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Unsicherheiten beim Elfmeterschießen.

Strafstoß

Picture of Bernd Zimmermann

Bernd Zimmermann

25.6.2024 (bz) – Peter Handke schrieb einst eine Erzählung namens „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“. Rein statistisch gesehen war die Angst berechtigt – die Abwehr gelingt nur in 25 Prozent der Fälle. Aber es gibt Tipps zur Risikominimierung.

Der Schütze gewinnt fast immer. Eigentlich.

Peter Handkes Erzählung aus dem Jahr 1972, „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, wollen wir an dieser Stelle nicht überstrapaziert zitieren – tatsächlich steht darin gar nichts Ausführliches drin zur Angst des Keepers. Und sie ist eben wirklich nur Fiktion. Dazu sei der Redaktionskollege und Ex-Torwart Marc Reuter zitiert: “Ich hatte nie Angst vor einem Elfmeter, da alle damit rechnen, dass der Strafstoß rein geht. Wenn ich den Ball halte, sind alle sehr froh. Deshalb kann der Torwart eigentlich nur gewinnen und der Schütze nur verlieren.” Aber die Erkenntnis, dass diese Angst aus statistischen Gründen berechtigt ist, lässt sich durchaus begründen:

Die Wahrscheinlichkeit des Torwarts, mit der er einen Elfer halten kann, liegt nur zwischen 20 und 25 Prozent (je nach Quelle). Der Deutsche Fußball-Bund nennt 25 Prozent auf Basis einer Doktorarbeit.

Die Gründe lassen sich vielfältig begründen, z. B. mit der Körper- oder Torgröße. Die plausibelste Erklärung argumentiert mit purer Physik, also mit Ballgeschwindigkeiten, Distanzen und Reaktionszeiten: Selbst die besten Torwarte mit der schnellsten Reaktionszeit können praktisch unmöglich den Weg zum Ball zurücklegen, wenn dieser ins rechte oder linke obere Eck platziert wird. Um dorthin zu gelangen, muss der regelgerecht mittig stehende Keeper den größtmöglichen Weg zurücklegen. Andererseits ist der Ball auf dem Weg dorthin einfach zu schnell. Die Reaktionszeit des Torwarts ist also zu lang – ebenso wie der zurückzulegende Weg des Torwarts zum Ball. Wer sich für die Berechnungen im Detail interessiert, dem sei das Buch des Physikprofessors Metin Tolan, „Manchmal gewinnt der Bessere – Die Physik des Fußballspiels“, empfohlen. Dieser Professor tritt übrigens auch als Kabarettist („Experminentalphysiker“, kein Tippfehler!) auf und begründet dabei auf sehr unterhaltsame Weise seine Thesen, z. B. dass Fußball der ungerechteste Sport der Welt ist. Er hat sogar während eines Bühnenauftritts im Jahr 2017 die Wahrscheinlichkeit, dass Bayer Leverkusen einmal Deutscher Meister wird, auf wissenschaftlicher Berechnung basierend ausdrücklich offengehalten (Minute 16:00, unbedingt hörenswert!).

Zurück zum Strafstoßthema: Ein Schütze, der treffsicher ins linke oder rechte obere Eck des Tores schießen kann, ist daher praktisch unbezwingbar, wenn es dem Torwart nicht gelingt, die vom Schützen gewählte Ecke zu antizipieren (vorwegzunehmen). Antizipation, also die Prognose, wohin der Schütze zielen wird, ist somit die einzige Chance des Torwarts (übrigens auch in anderen Sportarten eine wichtige Strategie, z. B. beim rasend schnell gespielten Badminton). Bevor der Fuß des Schützen auf den Ball trifft, muss der Torwart seine Entscheidung, wohin er springen will, bereits gefasst haben.

Laut www.goalguard.de gibt es für den „eigentlich chancenlosen“ Torwart zwei Möglichkeiten, die anvisierte Torecke des Schützen vorauszuahnen:

• Auf die Stellung des Standbeines des Schützen achten.
• Auf die Stellung der Hüfte eines Schützen achten.

Dass Torwarte die Chance auf Antizipation – wenn auch nicht immer erfolgreich – tatsächlich nutzen, kann man regelmäßig beobachten. Immer wieder ist zu sehen, dass ein Schütze z. B. in die linke Torhälfte schießt und der Torwart genau in die gegenüberliegende springt. Noch skurriler wirkt es bisweilen, wenn der Schütze genau auf den mittig stehenden Torwart zielt, letzterer aber dann wegspringt, als wolle er dem Ball ausweichen.

Abgesehen von der Antizipation durch Beobachten von Standbein oder Hüfte gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Versuche, das Verhalten des Schützen vorauszusagen. So ist natürlich eine Vorhersage auf Basis statistischer Erkenntnisse möglich und beliebt, sinngemäß: „Dieser Schütze schoss in der Vergangenheit zu 70 Prozent ins untere rechte Eck“. Bisweilen erhalten Schützen auch Zettel mit Hinweisen ihres Trainers, wohin der Ball wohl wahrscheinlich gehen wird. www.goalguard.de nennt darüber hinaus noch eine interessante Alternative zur Methode Antizipation, nämlich:

• Die Schussrichtung des Schützen beeinflussen.

Gemeint ist hiermit die Strategie des Torwarts, sich ein paar Zentimeter versetzt von der optischen Mitte im Tor zu platzieren. Psychologen aus Hongkong wollen laut goalguard.de herausgefunden haben, dass sich die Entscheidungsfindung des Schützen damit geringfügig beeinflussen lässt. Zu solchen und anderen Beeinflussungsmethoden (z. B. Herumzappeln des Torwarts, dem Gegner tief in die Augen blicken usw.) wird es sicher früher oder später noch ganze Doktorarbeiten geben. Man darf gespannt bleiben, wie sich die Kunst des Elferschießens (übrigens erst im Jahre 1976 weltweit eingeführt) weiterentwickeln wird.

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