Selbstentzündungen vermeiden

01.05.2020

In allen Bereichen der Wirtschaft, aber auch im privaten Bereich, entstehen jedes Jahr durch Selbstentzündung eine große Anzahl an Bränden, die kostspielige Schäden verursachen. Die Statistik weist seit einigen Jahren in alarmierender Gleichmäßigkeit einen vergleichsweise gleichbleibenden Prozentsatz von etwa zwei Prozent aller Brandursachen durch Selbstentzündung auf. Viele dieser Brände entstehen durch Unkenntnis und Unerfahrenheit. Und selbst (unaufmerksame) Profis sind davor nicht gefeit!

Nach wie vor sind trocknende Öle, die als Anstrichstoffe sowohl im gewerblichen als auch im privaten Bereich genutzt werden und die erforderliche Sorgfalt bei der Verarbeitung und dem Umgang mit diesen gefährlichen Stoffen missen lassen, eine der häufigsten Ursachen für die Selbstentzündung. Der lässige Umgang mit den Sicherheitsvorschriften lässt für die Zukunft Schlimmes befürchten.

Der niedrige Prozentsatz, der auf das Konto der Brände durch Selbstentzündung fallen, könnte durch diese Sorglosigkeit nach oben schnellen. Dabei ließe sich diese Art von Bränden deutlich reduzieren: Man müsste nur Produkte, die zur Selbstentzündung neigen, wenn diese in Berührung mit Textilien oder Zellstoffprodukte gelangen, mit einer deutlicheren Kennzeichnung versehen. Solche Kennzeichnungen sind ohnehin Pflicht, aber unter den vielen auf der Verpackung aufgebrachten Hinweisen gehen diese Warnhinweise manchmal unter. Wenn also der richtige Umgang mit diesen Anstrichstoffen jedermann bekannt wäre, könnte zumindest die Anzahl der falschen Handhabung gesenkt werden.

Dazu kommen weitere, bis vor wenigen Jahren nicht bekannte Selbstentzündungsquellen wie z. B. Li-Ion-Akkus. Diese finden sich nicht nur in Elektroautos, sondern auch in E-Bikes, Mobiltelefonen, Tabletts, Notebooks, E-Scootern und letztendlich auch in Gebäuden in Form von Batterie-Speicherblocks für die Solarenergie. Diese Energiespeicher, egal wie groß oder klein, haben eines gemeinsam: Werden sie beschädigt oder falsch benutzt, aufgeladen oder gelagert, kann es zu einem Brand durch den sogenannten Thermal Runaway (thermisches Durchgehen) kommen. Das Löschen eines in Brand geratenen Akkus ist besonders schwierig, weil dies sehr viel Kühlung erfordert und nur mit einer großen Menge an Löschwasser möglich ist.

Auch Recyclingbetriebe werden Opfer von Selbstentzündungen. Dies liegt darin begründet, dass dort sehr gute Bedingungen für einen solchen Vorgang existieren. Man geht davon aus, dass durch mit Lebensmittelresten verunreinigte und geschredderte Verpackungen Mikroorganismen einen ausgezeichneten Nährboden bieten. Ebenfalls können Reaktionen der gelagerten Materialien mit Sauerstoff einen Selbstentzündungsprozess auslösen. Denn nachgewiesenermaßen kann in den beiden geschilderten Fällen genügend Wärme freigesetzt werden. Dies belegt den hohen prozentualen Anteil von etwa einem Drittel aller erfassten Brände durch Selbstentzündungen bei Recyclingbetrieben.

Eine weitere Gruppe, die man im Fokus haben sollte, sind die Chemikalien. Viele davon reagieren bei der Verbindung mit Wasser oder gar Feuchtigkeit derart heftig, dass es zur Abgabe von Wärme kommt, was wiederum bis zur Selbstentzündung führen kann.

Doch was bedeutet Selbstentzündung eigentlich konkret? Darunter sind alle Ereignisse zu verstehen, bei denen Stoffe und Materialien ohne äußerliche Einwirkung einer Zündenergie durch die Selbsterhitzung die nötige Zündtemperatur erreichen und deshalb anfangen zu brennen. Die Zündtemperatur kann sowohl an der Luft als auch durch einen Wärmestau (Beispiel: Selbstentzündung von Heu) erreicht werden. Aber auch durch Reibung oder heftige Reaktion (Oxidation) mit Sauerstoff können bestimmte Metalle in Brand geraten.

Maßnahmen

  1. Achten Sie darauf, Arbeitsbereiche nach Arbeitsende sauber und aufgeräumt zu hinterlassen, wenn zuvor Arbeiten mit Ölen und Stoffen, die zur Selbstentzündung neigen, durchgeführt wurden. Eine alte Formel O+S=BS besagt, dass Ordnung und Sauberkeit gleich Brandschutz sind.
  2. Um den Brandschutz aufrechtzuerhalten, sind leinölgetränkte Tücher stets in dichtschließenden und nicht brennbaren Behältern außerhalb des Gebäudes zu lagern.
  3. Verfügt man nicht über solche Behälter, sind die öl- oder fettgetränkten Putzlappen so zu lagern, dass die Gefahr der Entwicklung von Stauwärme vermieden wird. D. h. diese Lappen müssen aufgefaltet und eben auf einem nicht brennbaren Boden (auch außerhalb des Gebäudes) ausgebreitet werden.
  4. Besonders wichtig ist die Vermeidung einer entzündbaren Atmosphäre innerhalb des Raumes. Sorgen Sie daher für eine ausreichende Belüftung im Lagerbereich.
  5. Statische elektrische Aufladungen sind ebenfalls zu vermeiden. Achten Sie deshalb insbesondere bei der Wahl der Behälter auf deren Eignung und auf eine sorgfältig ausgeführte Erdung.
  6. Lagern Sie derartig problematische Stoffe so, dass eine Temperatur- und Druckbegrenzung erreicht wird.
  7. Gegebenenfalls sind diese Stoffe in Bereichen mit abgesenkten Temperaturen zu lagern. Oder es findet eine kontinuierliche Temperaturüberwachung mit entsprechender Meldung an eine ständig besetzte Stelle statt.
  8. Auch eine Verbesserung der Wärmeableitung ermöglicht die gefahrmindernde Lagerung solch problematischer Stoffe.
  9. Die Überwachung des Lagerbereiches durch Brandmelder spielt eine sehr große Rolle beim Brandschutz. Dies ist vor allem in Recyclingbetrieben von immenser Bedeutung. Bei geschlossenen überdachten Lagerbereichen haben sich Rauchansaugsysteme sowie linear wirkende Rauchmelder, aber auch Temperaturmelder (Punktmelder, Wärmekabel), besonders bewährt.
  10. Bei der Überwachung und Kontrolle in den Lageraußenbereichen haben sich Wärmebildkameras als eine gute Option erwiesen.
  11. Auch die Inertisierung von Lagerbereichen hat sich als besonders effektiv, wenn auch sehr kostspielig, bewährt. Eine automatisch ausgelöste Löschanlage mit dem Löschmittel Schaum ist ebenfalls als sinnvolle Brandschutzmaßnahme in Betracht zu ziehen.
  12. Achten Sie peinlichst auf die Sauberkeit von sauerstoffführenden Armaturen. Diese sind grundsätzlich frei von Ölen und Fetten zu halten.
  13. Sind größere Lagermengen an zur Selbstentzündung neigenden Materialien erforderlich, so sind die Lagerbedingungen entsprechend der Situation anzupassen.
  14. Last but not least ist die Errichtung "kleinteiliger" Brandabschnitte besonders effizient, da im Brandfalle nicht nur die automatischen Löschanlagen, sondern auch die Feuerwehr beim Löschen ein wesentlich leichteres Spiel haben, den Brand unter Kontrolle zu bringen.

: : : Bruno Hecht : : :


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