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Editorial

Übers KRITIS-DG hinaus

Ausgabe 9/2026
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Ausgabe 9/2026
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Liebe Leserinnen und Leser,

„Die Stromversorgung in Deutschland gehört zu den sichersten und stabilsten weltweit“, beruhigt uns die Bundesregierung. „Großflächige und langanhaltende Stromausfälle hat es in der Vergangenheit in Deutschland nur äußerst selten gegeben. Sie bleiben auch weiterhin sehr unwahrscheinlich. Etwas häufiger, aber immer noch sehr selten, kommt es zu kurzen und lokal begrenzten Stromausfällen.“ Das Versicherungsunternehmen „iSelect“ sieht die BRD hingegen „beim Blackout-Risiko unter den zehn gefährdetsten Ländern“ (von 33 bewerteten). Das Thema kann man wohl so oder so kommentieren.

Apropos – im Juni hat die Berliner Expertenkommission ihren Bericht zum Anschlag auf die Berliner Stromversorgung vorgelegt (berlin.de, Kurzlink tinyurl.com/5fvttyyk). Die Kommission hat Forderungen aufgestellt, die über abstrakte Formulierungen, beispielsweise im KRITIS-Dachgesetz, hinausgehen: „Das Stromnetz ist die Achillesverse der kritischen Infrastruktur. Ein Stromausfall führt sehr schnell zu Einschränkungen bei Wärme, Wasser, Gas, Mobilfunk und Festnetz.“ Eine weitere Erkenntnis bezieht sich auf die Nutzung von Photovoltaik (PV): „Daneben blieben technische Reserven in der Selbstversorgung ungenutzt. Rund 95 Prozent der Berliner Photovoltaikanlagen lieferten trotz Dachanlage keinen Strom, weil ihnen die Inselbetriebsfähigkeit fehlt, ein bis dahin kaum bekanntes Versorgungsdefizit.”

In diesem Zusammenhang wird auch die Ladeinfrastruktur beleuchtet: „Elektrofahrzeuge sollten über eine eigene, netzstromunabhängige Solarversorgung verfügen.”

Der Ausfall weiter Teile der Kommunikationsplattformen hat sich beim Berliner Vorfall als kritisch erwiesen. Dazu heißt es in dem Bericht: „Kommunikation ist das Nervensystem jeder Krisenreaktion – die Voraussetzung für Koordination, Priorisierung und schnelles Handeln. Beim Stromausfall im Januar war genau das eine erkennbare Schwachstelle.”

Daraus leitet die Kommission folgende Forderung ab: „Die Unternehmen … nehmen das Blackout-Szenario eines 72-stündigen bis zehntägigen Ausfalls von Mobilfunk und Festnetz als verbindlichen Planungsfall in ihre BCM-Pläne auf. Kommunikation entscheidet darüber, ob in einer Krise alles zusammenwirkt.”

Auch die Personalverfügbarkeit wird im Bericht angesprochen: „Ob im Krisen- oder Katastrophenfall qualifiziertes Personal verfügbar, erreichbar und einsatzfähig ist, entscheidet über jede Bewältigung.” Eine weitere zentrale Erkenntnis: „Kritische Engpässe bestanden bei Netzersatzanlagen und Treibstoff. Großaggregate wurden herbeigeschafft, jedoch fehlte Treibstofflogistik und Zusatzmaterial.”

Zudem gibt es konkrete Forderungen an Energieversorger und Verkehrsunternehmen: „Alle KRITIS-Betreiber sollen sich auf eine verbindliche 72-Stunden-Autarkiepflicht für den Notbetrieb des Unternehmens verpflichten. Mittelfristig wird eine Autarkiepflicht für den Notbetrieb von zehn Tagen angestrebt.”

Zunächst haben die Empfehlungen keine Verbindlichkeit, noch nicht einmal für Berlin. Es wird aber ganz sicher Diskussionen geben und erfahrungsgemäß leiten sich daraus zu einem späteren Zeitpunkt Anforderungen ab.

Schwerpunkte:

Ausgabe 9/2026

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