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Editorial

Die hohe Kunst der Verschlimmbesserung

Ausgabe 21/2023
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Ausgabe 21/2023
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Liebe Leserinnen und Leser,

kennen Sie das: Da soll irgendetwas korrigiert oder optimiert werden, was die Sache jedoch keineswegs verbessert, sondern noch schlimmer macht? Im Deutschen kennen wir dafür das treffende Wort „Verschlimmbesserung“.

Verschlimmbesserungen sind fast immer gut gemeint. Aber gut gemeint ist bekanntlich nicht gut gemacht, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Wasserkocher: Kürzlich wurde in einer Firmenküche der funktional problemlose Wasserkocher ausrangiert. Irgendjemand, der zuvor offenbar noch niemals einen Wasserkocher benutzt hatte, fasste ihn nicht am Griff an, sondern an der metallenen Gefäßwand und verbrannte sich die Finger. Ein Fall also für den Arbeitsschutz: Mit dem eilig beschafften neuen Wasserkocher kann das nicht mehr so schnell passieren – er besteht aus Kunststoff. Man darf nun davon ausgehen, dass sich beim Kochen bis zu 30.000 Partikel aus dem Plastik herauslösen (vgl. entsprechende Medienberichte, z. B. auf www.oekotest.de, Kurzlink https://tinyurl.com/4rrv99jd). Über ausdünstende Weichmacher haben wir dabei noch gar nicht gesprochen.

Gendersprache: Die Damen sollen zu ihrem Recht kommen – da sind wir uns ja alle einig. Aber der störungsfreien Kommunikation dient das Sternchen-Doppelpunkt-Unterstrich-Innen-Gegendere nicht. Die integrativ männliche Form ist und bleibt die kürzestmögliche Ansprache (und Warntafelansage), wenn’s im Notfall schnell gehen soll: „Liebe Besucher, bitte verlassen Sie … “ statt „Liebe BesucherInnen … “ „Aus rein logischer und technischer Sicht ist Gendern das Gegenteil einer einfachen Sprache“, sagt der Informatiker Dr. Meffert. Auch der Nutzung von KI-Sprachmodellen stehe die Gendersprache im Weg. Denn sie sei geeignet, Trainingsdaten für Sprachmodelle zu verunreinigen, weil der Doppelpunkt normalerweise ein Satzendzeichen sei (vgl. www.dr-dsgvo.de, Kurzlink https://tinyurl.com/5c7un8ew).

Cybersecurity: Eine Studie der Cambridge Universität kommt zu dem Ergebnis, das Maßnahmen zur Verbesserung der Cybersecurity kontraproduktiv sein können. Sie konnten mehrere Verschlimmbesserungen („Unintended Harms of Cybersecurity Countermeasures“) identifizieren. So könnten z. B. Sensibilisierungskampagnen ein falsches Gefühl der Sicherheit hervorrufen. www.cl.camacuk, Kurzlink https://tinyurl.com/4czdpmms

Textkorrektur beim Sicherheits-Berater: Ein Autor hatte geschrieben „So ballert man nicht ungesetzlich auf angreifende Spionagedrohnen, sondern baut Fangnetze.“ Der Korrektor verschlimmbesserte durch Transformation ins Passiv, was dem Nebensatz sinnentstellend das Subjekt entzog: „So wird nicht ungesetzlich auf angreifende Spionagedrohnen geballert, sondern baut Fangnetze.“

Wer Fettbrände mit Wasser löscht (Explosionen), wer sein Haus in Polystyrolplatten einpackt (evtl. Schimmelbildung und im Falle eines Fassadenbrandes Feuerinferno), wer seine Maschinen dem Internet of Things anvertraut (macht sie vernetzbar und damit sabotierbar) … versteht die hohe Kunst der Verschlimmbesserung.

Schwerpunkte:

Ausgabe 21/2023

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