In letzter Zeit wird die Diskussion, was man mit der Abwärme von Rechenzentren wirtschaftlich anzufangen sei, wieder aufgegriffen. Das Thema war aus dem Fokus verschwunden, nachdem eine Reihe von Versuchen, die Abwärme wirtschaftlich zu nutzen, teilweise krachend gescheitert waren. Auch das Medium DataCenter-Insider hat sich des Themas wieder angenommen und hält die Konkurrenzfähigkeit in vielen Fällen für gegeben – der Teufel steckt aber bekanntlich im Detail (datacenter-insider.de, Kurzlink tinyurl.com/4pk439kv).
Der Sicherheits-Berater sieht diese Argumentation – z. B. über Vergleiche zum Einsatz von Erdgas – als fragwürdig an. Der Boom erneuerbarer Ener-gien führt zu einem Rückgang des Gasangebots und mindestens zu stark schwankenden Preisen dieser Energiequelle.
Ein weiteres Argument lautet: „Es fehlt an Abnehmern für die Abwärme aus unseren Rechenzentren“. Dazu muss man allerdings sagen, dass nur wenige Datacenter passgenaue Abnehmer in ihrem Umfeld haben. Hinzu kommt eine Tücke, die nur wenigen bewusst ist: Liegen zwischen dem Erzeuger der Abwärme und dem Abnehmer öffentliche Straßen oder fremde Grundstücke, die überquert werden müssen, hat das Projekt gewaltige bürokratische Hürden zu überwinden. Das Monopol für die Trassenwege liegt beispielsweise bei den Stadtwerken. Diese behalten sich Kündigungsrechte vor, falls sie selbst in diesem Bereich irgendwann einmal Verlegungen beabsichtigen. Oder sie verlangen teilweise extreme Abstandszahlungen.
Noch schlimmer ist, wenn die Abwärme an ein Profitcenter verkauft wird. Dieses liegt an der gleichen Straße, jedoch auf der gegenüberliegenden Seite. Das Profitcenter wird in ein Tochterunternehmen umgewandelt. Dieses wird übernommen. Dadurch erhält die bisherige Duldung der Querung der Straße zugunsten des Wärmenetzes eine neue Rechtsdimension. Es gibt keine einheitliche Willensbildung innerhalb des Unternehmens, sondern drei Geschäftsführungen: Erzeuger, Abnehmer und Netzbetreiber. Die Nutzung öffentlichen Grundes beinhaltete in einem konkreten Fall auch Pflichten beim Straßenbau. Wenn die Wärmeleitung aus technischen Gründen verlegt werden muss, trägt der Nutzer die Kosten. Ebenso, wenn der Boden absackt.
Ein weiteres Problem ist, dass es nicht nur überhaupt an Abnehmern der Wärme fehlt, sondern vor allem an verlässlichen. Was, wäre zum Beispiel, wenn der Erwerber des Unternehmens die Wärme nicht mehr abnehmen möchte? Oder wenn er weniger zahlen will?
Einige Mitarbeiter der Redaktion des Sicherheits-Berater, die hauptberuflich Berater bei der VZM GmbH sind, haben schon zahlreiche Varianten geprüft. Nur wenige waren wirklich erfolgreich. Eine davon ist eine Dachbegrünung mit Gewächshäusern. Ein Schwimmbad. Ein Büro in Kiew. Dort wurde die Abwärme direkt durch Staubfilter geleitet und in den Doppelboden von Großraumbüros geblasen. Ob diese Lösung bislang den Krieg überdauert hat, ist nicht bekannt.