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Sicherheitsforschung

Hochwasservorsorge und -bewältigung 5.0

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Ausgabe 14-15/2025
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Die Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 in Deutschland hat gravierende Schwächen in bestehenden Vorsorge- und Bewältigungssystemen aufgezeigt, insbesondere an den Schnittstellen zwischen Wasserwirtschaft, Katastrophenschutz und Bevölkerung. Die Dissertation „Hochwasservorsorge und Hochwasserbewältigung 5.0 – Drei ausgewählte Beiträge zur Verbesserung des Hochwasserschutzes“ entwickelt auf Grundlage eines siebenjährigen Forschungsprozesses ein zukunftsorientiertes Konzept. Es kombiniert den Digitalisierungsansatz der Version 4.0 mit einer sozialen Erweiterung zur Version 5.0. Die Bevölkerung wird nicht nur als Zielgruppe, sondern als aktiver Teil des Bevölkerungsschutzes mitgedacht.

Die zentrale Methode der Arbeit beinhaltet die Anwendung des Design Thinking Prozesses als qualitatives Forschungsinstrument zur Entwicklung und Erprobung neuer Lösungsansätze. In einem iterativen Prozess wurden bestehende Strukturen der Hochwasserbewältigung analysiert, Prototypen entwickelt und teilweise in der Praxis erprobt. Ziel ist die Optimierung von Koordination, Kommunikation und Handlungskompetenz, sowohl bei professionellen Akteurinnen und Akteuren als auch in der Bevölkerung.

SIB 14-15/2025

Drei zentrale Themenfelder bilden das Gerüst des entwickelten Konzepts:

  1. Systemische Analyse und operative Optimierung:
    Der erste Bereich befasst sich mit der strukturellen Verbesserung der Hochwasserbewältigung. Durch die Entwicklung eines Prototyps für die „Fachberatung Wasserwirtschaft“ auf Basis der FwDV 100 sowie die visuelle Aufbereitung und Optimierung des AVDASA-Phasenmodells konnte eine Brücke zwischen Fachbehörden und Einsatzorganisationen geschlagen werden. Ein reales Planspiel zwischen Katastrophenschutz und Wasserwirtschaft diente als praktisches Beobachtungsobjekt.
  2. Social Media als Lagebild- und Kommunikationsinstrument:
    Das zweite Themenfeld widmet sich dem Potenzial digitaler Werkzeuge für die Kommunikation und das Lagebild während Einsätzen. Einerseits wurde ein Fachnetzwerk für Social Media-Manager*innen in der Wasserwirtschaft aufgebaut, das den Austausch und die Reichweite bildungsrelevanter Inhalte stärkt. Andererseits wurde Social Media-Monitoring im Rückblick auf das Hochwasserereignis 2021 mit den Tools ScatterBlogs und FloodTags getestet. Die Ergebnisse zeigen: Während ScatterBlogs in Echtzeit wertvolle Hinweise liefert, eignet sich FloodTags mehr für die Analyse im Nachgang eines Ereignisses.
  3. Bevölkerung als Mitgestalterin von Resilienz:
    Im dritten Bereich wurde ein Social Media-Bildungskanal zur Hochwasservorsorge auf TikTok und Instagram aufgebaut. In einer Pilotphase entstanden über 30 Videos, die breite Aufmerksamkeit und Interaktion erzeugten. Die Ergebnisse bestätigen: Mit minimalem Budget lässt sich ein niedrigschwelliges Bildungsangebot realisieren, das insbesondere jüngere Zielgruppen erreicht. Ziel ist es, den Bevölkerungsschutz als lernfähige Struktur zu etablieren und nicht nur im Krisenfall, sondern auch präventiv im Alltag zu verankern.

Übertragbarkeit auf andere Katastrophenlagen:
Obwohl der Schwerpunkt der Arbeit auf Hochwasserereignissen liegt, sind die entwickelten Ansätze auch für andere Katastrophenszenarien relevant, wie beispielsweise bei Stromausfällen, Trinkwassermangel oder großflächigen Naturgefahren. Insbesondere die Kommunikationsbrücken zwischen Generalisten im Katastrophenschutz und Fachberatungen anderer Sektoren lassen sich systematisch übertragen. Die nach dem Hochwasserereignis 2021 erprobten Social-Media-Strategien sowie das Konzept eines einsatzfähigen, skalierbaren Medienteams (inkl. VOST-Modul) sind für vielfältige Lagen anpassbar Die kontinuierliche Einbindung in den Arbeitsalltag, nicht nur durch Übungen, sondern durch routinierte Einsätze, stärkt die Resilienz von Institutionen.

Die Dissertation liefert konkrete, praxisnahe Handlungsempfehlungen für eine zukunftsfähige Hochwasservorsorge und -bewältigung. Sie zeigt auf, wie technische, organisatorische und soziale Komponenten ineinandergreifen können, um nicht nur Strukturen zu stärken, sondern auch Menschen zu befähigen. In Zeiten wachsender Risiken durch Extremwetter ist diese ganzheitliche Perspektive ein entscheidender Schritt zu mehr Sicherheit im Einsatz und im Alltag.

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