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Editorial

1:0 für den Wahnsinn

Ausgabe 14-15/2021
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Ausgabe 14-15/2021
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Liebe Leserinnen und Leser,

Verantwortungslosigkeit, Geldgier, Erpressermethoden: Die Entscheidung der UEFA, EM-Fußballspiele in vollen Stadien durchzuboxen, wurde in der Presse entsprechend gewürdigt. Bleibt zu ergänzen: Die Coronaschutzmaßnahmen der UEFA waren von vornherein Augenwischerei.

3.220 Plexiglasmodule will die UEFA aufgestellt haben, ebenso 7.800 Handdesinfektionsgeräte und 134.700 Bodenaufkleber. Sie hätte alle für die Fußballspiele akkreditierten Mitarbeiter aufgefordert, eine obligatorische Einweisung wahrzunehmen. Sie hätte überall Veranstaltungsleitfäden mit Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen platziert. Ticketbesitzer habe sie mehrmals per E-Mails über Sicherheitsmaßnahmen informiert. Und so weiter und so weiter blabla (EURO COVID mitigation measures: Key facts and figures, Kurz-link https://bit.ly/3kcGJfr ).

Klar ist: Die zahlreichen UEFA-Maßnahmen können nur wirken unter der Voraussetzung, dass sich Fans nicht um den Hals fallen und sich dabei infizieren. Deshalb wäre die einzige sinnvolle Vorsichtsmaßnahme die Absage der physischen Teilnahmemöglichkeit im Stadion gewesen. Denn eines war immerhin kurz vor dem Endspiel im Wembleystadion amtlich: Die europäische Gesundheitsbehörde hatte in ihrem „Communicable Disease Threats Report“ spätestens am 10. Juli 2.535 Fälle als Folge von Massenveranstaltungen der Fußball-EM angegeben – darunter 18 auch in Deutschland. Sie ließ keinen Zweifel an einem Zusammenhang von Covid-19-Infektionen und UEFA EURO 2020. Beispiel Finnland: „more than 40% of the positive SARS-CoV-2 infections detected were directly related to the UEFA EURO 2020“ (www.ecdc.europa.eu, Kurzlink https://bit.ly/3ecKuO8). Wenig später war klar, dass sich bei einem Open-Air-Festival in Utrecht sogar 1.000 geimpfte, genesene oder negativ getestete Besucher infiziert haben.

Währenddessen wollte UEFA-Präsident Ceferin keinen Zusammenhang zwischen EM und Corona sehen. Das ist vorsätzlicher Wahnsinn, der aus der Geldgier geboren sein mag. Man kann ihn aber auch mindestens als einen Verstoß gegen den sogenannten Gleichwertigkeitsgrundsatz der Sicherheitsplanung sehen. Der besagt, dass man kein schwächstes Glied in der (Sicherheits-)Kette zulässt, dass man also z. B. nicht die Eingangstür mit Panzerglas ausstattet, während der Fluchtweg nur von einer einfachen T30-Tür gesichert wird. Oder eben, dass man das Zustandekommen von intimer Nähe zwischen den Fans nicht zulässt – alles andere wäre weltfremd und bar jeder Erfahrung.

Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere: Alle, die das zynische Spiel der UEFA mitgetragen oder geduldet haben, tragen eine Mitschuld: die Politiker, die Sportler, die Schiedsrichter, Trainer, Techniker, Sicherheitsdienstleister, Sicherheitsverantwortlichen, Kameramänner, Reporter, Fans, Werbungtreibenden, Vermarkter, Lizenzhalter, Werbeagenturen … und nicht zuletzt: wir, die Fernsehzuschauer.

Wer Sicherheit wirklich will, muss sie auch durchsetzen. Nächste Gelegenheit im Bereich Fußball – ob mit oder ohne Corona: die Fußball-WM 2022 in Katar.

Schwerpunkte:

Ausgabe 14-15/2021

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