Messtechnik für Netzwerke

15.05.2020

Jeder, der ein Unternehmens- und Telekommunikationsnetzwerk betreibt, kommt irgendwann in die Situation, Messungen durchführen zu müssen, um

  • die Qualität der Verkabelung nach Neuinstallation im Rahmen einer Abnahme zu prüfen,
  • im späteren Betrieb Übertragungsfehler identifizieren zu wollen,
  • die Leistungsfähigkeit der Bestandsinstallation zu verifizieren, ob diese für neue Services noch genügend Bandbreite liefern kann oder auch ausreichend dimensioniert ist,
  • die Power over Ethernet (PoE) einer bestimmten Leistungsklasse nutzen zu können. 

Zu diesen Zwecken gilt es neben der augenscheinlichen Analyse der Verkabelung mit dem Zweck der Prüfung der Kabelkategorie (Cat 5, 6 etc.) inkl. Aufbau (Schirmung, Aderquerschnitt) ebenfalls die entsprechenden Messgeräte auszuwählen. Die Auswahl an Geräten ist bei Herstellern wie Fluke Networks, Ideal Industries, netAlly, Netscout usw. zum Teil unüberschaubar. Ganz einfache Netzwerktester für Kupferkabel beginnen preislich bei 10 Euro, Profimodelle kosten mehr als das 1000-fache der einfachen Geräte.

Um die Spreu vom Weizen zu trennen bzw. das für die jeweiligen Zwecke angemessene Gerät zu finden, können die Geräte in verschiedene Anwendungskategorien eingeordnet werden:

Durchgangstester
Die ganz einfachen Geräte prüfen lediglich, ob die Verbindung zwischen zwei Kabelabschlüssen elektrischen Durchgang aufweist und ob Aderpaare gekreuzt oder vertauscht sind.

Verifizierungstester
sind hochwertiger als Durchgangstester. Sie prüfen ebenfalls den grundlegenden Kabeldurchgang. Hinzu kommt die Möglichkeit, über sogenannte "Toner" Kabelverbindungen aufzufinden, z. B. dann, wenn die Dokumentation mangelhaft ausgeführt wurde. Sie bieten zum Teil die Möglichkeit, mittels TDR (Time Domain Reflectometer) die Kabellänge oder die Distanz zu einem Kabelbruch oder einem Kurzschluss zu messen. Sie arbeiten also auf der physischen Schicht 1 (Bitübertragungsschicht) des OSI-Modells und verifizieren somit die elektrische Signalisierung und die physischen Verkabelungskomponenten. Das OSI-Modell (Open Systems Interconnection Model) ist ein Referenzmodell für Netzwerkprotokolle als Schichtenarchitektur. Eine weitere Funktion, die bei Fehlfunktionen von PoE-Geräten (PoE: Pover over Ethernet) hilfreich sein kann, ist die Möglichkeit einiger Tester, eine PoE-Switch-Verifizierung durchzuführen. Hiermit wird die durch den Switch lieferbare PoE-Klasse ermittelt und somit auch, ob ein Switch ausreichend Spannung für das PoE-Endgerät zur Verfügung stellen kann und über welche Paare die Spannungsversorgung erfolgt.

Qualifizierungstester
bieten neben den Möglichkeiten der Verifizierungstester zusätzliche Tests, um Bestandsverkabelung auf Erfüllung neuer Anforderungen hin zu prüfen bzw. auch, um tiefergehende Fehlersuchen betreiben zu können. Sie bieten den Zusatznutzen, eine Qualifizierung der Verkabelungsbandbreite durchzuführen und Fehler zu identifizieren, die ebendiese beeinträchtigen. Sie liefern somit Informationen, ob ein Link inkl. Patchkabel für 10/100Base-T oder Gigabit qualifiziert ist. Dennoch arbeiten diese, genau wie Verifizierer, auf Schicht 1 des OSI-Modells. Der Mehrwert bzw. Aufpreis gegenüber einem Verifizierer ist also genau zu prüfen. Zudem werden beim Qualifizierer keine Leistungsnachweise erbracht, wie dies bei einem Zertifizierer der Fall ist.

Zertifizierungstester
garantieren die Einhaltung von Industriestandards und werden von vielen Herstellern strukturierter Verkabelungen gefordert, bevor diese ihre Garantien für Neuinstallationen gewähren. Zertifizierungstester zeigen an, ob eine Verbindung konform ist mit einer TIA-Kategorie (Telecommunication Industry Association) oder ISO-Klasse (International Organization für Standardization), z. B. Kategorie Cat 6 oder Klasse E. Sie bieten also tatsächliche "Pass"- oder "Fail"-Informationen zur Einhaltung der einschlägigen Industriestandards für strukturierte Verkabelung, indem sie hochfrequente Signale in die Leitung einspeisen. Tests an Kupfer- und Glasfaserkabeln können hier gleichermaßen durchgeführt werden, wobei nur auf Schicht 1 des OIS-Modells gearbeitet wird. Software zum Exportieren umfangreicher Daten und Berichte bietet Möglichkeiten zur digitalen Dokumentation der Messergebnisse.

Transmission-Tester
bieten gegenüber den vorgenannten Geräten die Möglichkeit, das Netzwerk auch auf den Schichten 2 und 3 des OSI-Modells für Kupfer- wie auch für Glasfaserverkabelungen sowohl im LAN (Local Area Network) als auch im WAN (Wide Area Network) Messungen durchzuführen. Mit Transmission-Testern sind so Netzwerk- und PoE-Lasttests sowie auch Ping-Tests, Identifikation von Switch-Ports und Kontrollen der Netzwerkkonfiguration möglich.

Fazit
Das Angebot an Netzwerktestern ist äußerst umfangreich. Daher ist der Einsatzzweck eines Gerätes vor dem Kauf möglichst genau zu definieren. So kann eine Checkliste hilfreich sein, um das passende Gerät zu identifizieren : Sollen nur einfache Fehler analysiert werden oder muss das Netzwerk standortübergreifend auf neue Anforderungen hin qualifiziert geprüft werden? Im letzten Falle kann der Investitionsbedarf dann schon größer ausfallen. Alternativ bieten viele Unternehmen auch die Möglichkeit, Geräte über einen bestimmten Zeitraum zu mieten und den Umgang damit über Webtrainings oder Videotutorials zu erlernen. Somit lässt sich für kurzzeitig erforderliche Messungen auch ein Gerät mit größerem Funktionsumfang wirtschaftlich nutzen.

: : : Lutz Rossa : : :




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