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IT-Sicherheit und Datenschutz als Beruf.

Interview

Picture of Bernd Zimmermann

Bernd Zimmermann

Jessica Hertenstein (jh) arbeitet als Risikoingenieurin M. Sc. und beantwortete Bernd Zimmermanns (bz) Frage, wie sie zu diesem Beruf kam.

„Mit dem richtigen Mindset zur Risikoingenieurin.“

bz: Sie haben an der HFU, der Hochschule Furtwangen zunächst einen Bachelor Science Security & Safety Engineering, dann einen Master Science Risikoingenieurwesen absolviert und arbeiten jetzt als Risikoingenieurin im Bereich Datenschutz und IT im hochschulnahen Steinbeis-Transferzentrum in Stuttgart. Was ist das Steinbeis-Transferzentrum und welche Aufgabe haben Sie dort?

jh: Das Steinbeis-Transferzentrum ist ein Wissens- und Technologieverbund, der als Dienstleister der Wirtschaftsförderung dient. Dazu gehören rund 1.100 Transferunternehmen, die bundesweit Firmengründer beraten und für einen Technologietransfer sorgen. Ich bin dort auf den Gebieten Cyber- und Informationssicherheit und Datenschutz als Beraterin tätig. Genauer gesagt, ich befasse mich mit der Datenschutz-Folgeabschätzung und der entsprechenden Risikobetrachtung im Rahmen der Datenschutz-Grundverordnung, DSGVO. Mein Wissen gebe ich dort an Kunden weiter. Die Datenschutz-Folgeabschätzung war übrigens auch das Themengebiet meiner Thesisarbeit an der HFU, die ich dort im letzten Wintersemester verteidigt hatte.

bz: Was gibt es denn bei der DSGVO noch zu erforschen? Da sind doch alle zu ergreifenden Maßnahmen schon sehr detailliert beschrieben?

(SIBd 5/23)
Jessica Hertenstein (28)
Risikoingenieuring M. Sc.

Bildquelle: Jessica Hertenstein

jh: Ja, das denken viele, dass hier kein Forschungsinteresse mehr besteht. Aber die DSGVO ist zunächst einmal nur eine Gesetzesvorschrift, die von Juristen gemacht wurde. Juristen sind jedoch keine Risikoanalysten. Risikoanalysten müssen prüfen, ob und wieweit die Vorgaben der DSGVO überhaupt auf das eigene Unternehmen zutreffen. Das können Juristen in aller Regel nicht. Da ist es praktisch, wenn man eine Risikoingenieurin hat, die sehr spezielle Aufgaben im Bereich Risikoanalyse übernehmen kann. In meinem Fall geht es um die Aufgabe, vollständige Prozesse für die Berücksichtigung sogenannter „Betroffener Personen im Datenschutz“ zu entwickeln. Es stimmt, das Gesetz liegt sehr detailliert vor, aber es gibt zu wenig Vorlagen und Hinweise für praktikable Herangehensweisen, um nach den Regeln des Gesetzes mit den Daten betroffener Personen umgehen zu können. Kurzum, ich erarbeite Methoden, die Unternehmen helfen, mit der Umsetzung der DSGVO umgehen zu können.

bz: Ich möchte bitte noch einmal zwei Schritte zurückgehen: Wie kamen Sie überhaupt dazu, an der HFU in Furtwangen Security & Safety Engineering zu studieren? Das setzt doch eine ausgesprochene Technikaffinität voraus?

jh: Vor dem Studium besuchte ich eine Mädchenschule, eine Realschule, an der wir sehr in den sogenannten MINT-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, gefördert wurden. Da gab es von Anfang an gar keine Berührungsängste mit diesen Fächern. Und es gab auch den klassischen Vergleich zwischen Mädchen und Jungs nicht. Für uns stand üblicherweise der Berufswunsch Wirtschaftsingenieur auf der Liste der Optionen. Für diesen Gedanken konnte ich mich allerdings gar nicht so recht begeistern. Eines Tages gab es dann eine Karriereberatung und einer der Berufsberater sprach in einem Nebensatz davon, dass es den Beruf der Sicherheitsingenieurin gebe. Das war wirklich purer Zufall und mir gefiel dieser Begriff ganz spontan viel besser als Wirtschaftsingenieurin. Ich verband mit dem Begriff „Sicherheit“ sofort die Vorstellung, dass man anderen Menschen helfen kann. Ich habe das dann weiter recherchiert und stieß auf die Webseite der Hochschule Furtwangen, die eine Ausbildung zur Sicherheitsingenieurin anbietet. Dort habe ich mich dann zunächst für den Bachelorstudiengang Security & Safety Engineering eingeschrieben.

bz: Das taten Sie mit dem Ziel, Risikoingenieurin zu werden?

jh: Das hat mich, wie gesagt, schon sehr interessiert. Aber mich plagten auch Selbstzweifel, ob das Masterstudium überhaupt das Richtige für mich ist. Im ersten Semester habe ich mir noch gesagt, IT-Sicherheit und Datenschutz – das kann ich doch gar nicht. Vielleicht versuche ich lieber, es zur Brandschutzingenieurin zu bringen. Aber ich muss sagen, dass ich an der HFU auch sehr gut gefördert worden bin. Also habe ich das mit der Risikoingenieurin dann doch versucht. Da habe mich aber auch echt reinfuchsen müssen.

bz: Das spricht für Sie – und für die Hochschule Furtwangen.

jh: Ganz bestimmt, vor allem vermittelt die HFU ein thematisch sehr breit aufgestelltes Sicherheits-Know-how und eine solide Methodenkompetenz. Das kam mir persönlich sehr entgegen, weil ich gern über den Tellerrand hinaussehe. Und mein Wissen ist durch die Studiengänge Security & Safety Engineering und Risikoingenieurswesen auch für spätere Arbeitgeber sehr nützlich. Außerdem organisiert die HFU die meccanica feminale mit.

bz: Da besteht Aufklärungsbedarf meinerseits. Ich kenne bislang nur die Girls Days.

jh: Die meccanica feminale ist ein Portal speziell für Frauen in Wissenschaft und Technik. Deren Veranstaltungen und Vorlesungen finden in den Semesterferien statt. Da habe ich alle möglichen tollen Sachen gelernt – zum Beispiel kann ich jetzt auch Glasfasern spleißen, also thermisch miteinander verbinden. Oder man kann da lernen, wie man sich als Frau mit einer eher piepsigen Stimme dennoch Gehör verschaffen kann, also das Mindset entwickelt, geradeheraus zu sprechen. Ein ganz wesentlicher Vorteil der Teilnahme an der meccanica feminale war auch die Vernetzungsmöglichkeit mit anderen Frauen. Es gibt da wirklich einen tollen Austausch untereinander und ich musste plötzlich feststellen, dass auch andere unter dem Imposter-Syndrom leiden.

bz: Was steckt hinter dem Imposter-Syndrom?

jh: Dieses Syndrom beschreibt die unter Frauen – und speziell auch unter Frauen in der IT – weit verbreitete Tendenz, von Selbstzweifeln geplagt zu werden und zu glauben, man hätte den eigenen Erfolg eigentlich gar nicht selbst verdient. Anderen dagegen gesteht man die Erfolge zu.

bz: Selbstzweifel sind aber in Ihrem Fall nicht angebracht, wenn ich das so sagen darf. Sie sind zweifelsfrei eine sehr professionelle Risikoingenieurin. Wie sehen Sie mittelfristig Ihre berufliche Zukunft?

jh: Bei Steinbeis arbeite ich bislang nur halbtags. Die andere Hälfte des Tages möchte ich gern wieder zurück an die HFU, um dort weiterzuforschen an meinem Thesisthema.

bz: Frau Hertenstein, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Kontakt zur Interviewpartnerin:
jessica@hertenstein.net (Jessica Hertenstein)

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