sicherheits-berater
Close

Login

Wenn Sie sich hier zum ersten Mal seit dem 09.02.2024 anmelden wollen, nutzen Sie bitte die "Passwort vergessen"-Funktion.

Noch kein Abonnent? Hier geht es zu unseren Angeboten.
Close

Passwort vergessen

Close

Gastregistrierung

Mit Ihrer Registrierung erhalten Sie für 4 Wochen kostenlos und unverbindlich Zugriff auf unsere Inhalte.

Editorial

Den Rassismus vom Sockel stürzen?

Ausgabe 13/2020
  |  
  |  
Ausgabe 13/2020
  |  

Liebe Leserinnen und Leser,

der Mord an George Floyd hat die Diskussion über Rassismus zu Recht neu entfacht. Aber lässt sich Rassismus bekämpfen, indem man historische Denkmäler aus der Verankerung reißt? Oder hat Seehofer den besseren Plan?

Als Kind muss ich ein Rassist der allerschlimmsten Sorte gewesen sein: Im katholischen Kindergarten sang ich mit Inbrunst das Lied „Zehn kleine Negerlein“. Kostprobe: „Zehn kleine Negerknaben schlachteten ein Schwein; Einer stach sich selber tot, da blieben nur noch neun.“ So ging das weiter bis zur letzten Strophe. Als Kind ist man ja relativ unkritisch und nimmt allen Rassismus, wie er eben kommt (Heinrich Hoffmanns haarsträubende Daumenabschneideschichten rund um den weißhäutigen Struwwelpeter waren übrigens auch nicht viel besser). Wir aßen Mohrenköpfe und Negerküsse.

Rassismus zu erkennen und abzulehnen ist erlernbar. Ebenso wie die damit einhergehende Diskriminierung. Wer Coleman Hawkins, Charlie Parker und John Coltrane (wahlweise Martin Luther King, Cassius Clay oder Barack Obama) verehrt, dem fällt es schwer bis unmöglich, sich rassistisch zu äußern. Wer dagegen Statuen von vermeintlichen oder tatsächlichen Missetätern mit Farbe beschmiert, vom Sockel stößt und ins Hafenbecken kippt (eine Spiegel-Kolumnistin bezeichnete das am 16. Juni als „Umgestaltungsmaßnahmen“) begibt sich auf das gleiche Niveau wie die Schergen des sogenannten Islamischen Staates. Die konnten es auch nicht aushalten, dass in Palmyra jahrhundertealte Tempel als Weltkulturerbe der Vergänglichkeit trotzten. Wenn das Schule macht, können wir praktisch alle Statuen, die älter sind als dreißig bis fünfzig Jahre, einschmelzen. Dabei muss es sich nicht einmal um Skulpturen von aktiven Sklaventreibern oder Feldherren, in der Regel Massenmörder, handeln. Ich könnte wetten, dass auch Schiller und Goethe, so wie sie vor dem Deutschen Nationaltheater in Weimar stehen, hundertprozentige Rassisten waren. Rudolf Steiner sowieso. Selbst für den großen Aufklärer Immanuel Kant möchte ich meine Hand nicht mehr ins Feuer legen. Würde es nicht der Sache eher dienen, wenn man den Statuen solcher zeitgeschichtlicher Figuren aktualisierte Infotafeln beistellte?

Auch der Plan von Horst Seehofer, wenn er denn ernsthaft verfolgt wird und sich nicht als reine Symbolpolitik entpuppt, scheint mir sinnvoll zu sein. Der Innenminister hat kürzlich den Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus als eine der größten Bedrohungen für die Sicherheit in Deutschland bezeichnet. Die Bundesregierung stellt sogar fest: „Vom Rechtsextremismus geht derzeit die größte Bedrohung für die öffentliche Sicherheit in Deutschland aus.“ Als Reaktion darauf (unter dem Eindruck des Anschlages in Hanau, nicht wegen des Mordes an Floyd) hat sie den „Kabinettsausschuss gegen Rechtsextremismus und Rassismus“ eingesetzt. Ziel ist es, bis Herbst dieses Jahres weitere Maßnahmen zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus zu entwickeln. Diese werden sich an folgender Ankündigung des Innenministers messen lassen müssen: „Unsere Sicherheitsbehörden sind den Extremisten auf den Fersen und wir werden nicht nachlassen.“

Schwerpunkte:

Ausgabe 13/2020

Meist gelesen

Login

Noch kein Abonnent? Hier geht es zu unseren Angeboten.