaltung, liegt die Spannung bei 230 oder 400 Volt. Hat man diese Informationen zur Hand, kann ein Planer die Werte in seine Netzberechnung einfließen lassen.
  4. Es gilt der Grundsatz: Ein Wunsch nach einer schnellen Ladezeit erfordert eine Auslegung auf mindestens einen 22-kW-Anschluß. Elektrotechnisch ist dies ein dreiphasiger 32-Ampere-Anschluss. Im Umkehrschluss: Dies ist bei 15 Stationen eine zusätzliche elektrische Leistung von 330 kW!
  5. Die Bereitstellung dieser Leistung stand aber im konkreten Fall im Konflikt mit der beantragten bzw. mit dem Versorger abgestimmten Anschlussleistung. Muss diese erhöht werden, führt dies in der Regel zu höheren Kosten und im Extremfall zu einer Neudimensionierung der Einspeisekabel (bis hin zu dessen Austausch).
  6. Alternativ kam die Idee, dass nicht alle Ladestationen gleichzeitig die maximalen Ladeleistung bereitstellen müssen. Wären da nicht alternative Denkmodelle interessant? Wie kann ein solches Energiemanagement aussehen? Bieten dies auch die Versorger bei ihrem Vertrieb der Ladeinfrastruktur mit an?
  7. Es wurde Kontakt mit den Mitarbeitern des Energieversorgers aufgenommen und die Strategie hinterfragt, mit der diese Realisierung stattfinden soll. Ergebnis war, dass zwar guter Kaffee, aber keine Strategie zur Vorgehensweise angeboten wurde … Die Strategie des Energieversorgers lag lediglich darin, dass eine Förderung in unbekannter Höhe in Aussicht gestellt wurde, wenn 15 Ladestationen bestellt würden.
  8. Im Ergebnis hat man sich dann abschließend mit dem Elektroplaner und Versorger auf folgende Vorgehensweise geeinigt:

    1. Für das Gebäude wird ein separates Zählerfeld geschaffen und die entsprechenden Zähler werden eingebaut.
    2. Festlegung der Orte für die Ladestationen in Abhängigkeit des Umfeldes (Gefährdungsbetrachtung) und unter Berücksichtigung des Platzbedarfs
    3. Elektro-Detailplanung für die Ladestationen in der Tiefgarage

  9. Interessanterweise hat am Ende die Feuerwehr zu allen Festlegungen und Planungen zugestimmt. Begründung:

    1. Es gibt derzeit keine weiteren baurechtlichen Anforderungen.
    2. Der Bauherr hat sich ja bereits Gedanken gemacht.
    3. Die entsprechenden Brandbekämpfungsmaßnahmen sind möglich.

Fazit

Die Förderung von Elektromobilität läuft an, es fehlt jedoch noch an Wissen und Erfahrung zur Umsetzung. Bei konkreten Bauvorhaben, die mehr als eine Ladesäule umfassen, ist also eine detaillierte Planung und Konzeption der Ladeinfrastruktur inklusive Abstimmungen mit dem zuständigen Energieversorger notwendig. Dieser hat in der Regel aber auch nicht für alle Wünsche ein passendes Produkt in der Schublade liegen.

::: Rochus Zalud :::




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