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Editorial

Führerschein auf Lebenszeit oder Fahrtauglichkeitsprüfung?

Ausgabe 11/2023
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Ausgabe 11/2023
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Liebe Leserinnen und Leser,

was ist von der Idee zu halten, regelmäßige Tests der Fahrtauglichkeit für Senioren einzuführen? Entsprechende Pläne der EU werden derzeit diskutiert. Handelt es sich dabei nicht um Altersdiskriminierung? Sicher nicht, wenn auch alle anderen Autofahrer ihre Fahrtauglichkeit immer einmal wieder unter Beweis stellen müssten. Denn: Der Führerschein auf Lebenszeit widerspricht jedem Sicherheitsbewusstsein.

Ich erinnere mich noch genau an den Weihnachtsfeiertag 2022, an dem ich tatsächlich ins Auto eines fast Neunzigjährigen griff, um ihm den Autoschlüssel zu entreißen. Der ältere Herr war zuvor nicht in der Lage gewesen, binnen dreier Grünphasen der Ampelanlage die Kreuzung zu passieren. Ohne auf die Einzelheiten eingehen zu wollen: Ich musste befürchten, dass er seinen Wagen nicht zügig, sondern nur noch hoppelnd und im Blindflug über den Kreuzungsbereich navigieren konnte und wollte.

Der Herr war von meinem Eingreifen und meiner Benachrichtigung der Polizei natürlich alles andere als begeistert. Mir war völlig klar, dass es für ihn einen schmerzhaften Verlust an Lebensqualität bedeuten würde, wenn er auf die Fahrerlaubnis verzichten müsste. Und natürlich war ich mir keineswegs sicher, ob mein Eingreifen nicht schlichtweg als Nötigung zu verstehen sein würde. Zum Glück bestätigte die Polizei beim Anblick des Greises, der seine Hörgeräte nicht hinter den Ohren, sondern in der Jackentasche auf-bewahrte, die Richtigkeit meines Eingreifens und kündigte an, diesen zu einem Fahrtauglichkeitstest schicken.

Mir leuchtete noch nie ein, warum ich mein Auto alle zwei Jahre auf Verkehrstüchtigkeit prüfen lassen muss – meine eigene Tauglichkeit aber bis zum Lebensende niemals gecheckt werden soll. Dass Belastbarkeit, Aufmerksamkeit oder Reaktionsfähigkeit im Laufe eines Lebens nicht erst mit 80 Jahren, sondern zu jedem früheren Zeitpunkt nachlassen können, muss wohl nicht noch durch Studien nachgewiesen werden. Wer von der Fahrtauglichkeit aller Menschen bis zum Lebensende ausgehen will, der muss so tun, als gäbe es keine psychischen Störungen, Beweglichkeitseinbußen, Sinnestrübungen, Sehschwächen, Schulterblickunvermögen usw. Das Nachlassen der Fahrtauglichkeit scheint mir daher nur tendenziell, nicht jedoch prinzipiell eine Altersfrage zu sein.

Kurzum, als Sicherheitsfan halte ich regelmäßige Fahrtauglichkeitsüberprüfungen nicht nur für Senioren, sondern für alle Verkehrsteilnehmer für sinnvoll. Ein Auto ist nun einmal ein gefährliches Geschoss. Und mir fällt im gesamten Sicherheitsbereich keine Konfiguration ein, die nicht von Zeit zu Zeit unter dem Aspekt der dauerhaften Zuverlässigkeit zu überprüfen wäre.

Vielleicht erledigt sich ja die Frage der regelmäßigen Tauglichkeitsprüfung irgendwann einmal von selbst, wenn das autonome Fahren mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz perfektioniert wird …

Schwerpunkte:

Ausgabe 11/2023

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