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Die „fachlich stärksten“ privaten Sicherheitsunternehmen?

Dennis Ellrich, Geschäftsführer der Atlas Solutions Protection & Training GmbH formulierte so auf LinkedIn: „Wir wollten es wissen. Nicht gefühlt. Nicht nach Google-Ranking. Nicht nach Unternehmensgröße.
Welche privaten Sicherheitsunternehmen gehören im Rhein-Main-Gebiet und in Mittelhessen fachlich tatsächlich zu den stärksten Anbietern? Daraus ist ein ziemlich umfangreiches Projekt geworden. Für unser „Independent Security Market Paper 2026″ wurden 20 Sicherheitsunternehmen betrachtet und anhand eines einheitlichen Bewertungsmodells analysiert…“

Das Dokument (das der Redaktion auch zugeleitet wurde) ist auf Herrn Ellrichs LinkedIn-Profil verfügbar.

Dennis Ellrich, Geschäftsführer der Atlas Solutions Protection & Training GmbH

A) Unsere Reaktion auf die Zusendung:

„Hallo Herr Ellrich,
danke für den Diskussionsanstoß. Ich habe das insofern gerne aufgegriffen, als ich mich mit meinem Kollegen Stephan Leukert über Ihrem „Market Paper“ zusammengesetzt habe. Als Consultant ist er seit über einem Jahrzehnt u.a. exakt mit der Bewertung (und Ausschreibung) von Sicherheitsdienstleistern und -Dienstleistungen befasst.

Gemeinsam haben wir folgende Rückmeldungen bzw. Fragen zum Paper.

1. Es wäre wunderbar, wenn der Leser am Ende der Lektüre einem Bewertungswerkzeug für private Sicherheitsunternehmen näher gekommen wäre – ob nun in der angegebenen Region oder gar überregional. Uns als Lesern ging es allerdings leider nicht so.

2. Wenn Ihr KPI „fachliche Stärke“ ist, dann konnten wir die Kriterien, die diese Einheit „evidenzbasiert“ positiv oder negativ befüllen, nicht erkennen..?

3. Wir finden es natürlich nachvollziehbar, dass Sie das eigene Unternehmen in den Marktvergleich aufgenommen haben, wenn Sie sich schon diese ganze Mühe machen. Ansonsten bleiben die Auswahlkriterien aber rätselhaft. Warum nicht objektive Kriterien benennen? Oder vorhandene Listen Dritter (Lünendonk, Berufsverbände, Statista?) heranziehen? Die gänzlich subjektive Vorauswahl entwertet (für uns) leider das Werk und seine Ergebnisse.

4. Hier hat jemand immerhin Talent für Infotainment, zumindest wenn es um die Bewertung des eigenen Betriebs geht:
„Warum nicht Top 5? In dieser Recherche wurden keine vergleichbar leicht verifizierbaren DIN 77200/ISO-Unternehmenszertifizierungen und weniger institutionell belegte Kundenreferenzen gefunden. Das ist eine Evidenzlücke, kein Beweis fehlender Qualität.“
Vulgo: „Wir haben zwar keine Zertifizierungen, aber das ist kein Beweis fehlender Qualität“.
Gleichzeitig werden Zertifizierungen aber bewertet, sind also (bei anderen) dann doch irgendwie positiv konnotiert.

5. Die Hauptschwäche unseres Erachtens bleibt: Bewertungen und ihre Gewichtungen bleiben intransparent, generell und im Detail:
Eines der von Ihnen betrachteten Unternehmen selbst ist jung, doch die Geschäftsführer haben nach eigener Aussage große Erfahrung (als Meister für Schutz und Sicherheit ist das auch plausibel). Was wurde jetzt hier gewichtet, die Erfahrung der Führungskräfte oder die Unternehmenshistorie?

6. Bleiben wir noch etwas beim Katalog der „Bewertungskriterien“:
Diese umfassen Elemente, die beim besten Willen nur subjektiv zu bewerten sind – es sei denn, man definiert objektivier-, qualifizier- oder quantifizierbare Messgrößen dafür.
Ausdrücklich ausgeschlossen (aus guten Gründen) werden aber quantifizierbare, objektive „Qualitätsbeweise“ wie Suchmaschinenoptimierung oder Social Media Reach.
Bei so viel Subjektivem enden wir aber zwangsläufig wieder bei „Ich finde aber…“

     

  • Professionalität & Auftritt: hier wird sogar ausdrücklich auf den „Eindruck“ verwiesen.
  •  

  • Portfolio & operative Tiefe: „Strukturierte Umsetzung und Infrastruktur von Leistungen“. Wie bewertet man als Externer, wie ein Wettbewerber Leistungen umsetzt? Was soll „Infrastruktur“ in diesem Zusammenhang bedeuten?
  •  

  • Fachlicher Branchenbeitrag: Was wird hier bewertet? Die reine Zahl von Publikationen oder deren Qualität? Wenn letzteres, wie wurde das objektiv bewertet?

Alleine diese drei unserer Meinung nach nicht objektiv messbaren Kriterien machen 35 % der Gesamtwertung aus.

Bei Führungskräften soll außerdem die fachliche Reputation in die Bewertung einfließen.
Wie bewerten Sie Führungskompetenz anhand öffentlich verfügbarer Quellen – nach Citation Index oder Nasenfaktor?

7. Zertifizierungen
Offensichtlich wird die Zahl der Zertifizierungen bei einem als Ausdruck von Leistungsfähigkeit und Qualität interpretiert (andernorts im Paper ist sie aber nur ein „Evidenzproblem“). Von den sieben angeführten Zertifizierungen sind aber nur zwei wirklich relevant für einen Sicherheitsdienst, bei zwei weiteren könnte man sagen „nice 2 have“, aber nicht mehr.

8. Aussagekraft
Am Ende der „Studie“ sind dann doch irgendwie alle ziemlich gleich gut geeignet…

Bei der Kernkompetenz Objekt- und Werkschutz haben 5 von 6 Unternehmen die höchste Bewertung bekommen, der sechste die zweithöchste.
Wie hilfreich soll das also für potenzielle Auftraggeber sein?

9. Fazit
Das Paper endet mit einer Sammlung von Allgemeinplätzen und Empfehlungen, die grundsätzlich gelten und seit Jahren von jedem propagiert werden, der sich mit dem Thema befasst.

B) Herrn Ellrichs Antwort(en):

„… zunächst einmal vielen Dank dafür, dass Sie sich so ausführlich mit dem Paper beschäftigt haben. Genau diese Form der fachlichen Auseinandersetzung war einer der Gründe, warum ich den Report überhaupt veröffentlicht und ausdrücklich zur Diskussion gestellt habe.

Einige Ihrer Punkte kann ich gut nachvollziehen und nehme sie auch für eine mögliche Weiterentwicklung des Papers mit – insbesondere die Frage, wie einzelne Bewertungskriterien noch klarer operationalisiert und nachvollziehbarer voneinander abgegrenzt werden können.

Ich glaube allerdings auch, dass wir an einer Stelle mit unterschiedlichen Erwartungen an das Paper herangegangen sind: Der Security Market Report war von mir ausdrücklich nicht als Vergabe-, Due-Diligence- oder Entscheidungstool für Auftraggeber konzipiert. Ziel war vielmehr eine externe Marktbetrachtung: Was kann ein Kunde, Wettbewerber, Bewerber oder sonstiger Marktteilnehmer über einen Sicherheitsdienstleister tatsächlich öffentlich recherchieren und daraus nachvollziehbar ableiten?

Genau deshalb habe ich bewusst ausschließlich mit Informationen gearbeitet, die grundsätzlich auch jedem anderen externen Betrachter zur Verfügung stehen. Wenn ich einzelne Unternehmen um interne Kennzahlen, vertrauliche Kundenlisten, nichtöffentliche Referenzen oder zusätzliche Unternehmensinformationen gebeten hätte, wäre aus meiner Sicht gerade diese gemeinsame Datenbasis verloren gegangen. Dann hätte Anbieter A möglicherweise umfangreiche Interna geliefert, Anbieter B aufgrund von NDAs gar nichts und Anbieter C wiederum nur ausgewählte Informationen. Die Vergleichbarkeit wäre damit aus meiner Sicht eher schwieriger geworden.

Der Report beantwortet deshalb nicht die Frage „Welches Unternehmen ist objektiv das beste Sicherheitsunternehmen?“ Sondern vielmehr: „Welches Bild ergibt sich über relevante Marktteilnehmer, wenn ausschließlich öffentlich verfügbare und von außen nachvollziehbare Evidenz betrachtet wird?“

Damit sind selbstverständlich Grenzen verbunden. Ein Unternehmen kann operativ wesentlich stärker sein, als es öffentlich sichtbar wird. Umgekehrt kann eine sehr gute Außendarstellung niemals automatisch tatsächliche operative Leistungsfähigkeit beweisen. Genau diese Differenz war für mich ein interessanter Teil der Untersuchung.

Ihre Hinweise zur Transparenz einzelner Bewertungsdimensionen nehme ich dennoch ausdrücklich mit. Begriffe wie „operative Tiefe“, „fachlicher Branchenbeitrag“ oder „Professionalität“ können und sollten in einer zukünftigen Fassung noch stärker über konkrete Unterkriterien definiert werden. Das würde die Nachvollziehbarkeit weiter erhöhen.

Auch bei der Vorauswahl der betrachteten Unternehmen besteht zwangsläufig eine Grenze. Der Markt im Rhein-Main-Gebiet umfasst eine sehr große Zahl von Sicherheitsunternehmen. Der Report untersucht deshalb ein bewusst begrenztes Sample und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ein Unternehmen, das nicht berücksichtigt wurde, ist damit weder negativ bewertet noch als weniger leistungsfähig eingestuft.

Den von Ihnen angesprochenen Gedanken eines tatsächlichen Auswahl- und Bewertungsinstruments für Auftraggeber habe ich übrigens separat verfolgt. Es existiert bereits ein Security Procurement Guide 2026 mit konkreter Bewertungsmatrix und Scorecard für Geschäftsführung, Corporate Security, Einkauf und Facility Management. Dieser ist aktuell allerdings noch nicht öffentlich veröffentlicht. Das ist bewusst ein anderes Format und verfolgt einen anderen Zweck als das Market Paper (…)

Einige Ihrer Anmerkungen treffen Erwartungen, die das Paper bewusst nicht erfüllen sollte. Andere zeigen aus meiner Sicht tatsächlich Punkte auf, an denen eine nächste Version methodisch präziser werden kann. Beides ist für mich wertvoll.“

PS: Zu den einschlägigen Service-Angeboten der VON ZUR MÜHLEN’SCHE (VZM) GmbH kann man sich bei Interesse hier, zu den diesbzüglichen Weiterbildungsmöglichkeiten bei der SIMEDIA Akademie kann man sich hier informieren.

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