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Editorial

Boomt das Sicherheitsgewerbe wirklich?

Ausgabe 8/2019
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Ausgabe 8/2019
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Liebe Leserinnen und Leser,
„Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!“. Woher auch immer diese Weisheit kommt (Winston Churchill hat es jedenfalls nicht gesagt), sie empfiehlt uns, Aussagen und Statistiken kritisch zu hinterfragen.

Der BDSW (Bundesverband der Sicherheitswirtschaft) hat am 21. März eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der er stolz darauf hinweist, dass sich der Umsatz der Branche in den letzten 10 Jahren verdoppelt habe. Verantwortlich dafür seien der Schutz von Flüchtlingseinrichtungen, Veranstaltungen, der Einzelhandel, der ÖPV sowie die Flughafensicherheit.

Es wird hier also implizit ein organisches Wachstum durch neue Aufträge als Grund angeführt. Aber ist dem so? Ist die Nachfrage nach Sicherheitsdienstleistungen tatsächlich so stark gestiegen?

Ziehen wir andere Zahlen des BDSW zurate, relativiert sich dieses Bild. Zum einen fehlt zu der behaupteten Verdoppelung laut eigener Statistik des BDSW noch eine gute Milliarde (2009: 4,77 Mrd. Euro zu geschätzten 8,76 Mrd. Euro für 2018). Dann wäre bei einem organischen Wachstum zu erwarten, dass sich auch die Mitarbeiterzahlen entsprechend entwickelt hätten. Seit 2013 ist die Zahl der Beschäftigten jedenfalls nur um ca. 25 Prozent, der Umsatz aber um 53 Prozent gewachsen.

Zwei Umsatzsprünge stechen hervor, nämlich 15 Prozent für 2015 und ca. 27 Prozent für 2016. Ersterer ergab sich aus der Einführung des Mindestlohns, zweiterer aus der vom BDSW genannten Bewachung von Flüchtlingseinrichtungen. Seitdem stagnieren die Zahlen bei knapp unter 9 Mrd. Euro. 2017 musste sogar ein Umsatzrückgang verbucht werden.

Der BDSW vergisst nach Ansicht des Sicherheits-Berater, einen wesentlichen Faktor für die Umsatzsteigerungen zu nennen. Das Sicherheitsgewerbe gehört zu den personalintensiven Dienstleistungen. Die Preise setzen sich erfahrungsgemäß zu mindestens 80 Prozent (häufig sogar über 90 Prozent) aus Lohn- und Lohnnebenkosten zusammen. Und diese erhöhen sich. Jahr für Jahr. Das Ergebnis: höhere Umsätze

Dabei müssen drei Sondereffekte besonders berücksichtigt werden:

  1. Ab 2011 gab es im Sicherheitsgewerbe einen tariflichen Mindestlohn, der sich besonders stark in Ostdeutschland auswirkte.
  2. Seit 2015 gibt es den gesetzlichen Mindestlohn. Der Effekt: zwischen 2011 und 2019 stiegen die Löhne in einzelnen Tarifgebieten von 4,60 Euro auf 10,00 Euro, also um 117 Prozent.
  3. Ver.di hat um 2010 im Luftsicherheitsbereich eine massive Kampagne gestartet, die dazu führte, dass sich die Tarifabschlüsse in diesem Segment vollkommen von denen des „normalen“ Objektschutzes entkoppelt haben. Diese Entwicklung ist nicht nur positiv zu bewerten (vgl. hierzu den Aufmacher des Sicherheits-Berater 13/2014).

Jeder mag sich selbst ein Bild davon machen, ob es nun einen Boom in der Branche gibt oder nicht. Der Sicherheits-Berater ist jedenfalls der Meinung, dass das Wachstum hauptsächlich auf Sondereffekte und (absolut begrüßenswerte) Lohnsteigerungen zurückzuführen ist.

Schwerpunkte:

Ausgabe 8/2019

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