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Editorial

Dichtung oder Wahrheit?

Ausgabe 10/2021
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Ausgabe 10/2021
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Liebe Leserinnen und Leser,

die u. a. vom Auswärtigen Amt, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Bosch-Siemens Haushaltsgeräte und IBM Deutschland finanzierte Stiftung Neue
Verantwortung („Think Tank für die Gesellschaft im technologischen Wandel“) hat eine Studie veröffentlicht zu den digitalen Nachrichten- und Informationskompetenzen der deutschen Bevölkerung.

Erkenntnisinteresse einer dieser Studie zugrunde liegenden repräsentativen Befragung lautete: Sind Bürger noch in der Lage, selbst darüber zu entscheiden,
ob eine Nachrichtenquelle oder Information vertrauenswürdig ist? Die Frage stellte sich vor dem Hintergrund, dass Journalisten durch einen radikalen Medienwandel ihren Einfluss als „Gatekeeper“ verloren haben. Bürger und Bürgerinnen seien in der Frage der Beurteilung von Informationen mehr denn je auf sich allein gestellt.

Selbst ohne Lektüre der Studie würde ich antworten: Ja, viele Menschen sind heute kaum noch in der Lage, die Vertrauenswürdigkeit publizierter Inhalte zu erkennen. Weder erkennen sie, ob ihnen Produktwerbung untergejubelt wird, noch können sie Propaganda von Information unterscheiden. Und ob eine Quelle wirklich eine Quelle im ursprünglichen Sinne des Wortes ist oder ob hier nach dem Stille-Post-Prinzip einer vom anderen abschreibt, können die allerwenigsten noch beurteilen bzw. verifizieren. Dies betrifft m. E. nicht nur den „normalen“, journalistisch ungebildeten Leser. Auch in Kreisen derer, die publizistisch tätig sind, scheint mir das Wissen um journalistische Prinzipien (übrigens auch die Sprachkompetenz) mehr und mehr abhanden zu kommen.

Es ist aber auch schwer heutzutage: Gehen Sie doch einmal auf die Seite https://de.rt.com. Auf den ersten Blick eine ganz normale Nachrichtenseite. Dass „RT“ urprünglich für „Russia Today“, ein vom russischen Staat gegründeter Sender, steht, wissen die wenigsten. Kritiker werfen dem Sender vor, russische Propaganda zu betreiben. Russland, so berichten deutsche Medien, plant noch in diesem Jahr 2021 einen TV-Sender in Deutschland zu installieren. Dazu ein Zitat aus dem Verfassungsschutzbericht 2019, S. 285: „Neben seinen Spionageinteressen ist Russland bestrebt, die politische und öffentliche Meinung in Deutschland im Sinne der russischen Politik zu beeinflussen.“ Und: „Die zentralen Rollen nehmen dabei der Internet-Sender RT Deutsch sowie die Nachrichtenagentur Sputnik ein.“ (S.286).

Zurück zur 143-seitigen Studie, deren Ergebnisse natürlich wissenschaftlicher und differenzierter sind als meine bescheidene Meinung – weswegen ich Sie Ihnen zur
Lektüre empfehle: www.stiftung-nv.de (Kurzlink https://bit.ly/3u49XiW ). Jedenfalls bestätigt sie z. B., dass die Befragten kaum zwischen Werbung, Information,
Desinformation und Meinung zu unterscheiden in der Lage sind. 56 Prozent der Befragten hielten ein Advertorial trotz Werbekennzeichnung für eine Information.
Dieses Phänomen ist übrigens auch in der Sicherheitspublizistik zu finden.

Wenn Sie wissen möchten, wie es um Ihre Medienkompetenz steht, empfehle ich Ihnen den Nachrichtentest auf http://dernewstest.de. 24 Fragen bzw. zehn bis 15
Minuten später erhalten Sie die Antwort.

Schwerpunkte:

Ausgabe 10/2021

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