"Drecks Fxxxx" darf man

15.10.2019

Wenn Sie im Duden das Wort "gehirnamputiert" nachschlagen, liefert dieser Ihnen die Gebrauchsinfo "salopp". Das Wort "Schlampe" beschreibt er als "umgangssprachlich abwertend". Und für "Fotze" findet er die Charakterisierung "vulgär". Das Wort "Drecks Fotze" dagegen übersteigt offenbar sogar das Vorstellungsvermögen der ehrbaren Duden-Redaktion. Weil es jenseits von Gut und Böse ist – mindestens, wenn es im öffentlichen Raum als Schmähung verwendet wird. Das Landgericht Berlin sieht das offenbar etwas anders. Es hält solche Worte und weitere charmante Wortkombinationen à la "Stück Scheiße" für zulässige Meinungsäußerungen. Die Grünen-Politikerin Renate Künast soll damit leben müssen, derart verunglimpft zu werden. Die Begründung für die Entscheidung am Landgericht Berlin verstehe, wer will. Kann man ohne den Gebrauch von Vulgaritäten seine Meinung nicht mehr angemessen äußern?

Nun gut, Richter sind ja studierte Leute, in aller Regel hochgebildet. Da dürfte, vor allem in Berlin, schon der eine oder andere Fan von Charles Bukowski dabeisein, der sich bisweilen gern der Vulgärsprache bediente. Aber sind Richter nicht auch Beamte, die sich Beamtenbeleidigung verbitten? Genügt es noch nicht, wenn Kommunalpolitiker in gleicher Form beleidigt (und im Rahmen des Sittenverfalls sogar erschossen) werden? Eines scheint mir sicher: Eine Verrohung der Sitten und der Verzicht auf den guten Ton haben noch niemals zu mehr Sicherheit im öffentlichen Leben beigetragen, verdammte Kacke!

: : : Bernd Zimmermann : : :


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