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Editorial

Schicksal oder Schuld?

Ausgabe 16/2021
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Ausgabe 16/2021
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Liebe Leserinnen und Leser,

in den ersten Tagen nach der Flutkatastrophe machte man sich noch unbeliebt, wenn man als Journalist die Schuldfrage thematisierte. Sie wird mittlerweile immer nachdrücklicher gestellt.

Die vorherrschende Meinung, auch unter hartgesottenen Sicherheitsprofis, lautete, es habe sich eben um ein nicht vorhersehbares Naturereignis gehandelt und man solle doch jetzt bitte nicht schon Schuldzuweisungen aussprechen. Der Drop, dass die katastrophale Flut nicht vorhersehbar gewesen sei, ist mittlerweile gelutscht. Die Fakten, die die Vorhersehbarkeit rückwirkend bestätigen, liegen auf dem Tisch.

Das war nicht Schicksal, sondern Ergebnis von Ignoranz und Verdrängung, wie sie die Menschheit, seit es sie gibt, mich eingeschlossen, zeigt. 1980 kaufte ich mir ein ziemlich dickes Buch mit dem Titel „Global 2000“ (übrigens auf www.geraldbarney.com/G2000Page.html immer noch in Gänze und kostenlos erhältlich), in dem der drohende Klimawandel und dessen Ursachen bereits ziemlich drastisch und termingetreu beschrieben wurden. Seither fuhr ich Hunderttausende von Kilometern mit einem Verbrennungsmotor in der Weltgeschichte herum.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, auf das immer einmal wieder gern eingedroschen wird, hat seit Dezember 2015 ein 400-seitiges Handbuch verschenkt (www.flussgebiete.nrw.de, Kurzlink https://bit.ly/378c3Er ): „Die unterschätzten Risiken `Starkregen` und `Sturzfluten` Ein Handbuch für Bürger und Kommunen“. Verständlich, dass man bei solchen Schinken gern einmal die Vorworte überblättert. Da steht z. B. geschrieben: „Selbst kleine, bislang idyllisch erlebte Bäche werden urplötzlich zu rei-ßenden Strömen, die Mensch, Tier, Landschaft und Bauten bedrohen.“ Das Handbuch war adressiert an „Bürger, kommunale Verantwortliche, Behörden, Katastrophenhelfer, Feuerwehren, Technisches Hilfswerk, Bauplaner und Journalisten.“ Das scheint wieder niemand gelesen zu haben, was tragisch ist. Denn die Warnungen finden sich unmissverständlich bereits auf der Ebene der Kapitelüberschriften. Kapitel 1.2.: „So schlimm wird’s schon nicht werden? – Doch!“ Kapitel 1.3.: „Alles nur Panikmache? Nein: Sturzfluten sind unberechenbar!“ Mittlerweile gibt es eine sprichwörtliche Flut an Bild- und Videoaufnahmen, die den Wahrheitsgehalt dieser Über-schriften drastisch dokumentieren. Das Titelfoto (provisorischer Autofriedhof mit Flutautowracks in Bad Neuenahr) bildet nur einen ganz kleinen, fast schon symbolhaften Ausschnitt davon ab.

Zurück zur Schuldfrage: Die wird uns, damit rechne ich, noch eine ganze Weile begleiten. Oder kennt wer eine Schadensursache, bei der mehr als 180 Menschen ums Leben kamen, für die anschließend nicht Verantwortliche gesucht wurden? Ich würde mich wundern, wenn nicht der eine oder andere Geschädigte, der sein Hab und Gut verloren hat, gegen wen auch immer auf Regress klagt. Sicherheitsverantwortliche sollten sich stets ins Bewusstsein rufen, wie schnell auch sie einmal am Pranger stehen können, wenn sie Sicherheitsmaßnahmen gegen besseres Wissen nicht auch gegen Widerstände durchsetzen. Dann gilt übrigens auch: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“

Schwerpunkte:

Ausgabe 16/2021

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