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Was haben der Louvre und die Sparkasse Gelsenkirchen gemeinsam?

Nach dem Entsetzen über den spontanen und ungewöhnlichen Raubüberfall auf den Louvre in Paris haben sich die Wogen gerade wieder geglättet, da erreicht uns zum Jahresende die Nachricht vom tollkühnen Angriffs auf die Kundenschließfächer der Sparkasse Gelsenkirchen. Auch hier haben sich die Täter schlicht nicht an die Szenarien gehalten, die ihnen von den Sicherheitsverantwortlichen angeboten wurden: Eine Fassadenhärtung in zehn Meter Höhe halten viele Sicherheitsverantwortliche für unnötig, da der sogenannte Handbereich auf einer Höhe oberhalb des Erdbodens in der Größenordnung von 2,50 bis 3 Meter beschränkt bleibt. Ein Angriff mit einem Hubfahrzeug, das diese Limitierung locker aushebelt, war im Sicherheitskonzept nicht vorgesehen.

Sparkassengebäude

Bildquelle: Hans @ pixabay

In Gelsenkirchen erfolgte der Angriff auf die Kundenschließfächer nicht direkt über die Räume der Sparkasse, sondern mit guter Ortskenntnis unter Ausnutzung der baulichen Situation im benachbarten Parkhaus. Nebenbei wurde wie in Paris der Zeitpunkt gut gewählt. Der “Louvre Heist” geschah an einem Wochenende, an dem die zur Flucht genutzte Straße kaum befahren ist. In Gelsenkirchen wurde für die Tat ein verlängertes Wochenende ausgewählt, an dem man trefflich Bohren kann, ohne dass allzu viele Personen aufmerksam werden.

Dem Vernehmen nach war der Raum mit den Schließfächern durch Gefahrenmeldetechnik überwacht und sogar zusätzlich mit Kameras bestückt. Hier stellt sich nun die Frage, wohin denn die Meldungen der Einbruchmeldetechnik und die Bilder der Videoüberwachung übermittelt wurden? Wurden sie vielleicht aus Kostengründen nur gespeichert? Oder war die Verbindung zur Leitstelle geklappt worden – ohne dass dies bemerkt wurde? Nicht nur bei der Brandmeldetechnik überwacht man nicht ausschließlich den zu sichernden Raum, sondern bereits frühzeitig das Umfeld und dies in sechs Richtungen, soweit diese von außen erreichbar sind. Die im Internet gezeigten Bilder verdeutlichen, dass der Angriff nach Durchbohren einer Betonmauer und Einschlagen einer gemauerten Wand über einen Archivraum erfolgten. In vielen Kreditinstituten sind Archivräume inzwischen sicherheitstechnisch ausgemustert, weil wertvolle Unterlagen nur noch elektronisch gespeichert werden. Dies mag ein Grund dafür sein, dass hier nicht bereits nach Einschlagen der Mauerwerkswand ein Alarm ausgelöst wurde.

Vor dem abendlichen Louvre in Paris

Bildquelle: Pexels/Pixabay

In beiden Fällen, in Paris und Gelsenkirchen, war das Umfeld nicht mit einer intelligenten Kameraüberwachung ausgestattet, bei der die Sensorik außergewöhnliche Bewegungen auswertet und von typischen Bewegungen separiert. Bei Einsatz solcher (heute üblichen) Sensorik kann die Videoüberwachung auch permanent eingeschaltet bleiben. Ohne die Anzahl der in Gelsenkirchen eingesetzten Kameras zu kennen, lässt sich festhalten, dass es zu wenige waren. Ein Controller könnte von einer Fehlinvestition sprechen. Der Sicherheits-Berater geht davon aus, dass die Sparkasse Gelsenkirchen keine Pläne im Internet veröffentlicht hatte, in der die Lage des Tresorraums und seiner Nachbarschaft im Parkhaus auf einen Blick erkennbar waren. Hier ist Paris als Negativbeispiel mit veröffentlichten Positionen der Außenkameras im Internet dann doch noch eine Nummer schlechter. Inwieweit aber die Flucht und Rettungspläne des Parkhauses die bauliche Situation mit angrenzenden Bankgebäude wiedergeben, sollte einmal untersucht werden. Ohnedies werden auf Flucht- und Rettungsplänen oft zu viele Details mit Sicherheitsbezug wiedergegeben.

In beiden Fällen wurde das Zwiebelschalenprinzip ignoriert und damit den Tätern Zeit geschenkt. Der Redaktion ist schleierhaft, wie eine Tresorwand, die standardmäßig mit Körperschallsensoren ausgestattet wird, die mindestens außerhalb der Kassenstunden auch aktiv, sprich scharfgeschaltet sind, durchbohrt werden kann, ohne dass dies bemerkt wird. Fehlende oder defekte Sicherheitstechnik bieten Scheinsicherheit und hinterlassen eine zurecht frustrierte Kundschaft und einen pikierten Versicherer.

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