In den letzten Tagen und Wochen hat sich der Ton der Lageeinschätzungen von Verfassungsschutz (BfV), Militärischem Abschirmdienst (MAD), Bundes-Nachrichtendienst (BND) und der für den Wirtschaftsschutz zuständigen Bundes- und Landesbehörden spürbar verschärft. Reiseaktivitäten von Angehörigen der russischen Botschaft mit vermutlich nachrichtendienstlichem Hintergrund haben zugenommen. Die Reisetätigkeit wird offensichtlich ergänzt durch sog. Low-Level-Agents“. Zu diesem Personenkreis und dessen Umfeld hat das BKA zuletzt mit Schreiben vom 19.12.2024 an die Wirtschaft („Sensibilisierungsschreiben im Kontext potenzieller russischer Ausspähung und Sabotage“) auf aktuelle Probleme hingewiesen.
„Low-Level-Agents“ (LLAs) sind eine Art Hobbyagenten. Sie sind nicht selten Kinder von Russlanddeutschen, die das Angebot Helmut Kohls genutzt haben, mit der Zuwanderung nach Deutschland auch die deutsche Staatbürgerschaft zu bekommen und die Segnungen unseres Rentensystems zu genießen. Bezahlt hat das nicht der Staat, sondern die Rentenkasse.
Die oft sehr jungen LLAs übernehmen Observationsaufträge. Sie beobachten Bundeswehrbewegungen. Sie werden aber auch angeleitet, wie man mit preiswerten chinesischen Spielzeugdrohnen umgeht und Videoaufnahmen macht, wie man die Drohnen unverdächtig mit einfacher Technik aufrüstet und von der Drohne empfangenes Bildmaterial sichert und weiterleitet. Drohnenlokalisierungen über KRITIS und Rüstungsunternehmen, militärischen Übungsgebieten, Versuchsanlagen etc. haben bedenklich zugenommen.
Der Vorteil für die russische Politik ist, dass man immer unter der Schwelle staatlicher Aggression bleibt und Lawrow die Unschuld spielen kann. In letzter Zeit deuten Erkenntnisse unserer Abwehrdienste darauf hin, dass die LLAs auch in Sabotageakte eingebunden werden. Jedenfalls geht man davon aus, dass Sabotagehandlungen an deutschen Kriegsschiffen bei Werftaufenthalten und Sabotagen an Bahnstrecken, über die Waffenlieferungen an die Ukraine abgewickelt werden, nicht auf Profiagenten hinweisen, sondern auf engagierte Dilettanten.
Sorge muss uns auch machen, dass erkannte Ausspähungen bei KRITIS-Institutionen offensichtlich auf langfristigen Erkenntnisgewinn ausgerichtet sind. Das gewonnene Wissen kann dann bei Lageverschärfung oder gar bewaffneter Auseinandersetzung genutzt werden, um komplexe Schadensmaßnahmen zu realisieren.
Maßnahmen
- Es wird leider, wie bei uns üblich, nicht an der Wurzel kuriert, sondern an Symptomen. So wird in den Werften der Zutritt verschärft geregelt. Was bringt das?
- Es wird nicht einmal an eine umfassende Kameraüberwachung gedacht. Datenschutz…
- Warum kommt die Deutsche Botschaft in Moskau mit 16 Mitarbeitern aus, und warum braucht die russische Botschaft (geschätzt) z.Zt. 600 Mitarbeiter.
- Warum wurden – anders als von Frau Baerbock angekündigt – nicht wenigstens die Diplomaten des Landes verwiesen, die unter dem dringenden Verdacht der Nachrichtendienstlichen Tätigkeit stehen und sich versehentlich sogar selbst geoutet haben? Vor etwa anderthalb Jahren wurden Deutsche aus Russland ausgewiesen. Frau Baerbock sagte in einem Interview, dass sie nicht die gleiche Zahl russischer Diplomaten ausweisen werde, sondern wesentlich mehr. Für unsere Dienste völlig überraschend setzte ein Run auf Tierarztpraxen ein. Über 200 russische Diplomaten sorgten sich, enttarnt zu sein und ausgewiesen zu werden. Sie alle waren Hundebesitzer. Russland hat rigide Impfvorschriften für die Einreise mit Tieren. Was lernen wir daraus? Wir können einen wesentlichen Teil des Spionage- und Sabotagesumpfs mit einer Aktion trockenlegen. Denn nicht alle Nachrichtendienstler haben Hunde. Also sollten einige Diplomaten mehr einer solchen Reinigung zum Opfer fallen.