Wie sicher können Vorfeldsicherungen sein?

01.12.2017

Nachdem in New York am 31.10.2017 acht Menschen auf einem Fuß- bzw. Radweg von einem Pickup überfahren und weitere elf verletzt wurden, teilte die Stadtverwaltung wenige Tage später mit, die betroffenen Fußgänger- und Radwege mit Hunderten von  Betonabsperrungen zu sichern. Gleiches kann man in Berlin nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz im letzten Jahr beobachten. Dieser Tage wurden einige hundert Betonsperrelemente am Breitscheidplatz/Gedächtniskirche und Kurfürstendamm zur Sicherung des Weihnachtsmarktes abgeladen und verteilt. Man kann trefflich über die Wirksamkeit solcher Absicherungen als Reaktion im Nachhinein oder auch als präventive Maßnahme streiten. Nur ist dies die richtige Vorgehensweise?

Täglich werten die zuständigen Sicherheitsbehörden die aktuellen Lagen aus und versuchen präventiv mit entsprechenden Maßnahmen gegenzusteuern. Dies kann nach Ansicht des Sicherheits-Berater aber nur ein Teil eines ganzheitlichen Sicherheitskonzeptes sein, welches jeder (Staats-)Bürger vom Staat erwarten kann. Auch diskutieren wir immer wieder über die Ausweitung der Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Bringt diese mehr Sicherheit?

Einige provokative Fragen darauf: Warum planen wir nicht sicherheitsverbessernde Maßnahmen in unsere allgemeine Infrastruktur ein? Warum geben nicht die verantwortlichen Stellen aus ihren Gefährdungsanalysen konkrete Empfehlungen insbesondere an die Planung? Sicherheit bedeutet in der Regel nicht nur, allein auf physische, technische und organisatorische Maßnahmen zu setzen. Die Vergangenheit zeigt, dass auch bei vorhandenen Sicherheitskonzepten Schwachstellen ausgenutzt wurden. Auch weil in Klassifizierungen und Prüfungen Annahmen getroffen werden, die die Täter leider nicht berücksichtigen … Und ein Hochrüsten bedeutet immer Einschränkung bei immer steigenden Investitionen.

Deshalb kann Perimetersicherung, ob im öffentlichen Straßenland oder auf dem eigenen Grundstück, nur dann wirtschaftlich und wirksam sein, wenn man nicht auf Entwicklungen reagiert, sondern sich frühzeitig Gedanken zu einer "natürlichen" Sicherung macht. Im Autobahnbau hat man seit früherer Zeit Straßen (um der Monotonie beim Fahren entgegenzuwirken) in die Landschaft geschwungen angeordnet (dort wird durch die Neigungswinkel der Straße dafür gesorgt, dass die Geschwindigkeit nicht reduziert werden muss):

  • Warum bauen wir unsere (zumindest neuen) Straßen nicht so, dass die zulässigen Geschwindigkeiten gerade so erreicht werden, Fahrer also gezwungen werden, abzubremsen?
  • Warum schauen wir nicht, dass der Autoverkehr vom Fußgänger- und Fahrradverkehr durch Anordnung von Elementen wie Bäumen, Fahrradabstellanlagen, Leitplanken usw. getrennt wird?
  • Auch das Thema " gestalterische Veränderung von Kreuzungsbereichen" (nicht immer helfen Poller) kann man einmal unter die Lupe nehmen mit dem Ziel, dass nachgelagerte Wege eben nicht durch Kraftfahrzeuge "einfach" befahrbar werden.
  • Warum nutzen wir nicht die Möglichkeiten der Geländemodellierung, uns gegen die besonderen Gefährdungen durch Fahrzeug-"Angriffe" zu wappnen?

Das sind alles Fragen, die es zu lösen sich lohnt und die in der Wegeplanung proaktiv angegangen werden können.

Dies setzt aber voraus, dass die Planer Empfehlungen erhalten, wie sie sich genau mit solchen Themen auseinandersetzen müssen. Denn die Erfahrungen zeigen, sowohl auf Planer- als auch auf Errichterseite nutzt man auch heute noch seit Jahren gängige, aber eigentlich überholte Planungsansätze (z. B. bei der Berücksichtigung von dynamischen Lastannahmen in der statischen Berechnung). 

Sicherlich ist die Liste für kreative Lösungen mittlerweile sehr groß. Seien es die Jungbullen auf dem eigenen weitläufigen Firmengrundstück oder die dicht gewachsene, mit Stacheln versehene breite Hecke an der Grundstücksgrenze. Aber nicht immer kann man auf physische Sicherungselemente verzichten.

Auch hier gilt: Analysieren Sie Ihre Gefährdungen, definieren Sie Ihre Ziele (und auch Restrisiken) und suchen Sie dann erst das richtige Produkt für Ihre individuelle Aufgabenstellung. Erst dann sollte die Einschätzung der wirtschaftlichen Machbarkeit stehen! Mehr und mehr Unternehmen tun dies bereits. Sie nutzen die Landschaftsplanung als Sicherungselement, sie wählen für Neubauten Grundstücke aus, die das zulassen und die Möglichkeiten der Abstandsgewinnung ausschöpfen. Das ist sicher schwieriger bei Bestandsobjekten.

Das vorliegende Schwerpunktheft möchte Ihnen Hilfestellung geben, um einen sinnhaften Perimeterschutz umzusetzen bzw. vorhandene Sicherungsmaßnahmen einmal auf den Prüfstand zu stellen. ROCHUS ZALUD




Ein Beitrag des Informationsdienstes

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