Waldbrandbekämpfung mit modernsten Drohnen der Johanniter

01.10.2018

Gegenwärtig gibt es wohl keinen besser ausgestatteten Einsatzwagen zur Ereignisaufklärung mit Drohnen als den der Johanniter-Schnell-Einsatz-Gruppe F.L.I.G.H.T. Denn das Konzept der SEG F.L.I.G.H.T. (=Fernerkundung und LuftInformationsGewinnung Hochauflösend und Thermografisch) der Johanniter des Regionalverbandes Südbrandenburg dürfte in Deutschland einzigartig sein. Es beinhaltet nicht nur den Einsatz von Drohnen verschiedenster Verwendungszwecke, sondern auch einen Transporter mit einem ganzen System aus Stromversorgung und Auswerteelektronik:

  • Kleine Drohnen mit 4K-Videoauflösung für Innenflüge (Einsatz anlässlich einer Explosion im Spreewerk)
  • Große Drohne mit Wärmebildkamera und Restlichtkamera (Sicht bei Dunkelheit)
  • Wasserdichte Drohne – diese kann im Wasser starten und landen und Unterwasserbilder in HD-Qualität liefern und ist mit einer  Abwurfvorrichtung  zum  Absetzen von Schwimmhilfen ausgestattet. Sie kann zudem Funkgeräte, GPS Positionssignalgeräte, Notfackeln, Sanitätspakete etc. zur Rettung abwerfen oder sanft landen lassen.

Die verschiedenen eingesetzten Drohnen verfügen über unterschiedliche Leistungsstärken bezüglich Geschwindigkeit, Reichweite und Flugdauer. Derzeit steuert die Schnelleinsatzgruppe F.L.I.G.H.T neben vier Einsatzdrohnen noch zwei kleine Übungsdrohnen für die Einsatzkräfte und eine Vollausstattung zum Einrichten eines sicheren Start- und Landeplatzes mit Befeuerung für die Nacht. Livebildübertragung zur Einsatzleitung per LTE und Speicherkartenabgabe zur Auswertung der hochauflösenden Fotos und Videos sind selbstverständlich geworden.

Die weitreichende Einsatzfähigkeit des Einsatzwagens der Johanniter wurde aufgrund der langjährigen Erfahrung von Katastropheneinsätzen in aller Welt – vom Vulkanausbruch über den Tsunami bis zu verheerenden Erdbeben – entwickelt.

 
Johanniter: Sprinter mit verschiedenen Drohnentypen
Bildveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der SEG F.L.I.G.H.T.

Die Komplettausstattung – alles auf kleinstem Raum in einem Sprinter – umfasst:

  • eine Brennstoffzelle zur Stromerzeugung, damit dauerhaft überall eigener Strom bereitsteht (wichtig für Akkuaufladung und Betrieb aller Geräte)
  • eine komplette Büroausstattung
  • eine Klimaanlage mit Standheizung
  • eine Schlafbank
  • ein LTE Mobilnetz
  • eine Digitalfunkausstattung
  • einen Antennenmast
  • Notebook, Drucker und großen Monitor
  • ein Waschbecken zum Händewaschen
  • eine Powermoonbeleuchtung (in Anschaffung) – das ist eine blendfreie, tageslichtähnlich helle Leuchte, zumeist in Form eines Ballons oder Halbballon


Bei den großen Waldbränden der letzten Wochen in Brandenburg kam es neben zahlreichen anderen Einsätzen zu einer besonders spektakulären Bewährungsprobe: Kein anderer Dienstleister, keine Polizei oder Feuerwehr in Deutschland und auch keine sonstige Dienststelle besitzt nach glaubhafter Aussage der Johanniter auch nur annähernd eine vergleichbare Ausstattung wie die F.L.I.G.H.T.-Gruppe dieses Sanitätsdienstes.

Bei den Waldbränden zahlte es sich aus, dass die Hilfe der Johanniter angefordert worden war. Ihre Drohnen flogen fast permanent und im Mehrschichtbetrieb. Sie suchten mit ihren optischen und ihren Wärmebild-Kameras nach den Brandherden. Sie übertrugen die Bilder von der Rauchentwicklung und konnten auf dieser Basis Einsatzempfehlungen geben, in welche Richtung das Feuer vom auffrischenden Wind getrieben wird. Das Wärmebild gab auch das Ausmaß der Zerstörungen wieder und konnte die Basis zur Einsatzplanung und Massierung der Einsatzkräfte werden.

Voll ausgestattetes Sprinterfahrzeug im Einsatz
Bildveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der SEG F.L.I.G.H.T.
Mitternächtliche Waldbrandbeobachtung und Leitung der
Einsatzkräfte aus dem Transporter im Einsatz

Bildveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der SEG F.L.I.G.H.T.


 
Permanente Lageerkundung aktualisierte alle Informationen der Großschadenslage der Waldbrände Brandenburgs. Die Daten wurden ohne Verzögerung an die Einsatzleitung inklusive des erfassten Bildmaterials weitergeleitet.

Die jungen Fachleute der Johanniter F.L.I.G.H.T.-Gruppe interpretierten die Bilder und gaben Tipps für die Einsätze. Aber auch die Erkundung geeigneter Bereitstellungsräume für die Einsatzkräfte war wichtig, denn so konnte man nicht nur vermeiden, dass Hilfskräfte vom Feuer eingeschlossen werden, sondern auch, dass sie nah am Geschehen sein können und kurze Wege haben.

Die Drohne der Johanniter erkannte dicht nebeneinander
liegende neue Feuer, offensichtlich Brandstiftungsherde
Bildveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der
SEG F.L.I.G.H.T.

Ein ungewöhnliches Ergebnis eines der jüngsten Einsätze war zudem die Festnahme eines mutmaßlichen Brandstifters. Routinemäßig wurde mit einer Drohne ein Brandfeld nachuntersucht. Es war zwar als gelöscht gemeldet worden – in den weichen Böden Brandenburgs ist jedoch immer mit Glutnestern, teilweise mehr als 40 Zentimeter unter der Erdoberfläche, zu rechnen. Das Feld erwies sich tatsächlich als unbedenklich. Als die Drohne jedoch Richtung Stützpunkt abdrehte, übertrug sie völlig unvermutet Bilder von zwei kleinen Entstehungsbränden – und zwar an einer Stelle, wo es bislang nie gebrannt hatte. Als sich die Drohnenpiloten das näher ansahen, beobachteten sie einen Mann, der sich schnell entfernte – wohl der Brandstifter. Die F.L.I.G.H.T.-Mannschaft alarmierte die Polizei und gab die von der Drohne gesendeten Standortkoordinaten des Flüchtenden an die Beamten weiter. So konnte der Mann gefasst werden, wie einer Pressemeldung der Polizei zu entnehmen ist.
 
Vielfalt der Einsatzgebiete
Die ganze Vielfalt der Einsatzgebiete ist erstaunlich und unter Umständen auch für den Werkschutz größerer Unternehmen interessant:

  • Erkundung von Energieversorgungsnetzen bei Störungen und prophylaktisch
  • Erkundung bei Trümmerlage
  • Erkundung der Bereitstellungsräume für Rettungskräfte
  • Sichtung von Schäden an Brücken, Gebäuden, Türmen, Windrädern, Solarfeldern
  • Beobachtung von Großveranstaltungen, vor allem von bewegten und stehenden Menschenmengen und deren Zählung
  • Hochwasserlageerkundung, Deichkontrolle
  • Dokumentation von Großschadenslagen
  • Sogar Erkundungen in Gebäuden – z. B. in Fabrikhallen mit dem Ziel, darin befindliche Menschen und den Evakuierungsbedarf zu erkennen Dokumentation unübersichtlicher Verkehrsunfälle in Hilfeleistung für die Polizei. Erst jüngst war ein LKW-Unfall hinsichtlich seiner Ursache kaum rekonstruierbar. Die Luftaufnahmen der F.L.I.G.H.T. konnten die Ursache durch Darstellung des Geländes und der beteiligten Fahrzeuge gutachtergerecht aufbereiten.
  • Zum Leistungsspektrum der F.L.I.G.H.T.-Gruppe gehören ferner technische Unterstützungen wie z. B. das (An-)Leiten von Einsatzkräften, Bevölkerungswarnung, Beweissicherung, Ausleuchten von  Einsatzstellen, Deich- oder Dammwache, Navigation, Notfackel
  • Für Betriebe kann die Überwachung von Betriebsgeländen – z. B. in der Chemischen Industrie – auch bei Nacht durch Wärmebild-Drohnen großräumig zur Gefahrenabwehr oder Leckage-Kontrolle eingesetzt werden.
  • In der Land- und Forstwirtschaft kann eine unbestechliche Sturm- und Wetterschaden-Bestandsaufnahme geflogen werden.
  • Das Drohnen-Einsatzfahrzeug der Johanniter kann die Drohnen auch mit einem Sonargerät bestücken und so eine Ortung von Gegenständen in oder unter Wasser und auf schwierigem Gelände erreichen.
  • Erfolgreich wurde die Gruppe auch schon zur Suche vermisster Personen im Gelände, Wasser oder Wald mit Wärmebildkamera oder 4K-Videobild eingesetzt. Vor einigen Wochen konnte eine orientierungslos im Wald herumirrende Fußgängerin gerettet werden.

Weitere Einzelheiten über die Johanniter SEG F.L.I.G.H.T. sind auf der Webseite www.johanniter.de zu finden (Menüpunkt "Dienstleistungen"). Ein Infoflyer lässt sich via Kurz- link https://bit.ly/2MYtmjL aufrufen.

Der Autor dieses Beitrages hat sich persönlich vor Ort von der hohen Qualität der eingesetzten Drohnentechnik überzeugt. Auch das ehrenamtliche Engagement der SEG F.L.I.G.H.T mit zurzeit 15 Einsatzkräften ist nicht nur erwähnenswert, sondern absolut unterstützenswert. Um weiterhin einsatzbereit und technisch aktuell sein zu können und neues Material (vor allem Akkus) anschaffen zu können, ist die SEG F.L.I.G.H.T. permanent auf Spenden angewiesen. Der Sicherheits-Berater erlaubt sich daher an dieser Stelle, das Spendenkonto der Johanniter zu veröffentlichen:

Spendenkonto
Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Regionalverband Südbrandenburg
BIC: GENODED1DKD
IBAN: DE96 3506 0190 1084 6510 16
Verwendungszweck: SEG FLIGHT (Drohne)
Spendenbescheinigungen via jens.rohloff@johanniter.de
 
 : : : Rainer von zur Mühlen : : :


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