Inflation der Cyberagenturen

15.09.2018

Das Bundeskabinett hat dieser Tage die Gründung einer weiteren Institution bekanntgegeben. Diese Forschungsagentur soll "großzügig" ausgestattet werden: Auf fünf Jahre sind 200 Millionen Euro geplant. Wenn man bedenkt, dass Amazon 2016 16 Milliarden Dollar in die Forschung investiert hat, fragt man sich, ob unsere Politiker unter Realitätsverlust leiden.

Zum einen haben wir bereits eine Vielzahl an Institutionen, die sich um das Thema kümmern sollen. Die Bundeswehr hat eine eigene Teilstreitkraft dem Thema Cyberwar gewidmet. Ein halbes Dutzend von Fraunhofergesellschaften forscht auf dem Gebiet. Fast jede Universität hat heute Lehrstühle, die sich dem Thema widmen. Die Landeskriminalämter, z. B. das NRW-LKA, gewinnen zunehmend Erkenntnisse auf dem Gebiet. Und dann haben wir das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik). Das BSI gehört zum Innenministerium und bekommt von Seehofer jetzt im eigenen Hause Konkurrenz. Wenn also das neue Amt Stellen ausschreibt und diese höher einstuft, zieht es gute Leute von anderen Ämtern ab.

Schaut man sich Gehaltsstrukturen in der Wirtschaft an, dann stellt man fest, dass gute Informatiker und Mathematiker oder Physiker zwischen 80.000 und 120.000 Euro brutto bekommen und Lohnnebenkosten anfallen. Das kann der öffentliche Dienst so gar nicht darstellen. Er müsste massenhaft außertarifliche Stellen schaffen, um mit der Wirtschaft mithalten zu können.

Wie weit will Seehofer denn mit 40 Millionen Euro p. a. und 100 Mitarbeitern kommen, wenn er auch noch Forschung finanzieren will?

Man sollte Geld nicht so verbrennen. Man sollte die vorhandenen Einrichtungen stärken und – das erscheint sinnvoll, besser koordinieren. Das wäre vielleicht einmal eine sinnvolle Forschungsausgabe: Wie wird die Cyberforschung effektiver?

: : :  Rainer von zur Mühlen  : : :


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