Liebe Leserinnen und Leser,
es ist schon eine absurde Situation: Während sich die Brandschutz-Branche auf diversen Messen ein Stelldichein gibt und lauthals noch nie dagewesene cloudbasierte und KI-gestützte Produkte und Lösungen vorstellt, brennt im Norden der Republik ein Krankenhaus lichterloh, wobei zwei Menschen sterben.
Wer die Nachrichten verfolgt, weiß, dass das Haus in Ludwigslust keinesfalls das erste und einzige Krankenhaus ist, dem dieses Unglück widerfahren ist. Die Muster ähneln sich: die Brände brechen überwiegend nachts in Patientenzimmern aus. Oft stellt sich heraus, dass Zigaretten die Ursachen waren. Häufig sind die mutmaßlichen Verursacher auch die am meisten Betroffenen: sie erleiden schwere Verbrennungen und Verletzungen, haben Rauchgasvergiftungen und sterben mitunter.
Doch es greift zu kurz, wenn man diese Menschen an den Pranger stellt. Sie sind geschwächt, befinden sich in Ausnahmesituationen, mitunter entsteht vielleicht auch durch die Medikation ein irrationales Handeln. Mit anderen Worten haben sie unter Umständen sogar ein gewisses Recht darauf, sich nicht regelkonform zu verhalten.
Gleichwohl ist die Antwort auf diese Problematik bislang offensichtlich schlicht unzureichend. Es stellt sich auch die gesellschaftliche Frage, wer wie wirkungsvoll Anreize bezüglich des Brandschutzes setzt. Natürlich lebt die Herstellerbranche von Innovationen und von Produktentwicklungen und finanziert solche Aktivitäten natürlich auch selbst. Betriebswirtschaftlich ist es nun einmal Zweck und Ziel eines Unternehmens, Gewinn zu erzielen, und nicht, Menschen vor Bränden und anderen schädigenden Ereignissen zu retten.
Insofern können die Unternehmensinteressen von den Interessen der jeweiligen Gesellschaft abweichen. Eigentlich ist es Aufgabe derer, die die Rahmenbedingungen schaffen, die möglicherweise unterschiedlichen Interessen der einzelnen Player bestmöglich in Einklang zu bringen.
Im Bereich des Brandschutzes sind Innovationen eine feine Sache. So treten auch Patientenschützer auf den Plan und fordern mit viel Inbrunst Lösungen, die weder angemessen noch verhältnismäßig sind. Sie fordern beispielsweise, dass Krankenhäuser komplett mit Löschsystemen ausgestattet werden. So wird das aber nichts, vor allem nicht zügig.
Es wäre viel realistischer und auch pragmatischer, auf Detektion und Alarmierung zu setzen. Denn Stationen in Krankenhäusern sind per Definition 24 Stunden sieben Tage die Woche besetzt. Normale optische Rauchmelder können Schwelbrände sehr frühzeitig erkennen. In Kombination mit einem beherzten Eingreifen des brandschutztechnisch geschulten Stationspersonals hätte diese Herangehensweise – quasi in Echtzeit – das Potenzial, solche tragischen Ereignisse auf ein Minimum zu reduzieren.