Wie Mäxchen sich die Katastrophe vorstellt

15.02.2018

Nennen wir den unbekannten Autor der BBK-Empfehlungen zum Katastrophenschutz Mäxchen. Mäxchen schreibt Leitfäden des Bundesamtes für zivilen Bevölkerungsschutz und Katastrophenvorsorge. Der Sicherheits-Berater wünscht Mäxchen, dass dieser nie selbst einmal in eine Katastrophe gerät. Und das aus gutem Grund.

Nennen wir Paulchen den Bürger, der diese Empfehlungen liest. Er gehört zu einer interessierten intellektuellen Minderheit. Denn kaum einer tut sich diese umfangreiche Lektüre sonst an. Paulchen wohnt traumhaft schön. Direkt am Rhein mit Blick auf das Siebengebirge. Daher hat Paulchen sich als erstes einmal die Empfehlungen zum Hochwasser angeschaut. Bei Redaktionsschluss hatte der Rhein innerhalb von drei Wochen gerade das zweite Hochwasser. Aber beide verliefen glimpflich für das Haus, in dem Paulchen wohnt.

Die Empfehlungen des BBK (www.bbk.bund.de) im "Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen" (Kurzlink: http://bit.ly/2DNQbC5) lauten im Kapitel Hochwasser (ab Seite 54) "Behalten Sie die Ruhe und Besonnenheit!" Ruhe bewahren war auch schon zu Kaiserzeiten immer die erste "Ordre". Das ist eine sehr praktikable Empfehlung, denn nun weiß Paulchen, dass er eigentlich panisch reagieren müsste.

"Dichten Sie Fenster und Türen sowie Abflussöffnungen ab." Paulchen ist Intellektueller und denkt darüber nach, wie er Abflussöffnungen abdichten soll. Aus dem Fernsehen weiß er von Hochwasserkatastrophen, dass die Wasserdrücke von den Abwasserleitungen schwere Gullydeckel hochdrücken. Der Sandsack in seinem Keller hat in der Waschküche also null Chancen. Fenster und Türen abdichten funktioniert in Hochwassergebieten nur mit Zusatztüren und Lukenverschlüssen nach dem Prinzip dicht schließender Schiffsschotts. Ist bei Obi auf die Schnelle nicht lieferbar. Außerdem bewohnt er ein Mietshaus. Er kann also nur hoffen, dass die Rückstauklappe funktioniert. Die haben nämlich eine Ausfallquote von 20 bis 40 Prozent, weil die Hausverwaltungen die nie warten.

Ein anderer Hinweis empfiehlt: "Sichern Sie den Heizöltank gegen den Auftrieb durch das Wasser, indem Sie ihn z. B. an der Wand verankern oder mit Ballast beschweren." Mäxchen scheint kein Ingenieur, sondern Jurist beim BBK zu sein. Denn die Empfehlung (an der Wand verankern) ist unpraktikabel! Für eine Wandbefestigung müsste Paulchen den Tank anbohren oder Flansche anschweißen. Auch Ballast ist problematisch. Fachleute, die wohl nicht beim BBK tätig sind, sondern bei der örtlichen Feuerwehr, haben Paulchen empfohlen, den Tank zur Kellerdecke mit starken Holzbohlen ganz einfach zu verklotzen. Mäxchen sollte sich das mal zeigen lassen und vielleicht ein schönes Foto von einem verklotzten Tank in dem Leitfaden unterbringen.

Eine andere Unterlage des BBK empfiehlt, eine Dokumentenmappe griffbereit zu halten (Kurzlink http://bit.ly/2DMKtAy). Dreizehn Positionen zählt diese Liste auf, die man unbedingt bei einer Evakuierung mitnehmen sollte. Paulchen hat in seinem Büro zu Hause nachgeschaut, was das bedeutet. Er kommt auf drei pralle Aktenordner. In der Tasche für das "Fluchtgepäck" ist schon kaum noch Platz für die Hygienemaßnahmen, das Geld, die Wertsachen (wichtig zum Tauschen auf dem Schwarzmarkt), den Schlafsack und die Kleidung, von Lebensmitteln (Astronautennahrung) ganz abgesehen.

Ja, und dann gibt es noch die Empfehlung zu Notvorräten, die mindestens für 14 Tage reichen sollten. Paulchen bezweifelt nicht den Sinn solcher Notvorräte. Nur, wo soll er sie – allein die Wasservorräte für den Fall des katastrophenbedingten Ausfalls der Trinkwasserversorgung – in seiner Wohnung unterbringen? Das ist ein sehr reales Szenario und stellt Paulchen vor gewaltige Platzprobleme. 

Mäxchen macht sich das dagegen doch alles recht einfach …
RAINER VON ZUR MÜHLEN


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