Augenzeugenbericht vom Camp Fire (USA)

15.02.2019

Liebe Leserinnen und Leser,

wie Gärtner unfreiwillig zu Brandstiftern werden, können Sie auf der gegenüberliegenden Seite lesen – nicht jedoch, ob Laub fegen auf Waldwegen eine sinnvolle Maßnahme gegen Waldbrände darstellt: Dieser Auffassung war schließlich der mächtigste Mann der Welt im November vergangenen Jahres, als sich in Kalifornien nicht nur einige Promivillen in Rauch auflösten, sondern auch im Norden das Camp Fire als bisher tödlichstes Feuer in Kaliforniens Geschichte wütete. Der Autor und seine Familie waren unmittelbar davon betroffen.

Das verrauchte San Francisco aus der Ferne betrachtet
Bildquelle: lr/TeMedia GmbH

Aufgrund der langen Trockenheit in Kalifornien herrschte ein striktes Feuerverbot in den Naherholungsgebieten. In den Nachrichten wurden Stromabschaltungen aufgrund böiger Winde angekündigt und in manchen Regionen auch vollzogen. Der Hintergrund: Wo es stürmt, herrscht eine latente Astbruchgefahr. Abgebrochene Äste wiederum reißen Freileitungen – typisch für die USA – herunter, was Funkenflug verursachen und somit als brandauslösender Moment zu sehen ist. Hier hat man aus der Vergangenheit gelernt. Ob der Brandschutzschalter hier eine Karbonisierung registriert hätte und vielleicht als Detektionsinstrument von Waldbränden taugt, lesen Sie in dieser Ausgabe. Der Waldbrand, der sogar einen eigenen Eintrag in der deutschen Wikipedia erhielt, machte sich mit seinen immensen Rauchwolken und durch starke Luftverschmutzung noch in einer für unsere Verhältnisse unglaublich großen Entfernung bemerkbar: Selbst hier wurden Kleinkinder, ältere Menschen und solche mit Atemwegsbeschwerden aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen. Dank einer mobilen Luftaufbereitungsanlage konnten wir selbst uns in unserer Wohnung aufhalten. Freunde übernachteten bei uns, da der Aufenthalt in deren Wohnung unerträglich geworden war. Die Luftverschmutzung durch die Brandgase war auch bei gesunden Erwachsenen stark spürbar. Kinder wurden mit dem Auto in die städtische Bibliothek gefahren, um dort spielen zu können. Auf deren Etage mit Kinderbüchern und Spielzeug hielten sich daher ungewöhnlich viele Kinder auf. Alle Anwohner, die auch nur für ganz kurze Zeiträume ins Freie mussten, trugen Atemschutzmasken. Universitäten und Schulen blieben zeitweise geschlossen. Diese Einschränkungen hielten ca. 10 Tage an. Wer sich aus offizieller Quelle über das Camp Fire informieren mag, der besuche die Seite www.fire.ca.gov/index (Kurzlink: https://bit.ly/2QYf1Sr). Dort ist auch interessantes Kartenmaterial hinterlegt, dass die Ausbreitungshistorie des Brandes zeigt.

Betrachtet man die Auswirkungen, muss jedem klar sein, warum hochverfügbare Systeme wie Leitstellen und Rechenzentren, für die eine Geo-Redundanz-Anforderung identifiziert wurde, nicht pauschal nur fünf Kilometer betragen kann. Mehr dazu und speziell auch zu Brandschutzthemen lesen Sie auf den folgenden Seiten. Wie die Empfehlungen des BSI zu interpretieren sind, warum sich ein RZ-Neubau wegen der rundherum angelegten Kleingärten (potenzielle Brandstifter) trotz Rauchmeldern in der Lüftungsanlage als Kompensationsmaßnahme verbietet   und warum Feuerlöscher allein beim Camp Fire vermutlich nicht geholfen hätten, lesen Sie auf den folgenden Seiten. Viel Spaß beim Lesen.

: : : Lutz Rossa : : :


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